13.01.2012 - 18:30 Uhr

1 18 Über Twitter weiterempfehlen

"Oberflächlich betrachtet sind wir alle Jungs, die mit Gitarre deutsche Texte singen"

Text: birk-grueling - Fotos: Sandra Ludewig

Max Prosa hat schon viel probiert - Abitur mit 17, ein abgebrochenes Physik- und Philosophie-Studium und nun präsentiert er sich als Singer/Songwriter mit nachdenklichen Texten. Ein Interview über das Woher und Wohin.


Dein Künstlername „Max Prosa“ lädt ja fast schon zu einer Frage nach der tieferen Bedeutung ein. In wie vielen Interviews war das bisher der Einstieg? Max Prosa: Bei mindestens 75 Prozent  (lacht)  

Hast du die Namenswahl schon mal bereut? Immerhin klingt „Prosa“ ja furchtbar bedeutungsschwer und intellektuell.
Clueso wurde auch immer nach seinem Namen gefragt. Das liegt einfach auf der Hand, gerade weil bei mir noch die Bedeutung des Wortes „Prosa“ dazukommt. Für mich hat aber nur der Klang gezählt und jetzt muss ich damit leben. (Lacht)  

Eine weitere Unart von Journalisten ist das Vergleichen. Gab es Vergleiche, die dich wirklich geärgert oder verwundert haben?
Ärger wäre das falsche Wort. Etwas blöd ist die aktuelle Welle von Songwriter, wie Poisel, Bendzko und Co. Dass mein Album im Januar kommt, sieht ein bisschen danach aus, als würde ich noch mitschwimmen wollen. Ich kann aber versichern, dass mein Album alles enthält, was ich schon seit Jahren mache. Deshalb ist es ein bisschen komisch für mich, in den Zeitgeist-Topf geworfen zu werden.  

Mal Hand aufs Herz. Du profitierst aber doch auch von dem gestiegenen Interesse an deutscher Popmusik!?

Das kann sein. Aber das passiert auf einer Ebene, die hinter meiner Musik liegt. Klar sind deutsche Singer/Songwriter gerade mehr im Fokus und vielleicht werden deshalb auch mehr Menschen auf mich aufmerksam. Aber das Album hätte ich auch ohne  diese Welle genauso gemacht.  

Du hast mit 17 Jahren dein Abitur gemacht und danach Physik und Philosophie studiert. So etwas ist ja häufig Produkt einer enorm pädagogischen Jugend. Wie sah es denn mit einer musikalischen Bildung aus?
Ja, du hast recht. Meine Eltern haben viel Wert auf eine pädagogische und kultivierte Erziehung gelegt (lacht). Dazu gehörte natürlich auch das klassische Instrument, da mein bester Freund Klavierunterricht bekommen hat, fiel bei mir die Wahl auf die Konzertgitarre. Bis in die Pubertät habe ich also klassische Sachen gespielt, bis ich dann irgendwann die E-Gitarre für mich entdeckt habe. Damals war aber der Fokus noch auf der Schule und nach dem frühen Abitur wusste ich nicht so recht, was ich machen soll. Meine Physiknote war sehr gut und darum habe ich das Studium begonnen. Doch dann kam auch bald die Erkenntnis, dass es das nicht ist. Wie ein Künstlerleben aussehen kann, musste ich dann erstmal herausfinden. Bis heute würde ich sagen, ist die Suche nicht abgeschlossen.  

Wie schwer war es, für deine Eltern diese Selbstfindung zu akzeptieren?
 Das war schon nicht leicht. Musik spielte für sie immer nur als Freizeitbeschäftigung eine Rolle. Es war ein wenig, wie einem Blinden zu erklären, was Grün ist. Daran bin ich lange verzweifelt. Erst im letzten Jahr kam eine Reflexion auf, die wirklich positiv war. Nachdem bei ihnen ein paar Träume für meine Zukunft zusammengebrochen sind, akzeptieren sie jetzt meinen Weg. Ich verstehe sie ja auch, immerhin sah es ja am Anfang schon eher nach einer Verwirrung aus und nicht nach etwas Solidem.  

