11.01.2012 - 18:30 Uhr

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Willkommen im Billigstudium

Text: peter-wagner - Foto: dpa

Eine britische Uni bietet ab Herbst ein Studium, für das die Studierenden nur die Hälfte der vorgeschriebenen Studiengebühren zahlen - dafür dürfen sie nicht in die Bibliothek oder in den Hochschulsport.

Angestrichen:
We tailor our timetables to allow you to hold down a job and study or to combine study with domestic responsibilities or other lifestyle choices.  

Wo steht das?

Auf der Website des Coventry University College, einer neuen Ausgründung der Universität von Coventry in Großbritannien.  

Was ist an dem Satz so besonders?

Er beschreibt vielleicht den Anfang einer großen Veränderung, mindestens im britischen Hochschulsystem. Die britische Regierung spart seit diesem Jahr an der Hochschulfinanzierung. Die meisten Hochschulen verlangen nun gut 9000 Pfund Studiengebühren im Jahr. Das ist ein erheblicher Haufen Geld, viele fürchten, die Summe schrecke potentielle Studenten ab. Die Unichefs denken deshalb über Reformen, überhaupt über ein neues Studium nach. Denn wer sagt, dass zu einem Studium zwangsläufig auch das zugehörige Studentenleben, ein Umzug und ein Vollzeitaufenthalt an der Hochschule gehören?  



Die Universität Coventry hat nun ein College ausgegründet, das Coventry University College. Die Unterzeile auf der Website deutet bereits an, was dort anders werden soll: „Life-shaped learning“ steht im Stundenplan. Wer das College besucht, um dort Wirtschaft, Recht, Marketing, Tourismus oder ein anderes wirtschaftsorientiertes Fach zu studieren, soll seinen Nebenjob nicht aufgeben müssen. Im Gegenteil. Während zum Beispiel in Deutschland der Nebenjob irgendwie um die Vorlesungen herum organisiert werden muss, geht man am College den anderen Weg: Die Universität steht den Studenten von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends offen. Außerdem auch Samstag und Sonntag bis 16 Uhr. Auf der Website ist von Intensivkursen die Rede. Der Aufenthalt an der Universität soll nur fürs Lernen genutzt werden, für nichts anderes.  

Einerseits wollen die Verantwortlichen auf diese Weise die vorhandenen Kapazitäten besser auslasten. Andererseits soll das Studieren billiger werden. Die britische Zeitung „The Guardian“ schrieb im Herbst vergangenen Jahres, als die Idee vorgestellt wurde, von einem Billigstudium ähnlich dem Angebot von Billigfluglinien, die im Flugzeug auf kostenloses Essen oder schon vorher auf kostenlose Gepäckmitnahme verzichten. Wer am Coventry University College studiert, zahlt 4800 Pfund statt 8666 Pfund Gebühren. Für dieses Geld dürfen die Studenten zwar zu nahezu jeder Zeit zum Lernen vorbeikommen, allerdings bleiben ihnen bestimmte Uni-Einrichtungen verschlossen: „It is an offshoot of Coventry University, but students at the new institution will not have access to the university's library, IT or sporting facilities“ berichtet der Guardian. Wer weniger bezahlt, bekommt auch weniger vom Unileben mit. Wie das Angebot angenommen wird, muss sich noch rausstellen. Der Studienbetrieb wird im Herbst aufgenommen.   



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anagramm
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Mag ich Mag ich nicht

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14.01.2012 - 12:34 Uhr
anagramm

öhm, ich weiß ja nicht, wer alles von euch an hochschulen lehrt, aber ich kann euch versichern, auch in den geisteswissenschaftlichen fächern und an FHs braucht man zum erfolgreichen bestehen des bachelors bibliotheken.
gerade bei den fächern, die sich mehrerer disziplinen bedienen. bachelorarbeiten und hausarbeiten lassen sich bei uns nicht ohne bibliotheken anfertigen. es wird von den studenten gerne immer mal wieder versucht - aber die relevante literatur ist nun mal nicht im internet vorhanden und erscheint in allen möglichen sprachen, aber fast nie auf deutsch. entsprechend mies ist dann das prüfungsergebnis.
skripte lassen sich allenfalls für grund- und einführungskurse anfertigen.
also bitte nicht immer von der couch aus alles über einen kamm scheren.

trachtenjankerl
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14.01.2012 - 23:29 Uhr
trachtenjankerl

JoergAuch sagte:
trachtenjankerl sagte:
In den Naturwissenschaften hat es in den letzten zwanzig Jahren nichts umwälzend neues gegeben, das außerhalb seiner Spezialecke irgendwie bedeutsam UND und als Lehrstoff für nicht Nichtgraduierte zumutbar wäre.

Na, lange nicht mehr Zeitung gelesen, was?

