Die Stimme von Wulff auf dem AB
Max von Malotki hat den Internet-Hit der Stunde gelandet. Sein Fake-Anruf mit der imitierten Stimme von Christian Wulff wird gerade überall im Netz verlinkt. Ein Interview mit dem Moderator von WDR5 über den Bundespräsidenten
jetzt.de: Ganz ehrlich: War es deine Idee oder die der Politikum-Redaktion vom WDR, den Präsidenten-Anruf zu imitieren?Max: Das ist ganz klar eine Idee des gesamten Teams bei WDR 5 Politikum und ich bin froh, dass es Umgebungen gibt, in denen solche Sachen entstehen können. Wir haben alle gemeinsam am Tisch gesessen und mit Begeisterung Ideen hin- und hergeworfen. Wir waren natürlich fasziniert von der Kombination eines Anrufs im Affekt (kann Wulff überhaupt Affekt?) und einer gedrechselten Formulierung wie "den Rubikon überschreiten". Dann gab es da diese typisch Wulff'sche Einbindung seiner Frau: "Für mich und meine Frau ist der Rubikon überschritten", was uns auf die Idee brachte, sie als diejenige zu persiflieren, die unsichtbar im Hintergrund die Fäden zieht. Ich habe mich dann hingesetzt und die Anrufbeantwortertexte geschrieben und gesprochen. Hatte erst ein bisschen Sorge wegen des Verstellens der Stimme, dass das einfach nur peinlich klingt. Als mich dann aber später mein eigener Vater im Radio nicht erkannt hat, war ich beruhigt. Wenn Dir Dein Vater den Bundespräsidenten abkauft -> winning.
jetzt.de: Habt Ihr damit gerechnet, dass so viele Leute Gefallen an der Idee finden und den gefakten Mailbox-Mitschnitt anhören und weiter verlinken?
Max: Wir sind selbst überrascht. Ich wollte über meine eigenen Twitter- und Facebook-Accounts einfach mal ausprobieren, wie so ein kleines Detail einer Sendung ankommt. Wir stellen über die Homepage von WDR5 den kompletten Podcast zur Verfügung, aber gerade die Sozialen Netzwerke leben von pointierten Mikro-Inhalten. Und Politikum hat hin und wieder schöne, kleine Perlen, die man konkret weitergeben kann. Dass sich das aber dermaßen viral verbreiten würde, war ein Zufall, der unzähligen Faktoren geschuldet ist: Uhrzeit, die richtigen Freunde und Follower mit den richtigen Retweets und Likes zum richtigen Zeitpunkt und nicht zuletzt diese mediale Umbruchstimmung im Hinblick auf Wulff, für die diese AB-Satire dann das richtige Ventil war. Aber dass bei WDR 5 Politikum am nächsten Tag von diversen Kollegen aus der ARD über RTL Explosiv bis zum jetzt-Magazin alle anrufen würden, das haben wir nicht im Ansatz antizipiert.

jetzt.de: Wie waren denn die Reaktionen bisher?
Max: Der Anrufbeantworter wurde bereits über 120.000 mal abgespielt. Mehr als 9.000 likes bei Facebook und gut 2.000 Erwähnungen bei Twitter. Was uns positiv überrascht hat, ist die Resonanz von jungen wie älteren Wellen der ARD. MDR Jump hat die Satire noch mal spielen wollen, genau so wie NDR Kultur.
jetzt.de: Hat der Bundespräsident schon angerufen?
Max: Hab' ihn auf den AB sprechen lassen. Das kann er am besten.
jetzt.de: Was würdest du ihm denn sagen wenn er sich melden würde? Also: Würdest Du ihm zum Rücktritt raten?
Max: Ich wäre jedenfalls bereit, an seiner Stelle ein entsprechendes Statement abzugeben, falls er sich nicht traut.
jetzt.de: Christian Wulff kommt aus Niedersachsen, wo man angeblich das reinste Hochdeutsch spricht. Er gilt als langweilig bis konturlos. Ist es nicht irre schwierig, dessen Stimme zu imitieren?
Max: Ich habe nicht viel gemacht. Einfach etwas tiefer und langsamer gesprochen. Ich habe ein wenig Sorge, dass ich im Alter wie Christian Wulff klingen werde.
jetzt.de: Gibt es denn etwas, was besonders ist an seiner Art zu sprechen?
Max: Er hat diese Art von Grandezza in der Stimme, die seine Handlungen im Amt manchmal vermissen lassen.
jetzt.de: Wenn du nicht gerade Wulff imitierst und WDR 5 Politikum moderierst, bist du Moderator bei EinsLive. Habt Ihr da noch weitere Pläne, deine Imitationskünste einzusetzen?
