Bootbürger ist der neue Wutbürger
Die Affäre Wulff erfasst jetzt sogar neben Pressevertretern auch Treter. Ein paar von Ihnen - die Polizei sprach von circa 300 Teilnehmern, die Schuhe von 1000 - versammelten sich heute unter dem Motto "Show for you" vor dem Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Jetzt.de sprach mit einigen der Demonstrationsteilnehmer über ihre Motive und Forderungen.

Budapester (42, Key Account Manager) "Ich bin als Ungar, was Pressefreiheit angeht, sehr empfindlich, weil diese in meiner Heimat gerade massiv eingeschränkt wird. Natürlich ist der Anruf bei Diekmann damit nicht vergleichbar, denn was die BILD macht, hat ja nur im weitesten Sinn etwas mit Journalismus zu tun. Ich möchte, dass Wulff zurücktritt, aber er soll dabei bitte saubere Schuhe anhaben."

Pumps (26, BWL-Studentin) "Zunächst hieß es bei Wulff: Kein Geld fürs Haus? Pump's! Jetzt heißt es: Kein Geld fürs Haus? Pumps! Den ich bin hier. Ich kann zwar auf großen Fuß, aber nicht auf Pump leben - obwohl ich Pumps bin. Nur der jetzige Bundespräsident meint dies zu können. Ok, er hat sich die 500.000 Euro von einem väterlichen Freund geliehen. Ich hätte auch gern so einen, der mir mein Studium finanziert - bin tolerant (nur nicht bei Wulff)."

Sandalen (36, Animateur) "Ich wurde auf der Demonstration von der Polizei wegen Sandalismus festgenommen. Ein Unverschämtheit, dabei habe ich nur ein Buch von Juli Zeh verbrannt, weil die Wulff in einem doppelt intellektualisierten Artikel für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in Schutz nahm. Sauerei! Christian Wulff: der Boot ist voll - weg mit ihnen!"

Pantoffel (29, Werbefachmann) "Leider glaube ich, dass Wulff seinen Stiefel weiter durchzieht und nicht geht. Also selbst wenn er geht – der geht gar nicht. Ein bisschen kann ich ihn verstehen: als Hausschuh verlasse ich das auch nicht so gern, was soll ich auf der Straße – ohne Einfluß. Wir Pantoffelhelden sind für die große Bühne irgendwie nicht gemacht."

High Heels (38, Prostitiere) "Mir geht es gegen den Strich - und ich kenne mich mit Strich aus - wie uns der Wulff an der Nase herumführt. Zwar habe ich auch geschäftlich viel mit Politikern zu tun, aber so einer ist mir noch nicht untergekommen. Zumindest hat mich der Bundespräsident mit einem "Hi Heels!" persönlich begrüßt. Trotzdem sehe ich bei dem nicht nur im Separee rot. Ich wäre für eine Absatz äh Absetzbewegung des Bundespräsidenten."

Schlappen (56, zur Zeit arbeitssuchend) "In meinem Leben habe ich schon einige Schlappen erlebt. Auch ein Bundespräsident ist auch nicht dagegen gefeit. Der erlebt wahrscheinlich jetzt die Schlappe seines Lebens. Aber wer so rumlügt, hat es auch nicht anders verdient. Wulff: go home!"
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07.01.2012 - 19:33 Uhr
alcofribas