Mein Leben ohne Facebook -Versuch 2.
Vor etwa 9 Monaten habe ich schon einmal versucht mit dem sozialen Netzwerk abzuschließen: Hier.Nun habe ich wieder auf den blauen Knopf gedrückt und darf wieder 14 Tage warten. Dieses Mal weiß ich wie schwierig es ist und dass es tatsächlich eine Art Sucht bedeutet. Dennoch habe ich beschlossen darauf zu verzichten. Ins neue Jahr ohne meine 200 Freunde. Ganz der Einsamkeit des Lebens hingegeben. Das wird spannend.
Tag 1:
Ich möchte fast sofort nach dem Ausstieg wissen was dort drüben passiert. Ich warte eigentlich, dass jemand auf die Frage eines Freundes was an Silvester geplant ist antwortet. Oder aber schauen was in dem Leben der anderen passiert. Natürlich ist es eigentlich viel gravierender Texte über sich ins Internet zu stellen. Natürlich werden alle Daten, sowieso gespeichtert, denn das Internet vergisst nichts. Und gerade Jetzt.de ist sehr stark mit google vernetzt, google vergisst erst recht nichts. Trotzdem steige ich aus. Um nicht erreichbar zu sein. Um nicht mehr alles zu wissen. Um zu bestimmen, was ich erfahren möchte und was nicht. Schon jetzt fühlt es sich sehr mutig an und ich muss innerlich lachen, weil es so albern ist, sich dafür selbst zu loben.
Als kleine Motivation werde ich versuchen jeden Tag etwas zu zeichnen. Als Zeichen der gesteigerten reflektiven Produktivität meiner Innenwelt.
Tag 2:
Es ist ungewohnt sich nicht mehr einzloggen. Mehrere Male habe ich mich dabei ertappt Statusmeldungen in meinem Kopf vorzuformulieren. Wie klingt mein Leben besonders spannend? Ist es wichtig, dass 200 Menschen erfahren, dass ich heute einkaufen war? Praktisch ist es dennoch. Schnelle Kommunikation mit Bekannten, denen man nicht unbedingt eine Mail schreiben will. Oder gar eine SMS. Auch die Gruppen sind übersichtlich. Ich werde es überleben.
Edit: Auch interessant, eine Klage von FB gegen Mark Zuckerberg Hier und Europa gegen Facebook Hier
Tag 4:
Ich fühle mich einsam und verlassen, weiß aber zum Glück auch ohne Statusmeldung, dass meine Mitbewohnerin krank ist. Die nächsten Menschen sprechen mich auch meine Abstinenz an. Hätten mich sehr lange gesucht. Zum Glück verbringe ich sehr viel Zeit mit echten Freunden. Habe sehr viel Spaß und keinen geht das etwas an. Auch wenn die Statusmeldungen immer noch durch meinen Kopf flirren. Traurig ein Leben ohne Ausrufezeichen.
Tag 7? oder 8? oder 10?
Ich habe einen kritischen Punkt erreicht. Den Punkt an dem man sich schon so sicher ist, dass man sich denkt, ach es würde ja nicht schaden einmal kurz reinzuschauen. Ich hab ja schon so lange durchgehalten, das eine Mal wird mich nicht umbringen. Die typischen Gedanken eines Suchtkranken. Einmal noch. Und dann ist garantiert Schluss. Nur einmal gucken, was die anderen machen. Nur einmal posten, wie toll die eigene Silvesternacht war. Nur einmal. Ich merke wie einsam ich mich tatsächlich oft fühle. Besonders abends. So einsam, dass ich sogar zu meinem Nachbarn ins Bett geschlichen bin. Einfach so, um mich besser zu fühlen. Die Facebookmomente haben es kaschiert, aber nicht grundlegend gebessert bis jetzt. Im Endeffekt saß man in einer Blase. Eine fiktive Blase. Unfähig wirklich Kontakt mit der Aussenwelt aufzubauen. Wenn ich jetzt so hier sitze spüre ich die Einsamkeit. Spüre, dass sich eigentlich keiner für mein Leben so richtig intressiert, jedenfalls nicht so wie es suggeriert wird durch all die likes. Das gibt einem aber diese Freiheit wieder. Niemanden geht es an was ich gemacht habe, Niemanden! Ich kann von mir aus den ganzen Tag in der Nase gepopelt haben, ich muss keine Rechenschaft ablegen. Nicht besonders cool sein oder charmant. Facebook ist wirklich der Marktplatz der Eitelkeiten. Jeder versucht sich zu verkaufen. Alles Nutten im Gesichtsbuch. Dann werde ich mich mal der Einsamkeit stellen und mich nicht einloggen. Stattdessen schlafen gehen.
Tag 7-Der Rückfall
Ich habe es getan, ich habe mich wieder eingeloggt. Zu groß war die Versuchung an einem einsamen Januar Nachmittag. Zu depressiv die Stimmung mit Silvesteralkohol im Blut. Ich muss sagen, es war nichts los. Langweilige Statusmeldungen wie "Mein Silvester war sooooo unglaublich toll", verschiedene Stichworte, die nur Eingeweihten was sagten und die Meldung, dass meine erste Liebe nun verheiratet ist und den Namen seiner Frau angenommen hat. Mir hat er damals den ersten Heiratsantrag seines Lebens gemacht, nun hat's endlich geklappt. Danach sofort wieder gelöscht. Nun warte ich bis zum 16.01. hoffentlich, bis ich wirklich gelöscht werde. Aber trotzdem verrückt, dass man es nicht so lange aushält. Nicht mal eine Woche, das scheint krankhaft zu sein.
Tag 10- Der Alltag Nach dem Rückfall ging alles besser. Es intressiert mich nicht. Jedenfalls weniger. Ich ertappe mich immer noch bei dem Gedanken etwas posten zu wollen und ein wenig einsam fühlt sich das schon an nicht alles mit allen teilen zu können aber auch immer noch sehr Selbstvereinnahmend. Es gehört mir und ich muss niemandem Rechenschaft ablegen. Ob ich jetzt heute einen ruhigen Abend verbracht habe oder nicht. Was meine Freunde machen. Ob ich jetzt von allen abgeschnitten bin? Jedenfalls merke ich immer mehr wie wenig echte Freunde man hat. Man siebt aus. Man muss jetzt nicht über alle Bescheid wissen. All die Informationen die das Gehirn vorher verstopft haben. Einfach verstopft wirklich. Viel mehr Zeit und Platz für eigene Gedanken. Mein Leben fühlt sich gut an. Ich zeichne nicht, ich möchte jetzt mehr Sport machen stattdessen.
- Wild ist die See. // Out of balance. 24.05.2012
- 2 Wochen Osterferien - 15.04.2012
- Version 1.6 14.04.2012
- Wenn ich doch nur könnte. 18.03.2012
- Na danke. 18.03.2012
sind dann schon mal paar tausend seiten.








0
27.12.2011 - 01:52 Uhr
tuladoesthehula
viel spaß beim zeichnen :D