Kommen wir mal zu deinem Karrierestart. Du warst zuerst im Bandpool der Popakademie Mannheim, richtig!?

Genau, das war noch vor dem Zughafen. Dort bekam ich als junger Musiker ein paar wichtige Tipps für den Karrierestart. Immerhin hat man ja recht wenig Erfahrung mit den ganzen Musikbusiness-Dingen. Für mich war das auf jeden Fall der erste Grashalm, der aber dann von dem Zughafen abgelöst wurde.



Wie bist du denn zum Zughafen als Management gekommen? Du hast ja nicht den HipHop-Background wie deren andere Kunden Ryo oder Clueso.

Das stimmt! Nach einem Konzert kam der Präsident der Mannheimer Popakademie zu mir und wollte mein Demo haben. Er hat das dann zu dem Universal Musikverlag geschickt und der A&R von dort wollte sich relativ schnell mit mir treffen. Wir trafen uns im Michelberger Hotel in Berlin zum Mittag. Ich hatte aber gar nicht genug Geld dabei, um mein Essen selbst zu bezahlen. Also hab ich mir die gesamte Zeit nur Gedanken darüber gemacht, ob ich nun eingeladen werde und das es ja ziemlich peinlich wäre, kein Geld zu haben. Darum habe ich schlichtweg gar nicht mitbekommen, was er mir erzählt hat. Zum Glück lud er mich, aber ich konnte mich einfach an nichts aus dem Gespräch erinnern. Darum hat er mir dann ein Management vermittelt, das mir diese Dinge abnimmt. Von den sechs Kandidaten war mir Andi vom Zughafen am sympathischsten.  

 Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass die deutsche Songwriter-Landschaft zweigeteilt sei, also zwischen den fröhlichen Vertretern wie Bendzko und der bedeutungsschwereren Fraktion, zu der ich dich einfach mal zähle. Siehst du solche Grenzziehung auch?
Ich glaube, nur in fröhlich und traurig zu denken, wäre zu einfach. Vielleicht passen die Begriffe „zugänglich“ und „nachdenklich“ besser. Bei manchen Liedern muss man sich vielleicht einfach mehr Gedanken machen als bei anderen. Aber das macht die Szene ja auch so spannend. Oberflächlich betrachtet sind wir alles Jungs, die mit Gitarre deutsche Texte singen. Aber wenn man dahinter schaut und sich mit den einzelnen Songs auseinandersetzt, kann man eben diese Unterschiede entdecken. 

 Ich habe in einem Radiointerview mit dir erfahren, dass du Rio Reiser als Inspirationsquelle siehst. Er war vielleicht einer der meinungsstärksten deutschen Musiker überhaupt. Fehlt es aus deiner Sicht an solchen Persönlichkeiten in der deutschen Poplandschaft?
Ohne Frage hat Rio Reiser einige monumentale Stücke geschrieben und das macht ihn einfach unaustauschbar. Diese Verehrung und dieser Respekt vor einem Werk kann aus meiner Sicht nur entstehen, wenn Songs eine gewisse Tiefe und einen unverwechselbaren Stil haben. Bei solchen Künstlern kann einfach kein anderen kommen und das erfolgreich kopieren. Mit gutem Aussehen und Charttauglichkeit wird man nicht unsterblich (lacht). Diese Unaustauschbarkeit macht für mich Rio Reiser so bewundernswert.  

