Hochdeutsch-Hochburg im Visier
Seit der Privatkreditaffäre um Christian Wulff lernen wir: Niedersachsen ist überall. Ein ABC über das Bundesland von Jägermeister und den Schröder-Fröschen.
Anfahren am Bergist in Niedersachsen faktisch nicht möglich. Das zweitgrößte deutsche Bundesland ist dermaßen platt, dass für dieses Fahrschulmannöver immer eine einigermaßen steile Privatauffahrt gesucht werden muss. Auch der Harz, der zur niedersächsischen Ehrenrettung gerne als "Gebirge" bezeichnet wird, wirkt im Gegensatz zu den Alpen dann allerdings doch eher wie eine Ansammlung von Hügeln.
Buxtehude
ist tatsächlich eine Stadt, auch wenn Süddeutsche das oft nicht glauben wollen. Sie zählt 40.000 Einwohner und liegt westlich von Hamburg, vor den Toren des Alten Landes. Und nein, in Buxtehude wurde noch nie ein Hund gesehen, der mit dem Schwanz bellt.
Carsten Maschmeyer
Niedersachsens deutschlandweiter Einfluss macht sich besonders bei Hannoveraner Prominenz wie Carsten Maschmeyer bemerkbar. Der ehemalige Vorstand des Finanzvertriebsdienstleisters AWD steht unter dem Verdacht, mit AWD zahlreiche Kleinanleger in den Ruin getrieben zu haben, großzügig finanzierte er Wahlkampfanzeigen für Gerhard Schröder (siehe auch frogs) mit dem Slogan "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein". Mittlerweile ist Maschmeyer mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert, sowie mit dem Ehepaar Wulff eng befreundet, wobei deren Urlaub in Maschmeyers Villa auf Mallorca zuletzt heftig in der Kritik stand.

"Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen."
Delmenhorst
Der Stadt mit dem klangvollen Namen in der Nähe von Bremen, wo man sich seit Jahren weigert, aus ökonomischen Gründen vom großen Niedersachsen gefressen zu werden, gehört zu den wenigen Kleinstädten, denen schon ein Lied gewidmet wurde: 2005 sang Element of Crime: Ich bin jetzt da, wo ich mich haben will / und das ist immer Delmenhorst / Erst wenn alles scheißegal ist / macht das Leben wieder Spaß." Ob die Ur-Delmenhorsterin Sarah Connor sie dazu inspirierte?
Erdverwachsen
Niedersachsen ist das Agrarland schlechthin. 2008 gab es dort mehr Schweine (8 Millionen) als Menschen (7,925 Millionen), dementsprechend wird ein Drittel des deutschen Biogasstroms in Niedersachsen gewonnen. Und die Nordlichter sind stolz auf ihre Ländlichkeit. Singen sie doch in ihrer inoffiziellen und leider oft missbrauchten Landeshymne, dem Niedersachsenlied: "Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen." Erstere Eigenschaft kann insbesondere die niedersächische Politikerriege dringend gebrauchen.
Frogs
RWE-Chef Jürgen Grossmann, ex-AWD Vorstand Carsten Maschmeyer, Wladimir Putin und mittlerweile auch Christian Wulff - sie alle zählen zu den Frogs, den "Friends of Gerhard Schröder". Dieser ist zwar gebürtig aus NRW (Fußball-Spitzname "Acker"), fand sich allerdings schnell im Hannoveraner-Geklüngel zurecht. Maschmeyer finanzierte seine Memoiren (und ein Interviewbuch Christian Wulffs), Schröder lobte öffentlich seine AWD. Nach seiner Kanzlerschaft (neuer Spitzname "Genosse der Bosse") wurde er Lobbyist für den russischen Energiekonzern Gazprom der seit 2011 auf dem deutschen Strommarkt mit - richtig! - RWE koopieriert. So schließt sich der Kreis.
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