Haste mal ’n bisschen Internet?
Bisher hat man bei seinem Nachbarn geklingelt, wenn man ihn kennenlernen wollte. Mit wifis.org kann man ihm jetzt auch über seinen WLAN-Router eine Nachricht schicken. Und ganz nebenbei kann dieser neue Dienst die Rettung sein, wenn man selbst vom Netz abgeschnitten ist.
Der Umzug ist geschafft, die Kartons zum Teil ausgepackt, Waschmaschine und Fernseher sind angeschlossen. Nur das Internet, das geht noch nicht, weil erst die Menschen von der Telekom kommen müssen. Trotzdem würde man jetzt gerne auch schon in der neuen Wohnung seine Mails abfragen. Also raus aus der Wohnungstür und klingeln bei den Nachbarn. Es gibt ja schließlich genug drahtlose Netzwerke, der Computer hat sie angezeigt: „Kalles Fritz Box“, „WeeLan“, „Pupsi 26“ und ganz viele andere Fantasienamen, die manchmal sogar lustig sein können oder Aufschluss über die Vorlieben und den Humor ihres Besitzers geben können.Leider gestaltet sich das WLAN-Schnorren im Haus nicht ganz so einfach. Die Hälfte der Nachbarn ist nicht zu Hause, in der WG im zweiten Stock macht der Zwischenmieter auf, der selbst keine Ahnung hat, wo das Passwort zu finden ist, und die alte Dame im Erdgeschoss bricht in ein herzliches Lachen aus, als sie das Wort Internet hört.
Doch wie es bei den meisten Alltagsproblemen irgendwann der Fall ist, ist eine netzbasierte Abhilfe in Sicht. Wifis.org nennt sich die Seite, die der Berliner Mathias Nitzsche, 28 Jahre, ins Leben rief. Seit Dezember ist der Dienst online, und seine Funktionsweise ist eigentlich ziemlich naheliegend.
Ein WLAN-Inhaber meldet sich und sein Netzwerk auf wifis.org an, und gibt seinem Netzwerk einen neuen Namen, nach dem Prinzip wifis.org/beispiel. Er selbst bleibt so zunächst anonym, hinter dem Link verbirgt sich nur ein Kontaktformular. Wer auf der Suche nach einem Leih-Netzwerk ist, kann dem WLAN-Besitzer so eine Anfrage schicken. Schon ist man in Kontakt und kann ausmachen, ob, wie lange und für welche Gegenleistung das WLAN genutzt werden darf.
Rechtlich ist das aber ein bisschen problematisch: Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler WLAN-Anbieter verbieten es, den Zugang Dritten zu öffnen. Und der WLAN-Besitzer kann nicht hundertprozentig sicher sein, dass die Person, die ihn kontaktiert, wirklich vertrauenswürdig ist. Sollte sie über den geliehenen Zugang Illegales anstellen, wäre der WLAN-Besitzer haftbar. Auch Mathias rät zur Vorsicht: „Man sollte natürlich nach nur einer Mail-Anfrage nicht gleich sein Passwort herausgeben.“ Ursprünglich ging es Mathias bei wifis.org auch gar nicht darum, WLANs zu teilen. Er fand es vor allem spannend, einem Alltagsgegenstand wie einem WLAN-Router eine neue Funktion geben zu können und ihn als neues Einfallstor für eine Kontaktanbahnung unter Nachbarn zu etablieren. „Man kann sich so kennenlernen, vielleicht wird so Nachbarschaft zur Freundschaft. Und Freunden kann man ja auch seinen WLAN-Zugang geben.“
Die Idee, Internetzugänge zu teilen, ist aber nicht ganz neu. Schon länger gibt es Versuche in diese Richtung, die auf der Idee des Crowdsourcing basieren: Die 2006 gegründete Firma Fon ist eine Community, deren Mitglieder einander die Zugänge ihrer WLAN-Hotspots zur Verfügung stellen. Vier Millionen solcher „Fon Spots“ gibt es nach Angaben der Betreiber weltweit. Ähnlich funktionieren die Freifunk-Netze, sie sind quasi die nicht-kommerzielle, vom Idealismus und der Vision eines für jeden frei zugänglichen Internets getriebenen Varianten einer solchen Community.
Der große Unterschied zu wifis.org ist, dass dort die Community fehlt. Das senkt die Hemmschwelle, man muss kein Mitglied sein, um Zugriff auf andere Netze zu bekommen. „Und man stellt sein Netzwerk nicht gleich vier Millionen Menschen zur Verfügung, sondern behält die Kontrolle.“
Wifis.org hat sich seit dem Start Ende 2011 rasant verbreitet, auch in Spanien, Lateinamerika und kürzlich in Frankreich. Mehrere tausend Nutzer gebe es schon, sagt Mathias. Das große Geld wittert er aber nicht. Werbung soll es nicht geben, und der Dienst „wird garantiert umsonst bleiben“. Damit wifis.org seinen vollen Nutzen entfalten kann, müssen sich ohnehin noch sehr viel mehr Leute anmelden.
Bis es soweit ist, gibt es ja immer noch die herkömmliche Türklingel.
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Wer auf der Suche nach einem Leih-Netzwerk ist, kann dem WLAN-Besitzer so eine Anfrage schicken.
Per Brief oder wie ? Ist da, besonders in dem Eingangsbeispiel Umzug, eine klitze kleine Lücke im System. Wenn ich auf die Webseite komme, dann hab ich doch Internet, oder ?
Digital_Data
11.01.2012 - 00:37 Uhr
Flatterfrau
@ Digital_Data: ich stelle mir vor, dass man die Mail ja auch vom Handy oder Internet-Café schicken kann. Den Link sehe ich als WLAN-Namen.
Ich finde es praktisch!
Citterio sagte:
Mein WLAN hat ne eMail-Adresse als Namen. Aber gemeldet hat sich da noch nie jemand...
Top
Mein WLAN heißt DavidHasselhoff. Das meiner Eltern habe ich LAN_is_in_the_air genannt.
Unbedingt irgendwo einrichten will ich noch sowas wie BKA-Überwachungs-Truck oder so.
Digital_Data sagte:
Wer auf der Suche nach einem Leih-Netzwerk ist, kann dem WLAN-Besitzer so eine Anfrage schicken.
Per Brief oder wie ? Ist da, besonders in dem Eingangsbeispiel Umzug, eine klitze kleine Lücke im System. Wenn ich auf die Webseite komme, dann hab ich doch Internet, oder ?
Digital_Data
hab mich absolut dasselbe gefragt. "finde ein netz zum surfen! per netz!"...
Ich glaube, da hoffe ich lieber, dass meine neuen Nachbarn Foneros sind - oder ich klingel tatsächlich. Wenn ich erst Internet brauche, dann ne Mail schreibe, dann warte bis derjenige mir ggf. antwortet und ich dann die Antwort wieder lesen kann... also da hätte ich als bekennender Internetsüchtling schon längst nen Durchbruch zur Nachbarwohnung gemacht und ein LAN-Kabel gelegt :D








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10.01.2012 - 23:22 Uhr
Citterio