Gib mir mal ein Beispiel.

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

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15.01.2012 - 00:55 Uhr
JoergAuch

trachtenjankerl sagte:
Gib mir mal ein Beispiel.

- Boom der Biotechnologie, Genomsequenzierungen und alles was damit zusammenhängt.
- Nanotechnologie.
- Automatisierung, Robotik, ...
- Hubble-Teleskop und seine Ergebnisse
- Fortschritte in der Computertechnologie

Außerdem fehlten vor 20 Jahren gerade in den Anfängerlehrbüchern Themen wie Quantenmechanik und Relativitätstheorie noch fast völlig.

Das waren jetzt nur so ein paar spontane Einfälle ...

trachtenjankerl
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Mag ich Mag ich nicht

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15.01.2012 - 22:42 Uhr
trachtenjankerl

JoergAuch sagte:
trachtenjankerl sagte:
Gib mir mal ein Beispiel.

- Boom der Biotechnologie, Genomsequenzierungen und alles was damit zusammenhängt.
- Nanotechnologie.
- Automatisierung, Robotik, ...
- Hubble-Teleskop und seine Ergebnisse
- Fortschritte in der Computertechnologie

Außerdem fehlten vor 20 Jahren gerade in den Anfängerlehrbüchern Themen wie Quantenmechanik und Relativitätstheorie noch fast völlig.

Das waren jetzt nur so ein paar spontane Einfälle ...


Aha. Und was davon ist irgendwie Grundlagen- und Grundstudiumsrelevant?
Naja, vielleicht bin ich zu sehr von Uni und Grundlagenforschung geprägt. An der FH ist man da möglicherweise nicht so engstirnig, wenn es darum geht Dinge anzuwenden, die man noch nicht verstanden hat.

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

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15.01.2012 - 23:02 Uhr
JoergAuch

trachtenjankerl sagte:
Aha. Und was davon ist irgendwie Grundlagen- und Grundstudiumsrelevant?

Alles natürlich. Anderes habe ich gar nicht erst erwähnt. Hängt natürlich vom Studiengang ab, was genau da jeweils reingehört, aber das sollte eigentlich selbstverständlich sein.

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Mag ich Mag ich nicht

0

15.01.2012 - 23:03 Uhr
JoergAuch

trachtenjankerl sagte:
An der FH ist man da möglicherweise nicht so engstirnig, wenn es darum geht Dinge anzuwenden, die man noch nicht verstanden hat.

Vielleicht verstehen manche Leute auch einfach schneller als du? ;-)

trachtenjankerl
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Mag ich Mag ich nicht

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16.01.2012 - 00:43 Uhr
trachtenjankerl

JoergAuch sagte:
Vielleicht verstehen manche Leute auch einfach schneller als du? ;-)

Das ist zu hoffen.

MisterClean
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Mag ich Mag ich nicht

1

16.01.2012 - 15:34 Uhr
MisterClean

Grundsätzlich ist es natürlich begrüßenswert, dass britische Hochschulen in Zukunft auf weniger Gebühren setzen. Aber wie soll ein Studium ohne Bibliothek funktionieren?

Eine andere Befürchtung meinerseits besteht darin, dass es in Zukunft zwei Klassen an Studenten geben wird. Diejenigen, die es sich leisten können und somit das All-inclusive Angebot der Uni wahrnehmen können und diejenigen, die eben nicht das volle Programm nutzen können. Eine Mitgliedschaft sowie eine Premium Mitgliedschaft. Ob das der richtige Weg ist?

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.01.2012 - 19:20 Uhr
afrirali

Jurette war wohl echt die einzige, die sich deren Website angesehen hat. Dort heißt es:

Coventry University College is a brand new institution that will admit students from September 2012 onto a range of courses in Business, Finance, Accounting, Banking, Law, IT, Sales and Marketing, Engineering and Hospitality & Tourism.

Also, weder Geisteswissenschaften noch Naturissenschaften. Ob man für Law auf eine Bibliothek verzichten kann... maybe.

Weiter:

Coventry University College is committed to high quality, cost effective learning opportunities. This is why we have decided to keep our
pricing structure simple. Each full, 6 week block is £1200 for the academic year 2012/13. This means that a normal full-time year is £4800.

This will include some of your learning materials and access to the College Learning Resource Centre, all your classes and our online tutorials. Coventry University College is a separate organisation from Coventry University, and whilst we share a campus, the facilities are separate. You will therefore not be able to make use of Coventry University facilities except for the Library, where you will have reading rights.

Das heißt, man kann sich dort keine Bücher ausleihen, aber wohl dort arbeiten und lesen. Mir erscheint das im Prinzip eine sinnvolle Idee zu sein, mit der herrschenden Geldnot umzugehen.

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peter-wagner

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