Wer hat Schuld am Hunger?
Aktionskünstler haben einen Kurzfilm über Nahrungsmittelspekulationen gedreht, in dem ein Pressesprecher der Deutschen Bank mit einer zynischen Bemerkung auffällt. Die Bank droht nun mit Straftantrag, sollte die Passage nicht herausgeschnitten werden.
Die Hungersnot am Horn von Afrika ist inzwischen wieder aus den Nachrichten verschwunden, was leider nicht bedeutet, dass niemand mehr Hunger leidet. Die Ursachen der laut UNO größten Hungersnot seit 20 Jahren sind vielfältig: Eine lang anhaltende Dürre führte zu Ernteausfällen, der Bürgerkrieg in Somalia verschärfte die Situation.Wenn Menschen Hunger leiden, sind allerdings auch Spekulationen an Terminbörsen mit Schuld, durch welche die Preise für Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe immer wieder in die Höhe getrieben werden. Das "Zentrum für politische Schönheit", eine Gruppe von Aktionskünstlern, hat einen Film gedreht, in dem die Künstler sich mit der Verantwortung für die Nahrungsmittelspekulationen auseinandersetzen:
Die Künstler begleiten in dem Film eine offenbar fiktive Fondsmanagerin, die über sich selbst sagt:
"Mein Geschäftsgebiet war der Hunger. Ich weiß nicht, wie viele Tote es sind - ich hab keine Ahnung. Aber ganz sicher habe ich mehr Menschenleben auf dem Gewissen, als all die Generäle und Politiker, die man wegen Kriegsverbrechen vor Tribunale gestellt hat." Schließlich stellt die Bankerin die Frage: "Warum hat diese Gesellschaft kein Interesse daran, Menschen wie mich zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen?"
Das Zentrum für politische Schönheit hat aber auch mit einem echten Bankmitarbeiter über Nahrungsmittelspekulationen und Hungerkrisen gesprochen: dem Pressesprecher der Deutschen Bank. Im Film ist zu sehen, wie der Aktivist Philipp Ruch sein Handy vor sich auf dem Tisch liegen hat. Er hat in der Pressestelle der Deutschen Bank angerufen. Über die Lautsprecher-Funktion kann der Zuschauer mithören. Ruch fasst die Aussagen des Pressesprechers zusammen, dass also nicht die Banken, sondern die Menschen in Somalia für ihre Armut selbst verantwortlich seien. Daraufhin antwortet der Pressesprecher: "Natürlich sind die selbst schuld!"
Der Deutschen Bank passt diese Aussage natürlich nicht in ihre Außendarstellung – und droht den Aktionskünstlern nun mit einem Strafantrag, sollte die Interviewpassage nicht aus dem Film entfernt werden. Die Deutsche Bank argumentiert in einem Schreiben an die Organisation, der Pressesprecher habe ein "vertrauliches Hintergrundgespräch zu Ihrer persönlichen Information" geführt, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei.
Das Zentrum für politische Schönheit hat inzwischen wiederum erklärt, dass der interviewte Pressesprecher über die Aufzeichnung des Telefonats sehr wohl informiert gewesen sei. In einer Presseerklärung der Organisation heißt es:
"Der Kameramann des Films erklärt: ‚Der Deutschen Bank ist peinlich, was ihr Pressesprecher gegenüber dem Zentrum für Politische Schönheit öffentlich erklärt hat. Frank Hartmann wurde darüber aufgeklärt, dass das Gespräch aufgezeichnet wird.’"
Und wenn es nicht so wäre? Das unangekündigte Mitschneiden eines Telefonats ist schließlich verboten. Der Anwalt Thomas Stadler hat in seinem Blog bereits eine juristische Einschätzung gegeben – und glaubt, dass die Argumentation der Bank auf "schwachen Beinen" steht:
"Bereits die strafrechtliche Kommentarliteratur geht davon aus, dass bei Telefongesprächen im Geschäfts- und Behördenverkehr oftmals eine mutmaßliche Einwilligung in Betracht kommt. Das gilt m.E. in besonderem Maße für den Pressesprecher eines großen Unternehmens, der telefonische Auskünfte erteilt bzw. Fragen beantwortet. Nachdem gerade ein Pressesprecher immer damit rechnen muss, dass seine Aussagen veröffentlicht werden, ist schon die Frage, ob überhaupt von einer 'Vertraulichkeit des Wortes' ausgegangen werden kann."