Du hast vorhin gesagt, dass du nicht weiß, wo dich dein Weg hinführt. Heißt das auch im Umkehrschluss, dass die Musik nicht der einzige mögliche Weg des kreativen Ausleben für dich ist?
Das könnte durchaus sein. Ich habe mir nie konkrete Ziele gesetzt oder einen übergeordneten Lebensplan gehabt, sondern immer das gemacht, was ich wollte oder was mich interessiert hat. Ich hoffe sogar, dass ich mich nochmals verändere und halte das sogar für Künstler notwendig. Gerade was die Texte betrifft, finde ich zum Beispiel noch viele andere Formen reizvoll. Konkretes ist aber nicht geplant.     


Das Album "Die Phantasie wird siegen" von Max Prosa erscheint am 27. Januar bei Columbia d / Sony


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
birk-grueling
Mehr Texte zum Label
Interview
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
18 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

WestendKanacke
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

13.01.2012 - 18:33 Uhr
WestendKanacke

Klar. Im Michelberger.

la_seduzione
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2012 - 01:41 Uhr
la_seduzione

Boah nee, ich mag so 'ne Mucke einfach nicht. So Teenie-Trauer-Kitsch-Zeug. Irgendwie.

alces
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2012 - 09:31 Uhr
alces

Deutsche Singer/Songwriter? Ich bin raus.

Melanchtron
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2012 - 09:33 Uhr
Melanchtron

zum Lied: ist eigentlich musikalisch ganz interessant, von der Begleitung und Harmonik. Vielleicht wäre an ein zwei Stellen ein dumpfes Schlagzeug noch interessanter gewesen.
Aber die Lyrik trifft meinen Nerv nicht.

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2012 - 09:36 Uhr
Melanchtron

oder auch mal ne zweite Cello-Stimme wäre cool gewesen, so ab 2:00 ;)

aufzeichnungenausdemkellerloch
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.01.2012 - 09:42 Uhr
aufzeichnungenausdemk…

Das sind frühmusikalische, erzogene Kinder und solche, die jetzt den kommerziellen Mittelweg (ein kompromiss für unser ohr, weil ganz nett anzuhören) eben durch pop akademien und stumpfen songwriter pop der nuller jahre, ihr eigen nennen können.
Beherrschung von Handwerk gegen Idealismus, würde ich mal sagen.
Denen muss man also nicht erzählen wo was fehlt, weil der objektive eindruck wegfällt.

gedankenrecht
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.01.2012 - 11:54 Uhr
gedankenrecht

Manches von ihm erinnerte mich an Tocotronic, also nicht sooooo schlecht. Aber live fand ich ihn dann ZIEMLICH unerträglich

gulnara
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.01.2012 - 14:10 Uhr
gulnara

oha, das ist aber spannend, ist das wirklich so mit der songwriterwelle?? bin ich dann auch ein mitschwimmer? das wäre ja zu allerliebst.

marieschen
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

15.01.2012 - 14:57 Uhr
marieschen

Monomental? Text voller Fehler. Ganz schlimm!

eisengrau
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

15.01.2012 - 23:33 Uhr
eisengrau

gulnara sagte:
oha, das ist aber spannend, ist das wirklich so mit der songwriterwelle??


Ja. Böse Zungen sagen auch "-schwemme". Irgendwie waren deutsche Liedermacher ab Ende der 80er megaout. Wollte einfach keiner mehr hören, die ganzen Wackersdorf-Barden. Die 90er über war jedenfalls in diese Richtung gar nichts los. Und dann fing's - ich würde sagen, mit Funny van Dannen - wieder an, so vor 10 Jahren. Und inzwischen macht jeder, der eine Gitarre hat, so Singer/Songwriter- Sachen.

Vielleicht ist das auch durch den US-Folk beeinflusst, der war in seiner Heimat immer kontinuierlich präsent, und bei uns mal mehr, mal weniger im Blickfeld, aber zumindest erlebt der seit etwas derselben Zeitspanne eine neue Welle der Beliebtheit bei uns. Da ging der Rummel meinem Gefühl nach mit Songwritern wie Joanna Newsom oder Antony and the Johnsons so richtig los.

Weiter Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

birk-grueling offline

birk-grueling

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Hat Beiträge verfasst zu