Max: Angesichts des Medienechos und des negativen Feedbacks, das Wulff jetzt selbst aus den eigenen Reihen bekommt, habe ich das Gefühl, dass meine Künste vielleicht nicht mehr so lange gebraucht werden könnten. Andererseits, wenn ich mir Guttenberg anschaue, bleiben uns Politiker heutzutage lange erhalten. Aber ich will hier mit einem Guttenberg-Wulff-Vergleich nicht das Amt des Bundespräsidenten beschädigen.
Hier kann man den satirischen Mitschnitt vom Anrufbeantworter von Kai Diekmann nachhören. Mehr über die Stimme auf dem Band gibt es auf Max Website verdammtguterkuchen.de. Alles zum Thema Christian Wulff gibt es im Schwerpunkt auf Süddeutsche.de
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stirnlappenbasilisk sagte:
madguitar sagte:
muss ich das jetzt erklären? also: ein (lesenswert-)punkt, weil mir der satz so gefällt.
oh... ich vergaß:
[ironie] ... [/ironie]
danke, die liest sich immer so schlecht raus, diese ironie.
Da musste ich am Ende doch noch lachen angesichts des zwar sehr netten, aber mir zu nüchternen Interviews.
*
(aber wirklich nur einen!) ;)
22.01.2012 - 16:17 Uhr
schimmelreiter2010
lesha sagte:
Der eigentliche Fallensteller ist ja Merkel
Bitte um Erläuterung.
22.01.2012 - 16:35 Uhr
schimmelreiter2010
Bangshou sagte:
Man beklagt heute gerne, dass wir keine Politiker mit Ecken und Kanten mehr hätten, sondern nur noch so Röslers und Daniel Bahrs, aber gleichzeitig wird das Privatleben der Politiker bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet und dann lässt man sie wegen eines nicht korrekt angemeldeten Hasenfurzes zurücktreten.
Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut (wenn sie auch von vielen Medien reichlich missbraucht wird). Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Christian Wulff diese ernsthaft gefährden kann, auch wenn er sich sehr dumm und falsch verhalten hat.
...
Aber wir beide wissen doch gar nicht, was da alles hinter den Kulissen lief und immer noch läuft.
"Ecken und Kanten" sind aber doch nicht dasselbe wie "Verdacht auf Vorteilsnahme". Und das mit dem Privatleben ist ein ausgelatschtes Argument, zumal es bei der Affäre von Anfang an um Falsch-Aussagen vor dem Parlament ging. Dass hingegen das Privatleben von prominenten Personen in den Medien eine Rolle spielt, ist meiner Ansicht nach kein Fehler. Klar ist das für die Personen sicher auch eine Last. Aber das gehört nunmal zum Ruhm dazu. War ich kritisiere ist einfach die mangelnde Integrität Wulffs. Und Aufrichtigkeit ist notwendig für die Glaubwürdigkeit des Amtes.
Ich glaube auch nicht, dass Wulff die Pressefreiheit ernstlich in Gefahr bringen kann. Aber er hat ja bereits Einfluss genommen in Zusammenarbeit mit der Bild. Und dass eine Person mit Vorbild-Charakter einfach auch Strahlkraft hat in ihrer Handlungsweise, lässt sich nicht wegdiskutieren. Da sehe ich die Gefährdung für die Meinungsfreiheit, in der Nachahmung und im "Normal-Werden" dieses Verhaltens.
Was hinter den Kulissen abläuft, wissen wir doch nie. Dann könnten wir doch alle Diskussionen sein lassen, wenn wir immer dieses Argument heranziehen würden. Oder?
22.01.2012 - 16:40 Uhr
schimmelreiter2010
Bangshou sagte:
Allerdings hätte, wenn man solche Maßstäbe anlegt, Dr. Helmut Kohl niemals 16 Jahre Bundeskanzler sein dürfen und hätte während des Spendenskandals mindestens in Beugehaft genommen werden müssen.
Von noch früheren Politikern zu schweigen, beispielsweise den Kennedys...
Ja. Vielleicht hätte DR. Helmut Kohl auch nicht unbedingt 16 Jahre lang Bundeskanzler sein sollen! Und von den Kennedys ganz zu schweigen ... ;)
schimmelreiter2010 sagte:
. Dass hingegen das Privatleben von prominenten Personen in den Medien eine Rolle spielt, ist meiner Ansicht nach kein Fehler. Klar ist das für die Personen sicher auch eine Last. Aber das gehört nunmal zum Ruhm dazu. War ich kritisiere ist einfach die mangelnde Integrität Wulffs. Und Aufrichtigkeit ist notwendig für die Glaubwürdigkeit des Amtes.