Nun ist die Aufregung groß, der Film verbreitet sich schnell im Netz. Durch ihre Androhung strafrechtlicher Konsequenzen hat die Deutsche Bank den eigenen Imageschaden also wahrscheinlich eher vergrößert als eingegrenzt.
UPDATE: Ein Sprecher der Deutschen Bank hat uns folgendes Statement zu dem Fall zukommen lassen:
"Wir werden nicht gegen Herrn Ruch klagen. Damit würden wir ihm zu viel Ehre erweisen, denn es geht ihm offenbar vor allem um eine möglichst öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit der Bank. Wir halten jedoch daran fest, dass Herr Ruch nach unserer Auffassung rechtswidrig gehandelt hat, indem er ein Telefonat mit einem Pressesprecher der Bank, das nach dessen Erinnerung als Hintergrundgespräch, also nicht zum Zitieren, deklariert war, nicht nur aufgezeichnet, sondern auch Passagen daraus veröffentlicht hat, in denen sich der Sprecher nicht korrekt wiedergegeben sieht. Seine in dem Film wiedergegebenen Ansichten entsprechen jedenfalls nicht der Position der Deutschen Bank"
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"Wenn ein Unternehmen das richtige tut, wird es von den Leuten bestraft."
Ich denke, das sagt alles über unser Wirtschaftssystem, die Moral und die Ethik.
Digital_Data
Ich gratuliere der Deutschen Bank zu einem Pressesprecher der auch mal Klartext redet, das ist mir allemal lieber als dieses übliche PR Gewäsch wo man sich das zuhören auch sparen kann weil sowieso nix bei rumkommt. Aber ob sich die Doku-Filmer damit einen Gefallen getan haben bezweifle ich weil jetzt Pressesprecher auch in Hintergrundgesprächen noch mehr darauf achten werden keine tatsächlichen Informationen weiterzugeben sondern ihre Worte noch mehr auf die Goldwaage legen werden und das dient dann nicht wirklich der guten Sache (dass der Journalist nicht nur im Dunkeln tappt sondern auch mal was erfährt.
Schade, dass gerade eine so wichtige Angelegenheit so ungeschickt angegangen wird. Die gute Sache schneidet sich dabei ins eigene Fleisch.
- heißt im endeffekt, dass wir, also du und ich, am tod dieser menschen mitverantwowrtlich sind, solange wir unser system stützen... so schauts aus!
Das Probelm ist, der einfache Mensch soll ja garnicht schuldig sein, sondern sich beim Bier zur Wurst über den Sündenbock pekieren können. Danach gesellt er oder sie sich vielleicht auch zu den "Occupy"-Leuten und malt sich ein Schild wie das "Bring your Banker to your Henker" eines Hamburger Potestlers.
Ob es den Somaliern hilft Faktoren wie Korruption, Infrastrukturmangel und Misswirtschaft zu verleugnen, möchte ich zumindest in Frage stellen, aber personalisierte Kapitalismuskritik führt ganz sicher zu nichts Gutem oder wie August Bebel es formluiert hat "Antisemitismus ist der Sozialismus des dummen Kerls".
Natürlich sind die Leute dort selbst schuld.
Ganz genau so wie wir als Deutsche Gesellschaft Alle zusammen selbst schuld sind daran, dass wir uns von einer korrupten Regierung kollektiv in die Hartz-IV-Sklaverei verkaufen haben lassen, WEIL WIR DIE RÄUBER UND KÄUFLINGE ZU IHREN GUNSTEN UND UNSEREN LASTEN HABEN GEWÄHREN LASSEN.
Und ist ja nicht so, dass es zu wenig gesetzliche Grundlagen gäbe um der Meschpoke auch hierzulande ordentlich einzuheizen
Die Frage nach dem Wert einer Gesellschaft, welche keinerlei interesse zeigt diejenigen ernsthaft zu verfolgen, die aus Mangel, Elend und Hunger ein "gutes" = lukratives G'schäftl machen ist hier wesentlich angebrachter als eine Verteufelung der Deutschen Bank nur dafür, dass ihr Pressesprecher IM KONTEXT die Zusammenfassung des Anrufers bejaht.
Um wirklich etwas Grundlegendes zum Besseren zu wenden muss vermutlich erst mal "die Wirtschaft" samt ihrer Repräsentanten ähnlich angesehen werden wie die Kirche samt ihrer religiösen Repräsentanten: Sie hat in der Politik nichts zu suchen, Kirche und Staat sind in ernstzunehmenden Gesellschaften getrennt, staatlicher Fundamentalismus und Wächterräte sind etwas für gescheiterte Staaten oder Diktaturen.
