Verlieben
Text: dramarain
Ich möchte mich verlieben, einfach so. Ich möchte aufhören, beim Zuhören der Namensnennung bereits zu gähnen. Ach Tim oder Andreas oder Michael. Ich weiß bereits eine hundertstel Sekunde vor eurem Augenaufschlag wie begrenzt euer Herzklopfen ist. Wie eintönig eure Gefühle und wie unaufregend eure Berührungen. Sicherlich seid ihr interessant. Für irgendwen. Ohne Gehirn und Herz. Ich schalte beides aus um euch zu ertragen. Aus Hoffnung etwas übersehen zu haben. Aus dem Bangen mich verguckt zu haben. Vielleicht finde ich das Glitzern im linken Rand eures rechten Auges. Doch da wartet nichts. Immer die gleichen Erklärungen. Ich lasse mich küssen, mich streicheln und umgarnen. Mit dem Herzen und dem Hirn bei einem Anderen.
Dieser sollte verbannt werden aus meinem Inneren. Die Erinnerungen verblassen tatsächlich. Doch das Grinsen, wenn ich ihn wiedersehe bleibt. Mein Herz erinnert sich ad hoc an all die schönen Gefühle. Ich sehe ihn und bin zu Hause.
Ich möchte mich verlieben in jemanden der mich zu sich reinlässt. Ich möchte nicht mehr draussen stehen bleiben in der Kälte und auf die Fensterscheibe Herzen hauchen. Ich möchte von einem warmen Kaminfeuer begrüsst werden.
Ich möchte durch die Strassen laufen und die Welt neu sehen und nicht erkennen, dass er ein Glitzern für eine andere Person ist.
Ich möchte ihn schütteln und schreen: "Gib es mir wieder, mein Gefühl für die Welt! Stecke es in einen Briefumschlag ohne Absender!"
Keine Post für mich. Es bleibt dort, kein Michael, Andreas oder Tim werden es zu sehen bekommen.
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