Viele gute Argumente Deinerseits, finde ich. Aber in diesem Punkt möchte ich widersprechen: Der "Ruhm" der Politiker ist doch fürn A... (entschuldige bitte mein Französisch): Jahrelanes erniedrigendes Hocharbeiten in der Partei (Würstchen wenden, Plakate kleben, etc.) um dann irgendwann vielleicht mit Glück in exponierter Stellung immer noch weniger zu verdienen als jeder x-beliebige mittelständische Geschäftsführer und auch nur wenig direkt durchsetzen zu können (lt. Spiegel hat in der deutschen Politik keiner das Sagen, aber jeder das Nein-Sagen, trifft es m. E. ganz gut). Und dafür muss ich dann Rede und Antwort stehen, wer die Socken meiner Frau oder den Bobby Car meiner Kinder bezahlt hat. Kein Wunder, dass kaum noch echte Spitzenkräfte Lust darauf haben. Wen hat beispielsweise die SPD an Nachwuchskraft vorzuweisen? Kaum noch jemand Gescheites, meine ich. Das hat seine Gründe...
Im Übrigen sind die Politiker doch Repräsentanten des Volkes. Sie sollen uns repräsentieren. Das heißt doch gerade nicht, dass sie im Gegensatz zu uns von absoluter Makellosigkeit sein müssen. So wie sich die Medien heute über jedes Fitzelchen stürzen, bin ich fast wieder fürs gute, alte Aussitzen...
schimmelreiter2010 sagte: Was hinter den Kulissen abläuft, wissen wir doch nie. Dann könnten wir doch alle Diskussionen sein lassen, wenn wir immer dieses Argument heranziehen würden. Oder?
Grundsätzlich gebe ich Dir Recht.
Die Wulff-Affäre bietet aber mehr als genug Anlass, um mal der Frage nachzugehen, was denn diesmal (wieder) Dreckiges hinter den Springer-Kulissen ablief... Delikat hier auch: die Kollaboration der FAZ mit Bild...
22.01.2012 - 20:17 Uhr
Bangshou
schimmelreiter2010 sagte:
Bangshou sagte:
Allerdings hätte, wenn man solche Maßstäbe anlegt, Dr. Helmut Kohl niemals 16 Jahre Bundeskanzler sein dürfen und hätte während des Spendenskandals mindestens in Beugehaft genommen werden müssen.
Von noch früheren Politikern zu schweigen, beispielsweise den Kennedys...
Ja. Vielleicht hätte DR. Helmut Kohl auch nicht unbedingt 16 Jahre lang Bundeskanzler sein sollen! Und von den Kennedys ganz zu schweigen ... ;)
Wohl wahr!
(Ich frage mich, welche Dynamik im Falle Kohls gewirkt hat.)
Bangshou sagte:
Ach ich finde einfach, Wulff hat sich durch sein Verhalten sehr verdächtig gemacht. Und ich habe aus dem, was so herausgekommen ist, nicht unbedingt den Eindruck, dass sich die Sache mit dem Privatkredit einfach als Privatangelegenheit abtun lassen sollte.
Und ich weiß auch nicht, ob man jetzt unbedingt über das Gehalt der Politiker jammern muss, die meistens doch einen einträglichen Beruf bekleiden, solange sie nicht in den Spitzen-Positionen sind, wo sie meiner Ansicht nach dann schon ziemlich gut verdienen.
Klar sollte aber das Privatleben keine Rolle spielen bei politischen Entscheidungen.
Soll heißen: Wenn Wulff sich von seiner Frau trennt, und sich eine Jüngere nimmt, mögen das viele Leute unmoralisch finden, aber es kann nicht sein, dass er dafür in seinen politischen Fähigkeiten diskreditiert wird. Allerdings muss ich schon sagen, dass ich das nicht unbedingt als Vertrauens-Punkt aufnehme.
Im Umkehr-Schluss heißt es aber: Als Politiker sollte ich mich nicht dem Verdacht der Vorteilsnahme aussetzen.
Ich finde auch nicht, dass Volksvertreter jetzt die durch und durch moralisch und ideologisch vollkommenen Volkshelden sein müssen. Aber eine Amtsperson braucht meiner Ansicht nach daher einen gefestigten und starken Charakter, gerade damit sie auch nur gegen Korruptions-Verdacht gefeiht ist. Und Drohanrufe bei Zeitungen zeigen nicht gerade, dass der Mann sich im Griff hat. Und das ist doch aber notwendig, wenn man eine hohe Verantwortung trägt. Solch eine Position benötigt eben auch einen kühlen Kopf. Und wenn man solche Umstände betrachtet, macht die Diskussion um sein Amt derzeit für mich durchaus Sinn.
Das schmutzige Geschäft der Medien, da stimme ich zu, sehe ich ebenfalls als Problem. Die Verdachtsmomente gegen Bild und Faz sollten mindestens genauso hoch sein wie die gegen Wulff.
23.01.2012 - 02:42 Uhr
schimmelreiter2010
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07.01.2012 - 15:33 Uhr
Paulett