Jungs, warum habt ihr eigentlich keine Schlafanzüge?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
Die Mädchenfrage:
„Das ist kein Liebestöter mehr, das ist eine Strafe Gottes“, meinte meine ehemalige Mitbewohnerin erschrocken, als ich eines Morgens in meinem hellblauen Schlafanzug mit den karierten Armen in die Küche taperte. Das Baumwollstück mit Gummibündchen habe ich ungefähr mit 14 Jahren zu Weihnachten bekommen; seitdem liegt es stets griffbereit im Schrank und ist mit mir groß geworden, beziehungsweise an den richtigen Stellen ausgeleiert.
Solche Schlafanzüge gehören zu der Kleidungsspezies, die man nicht bewusst kauft. Die hat man einfach. Genau wie Socken, 3er-Pack Unterhosen oder Regenschirme liegen sie alle Jubeljahre mal, ganz plötzlich, im Einkaufskorb oder eingepackt unterm Weihnachtsbaum.
Bei euch Jungs sind diese Relikte der geruhsamen Nacht aber nicht aufzufinden. Es scheint, als hättet ihr seit jeher, oder zumindest seitdem euer Modell mit den Autos auf der Brust zu eng wurde, nur eine Bekleidungsmöglichkeit fürs Bett: Egal ob Schlonz oder Schnösel, ihr alle tragt Boxershorts und T-Shirt. Tagein, tagaus, Jahr für Jahr. Bis dann irgendwann, pünktlich zur Rente, wieder Schlafanzug-Zeit ist.
Klar, auch wir Mädchen bilden keine eiserne Pyjama-Front. Eher herrscht ein buntes Allerlei von Schlafanzug-Überbleibseln aus der Kindheit, karierten oder gepunkteten Sets, Nachthemden, nackten Schenkeln und Jogginghosen. Aber – jedes Mädchen hat mindestens eine Oberteil-Unterteil-Kombination, die farblich aufeinander abgestimmt, also im weiten Sinne ein Schlafanzug ist.
Betrachtet man das Phänomen Schlafanzug plus Mann aus betriebswirtschaftlicher Perspektive, offenbart sich zudem folgendes: In wirklich jeder Einkaufskaschemme, von H&M über Karstadt bis hin zu Zara und Mode Müller, biegen sich die Regale unter Stapeln von Nachtbekleidung für den Herrn. Und Kaufhäuser und Klamottenläden verhalten sich nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Soweit so klar. Wären wirklich nur Kinder und angehende Senioren die Zielgruppe, gäbe es doch nicht Schlafanzüge in diesen rauen Mengen, oder?
Doch bitte, liebe Jungs, versteht dies nicht als Aufforderung, eure heimlich erstandenen Schlafanzug-Käufe zu präsentieren! Eure monotone Schlafkleidung stört uns nicht im Geringsten. Im Gegenteil, Experimente in Form von Nikkistoff oder knöchellange Schlafhemden sind tendenziell eher unerwünscht, besonders, wenn wir Interesse hegen, euch erstmalig nackt kennenzulernen.
Das gleiche gilt, siehe Eingangsszene, natürlich auch für uns. Wenn wir im karierten Flanellmodell neben euch unter der Decke liegen, mit Wollsocken an den Füßen, einer Wärmflasche zwischen den Knien und Linola-Fettcreme auf den Wangen, dann sind auch wir nicht gerade die Inkarnation der fleischgewordenen Wolllust. Was aber, je nach Beziehungsstatus und -länge, sowieso schnurzegal ist. Der Schlafanzug ist in all seiner Verschrobenheit vor allem eins: gemütlich. Und tja, er ist halt einfach da. Zumindest bei uns.
Nun zu euch. Jungs, warum gibt es keinen Schlafanzug in eurem Leben? Seid ihr einfach besser im Klamotten-Ausmisten oder versteckt ihr eure Nachtkleidung in einem Unterbodenverschlag, so dass wir sie gar nicht erst finden? Klärt uns doch bitte auf, wo eure Schlafanzüge sind. Denn irgendwo müssen sie ja sein.
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