Und es ist sicherlich nicht falsch, einen wie den H.W.Sinn (0-Ton: "... es wird immer Menschen geben die von ihrer Arbeit n icht Leben können...") als ausgemachten Fundamentalisten zu bezeichnen, der religiösen Hetztern anderer Strömungen in Nichts nachsteht.
Nur ein Beispiel: Bis heute sind Verantwortlichkeiten und anteilige Ursachen am sogen. Holodomor in der Ukraine 1932/33 umstritten.
Aber gerade weil die Grenze zwischen Fehlentscheidung und Kalkül fliessend ist und wir mittlerweile an einem immer globalerem Rad drehen, bleibt nur Transparenz einzufordern. Und natürlich ist es gerechtfertigt den heutige Geschäftemacher anzuprangern, wie es in den 30 ern gerechtfertigt gewesen wäre auf Geschäfte mit Stalin während der Hungerkrise hinzuweisen. In beiden Fällen ist der entschuldigende HInweis auf die jeweilige Regierung als Zynismus zu bewerten.
Viel bezeichnender allerdings finde ich den Satz von Herrn Frank Hartmann: "Wenn die Deutsche Bank zu dem Ergebnis kommt, wir als Deutsche Bank handeln nicht mehr mit Agrarrohstoffen, dann werden alle anderen Banken ncith nachziehen."
Die eigene Moral und Ethik sind unbahängig von fremder Vorstellung. Dass haben uns unsere Eltern schon beigebracht mit "Wenn andere von der Brücke springen ...", ich frage mich was da bei der Erziehung schief gegangen ist.
Es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber alles regeln muss, weil wir Moral und Ethik an der Kasse abgeben.
Und dass das nicht funktioniert sieht man daran, dass bei denen das Thema nicht einmal auf der Agenda steht und es deshalb auch keine Aussagen dazu gibt. Das ist eine absolute Frechheit und ein Offenbarungseid deutscher Politik.
Digital_Data
Mein Verständnis von Markt: Wenn der Preis einer Sache hoch geht, dann bekommt der Anbieter, in diesem Fall die lokalen Bauern oder Zwischenhändler, mehr Geld für ihre Ware. Da in den klassischen "armen" Ländern der landwirtschaftliche Sektor sehr viel stärker ausgeprägt ist als in den industrialisierten, müssten eigentlich viele Leute dort von steigenden Nahrungsmittelpreisen profitieren. Und da Nahrungsmittelproduktion kein wahnsinnig kompliziertes logistisches Netz oder Technologie braucht (Bauer erntet Mais/Reis/Gemüse und bringt es zum nächsten Markt), müsste sich doch ein lokaler Effekt positiv bemerkbar machen. Umgekehrt würden Länder, die sich auf die Produktion von Software, Autos oder Kameras spezialisiert haben und deshalb von Agrarimporten abhängig sind, einen höheren Preis für ihre Lebensmittel zahlen, der den ärmeren Ländern zugute kommt.
Hohe Preise können langfristig nur hoch bleiben, wenn die Nachfrage langfristig höher ist als das Angebot. Dann kann doch aber eine Volkswirtschaft einfach mehr Leute auf die Felder schicken, um genau diese Angebotslücke zu schließen -- die Eintrittshürden für Landwirtschaft sind ja nicht hoch. Aber der Hunger und die Nahrungsmittelknappheit in bestimmten Regionen existiert ja schon seit Jahrzehnten. Warum kann die Volkswirtschaft von Hungerländern über so eine Lange Zeit es nicht schaffen, in ihrer Nahrungsmittelversorgung autark zu werden und nicht von Spekulation abhängig zu sein? Welche Rolle spielen dabei die Banken?
Ich hätte wirklich gerne eine kausale Erklärung der Verhältnisse, kein wertendes Urteil. Ich selbst habe auch kein moralisches Urteil gefällt, weil ich das Gefühl habe, dass ich da was noch nicht verstanden habe.
das ist aber auch ziemlich komplex. In diesem Fact-Sheet von Oxfam werden die kausalen Zusammenhänge ganz gut erklärt - allerdings wirst du dort auch einem wertenden Urteil begegnen, das dort lautet: Nicht die Spekulation an sich ist das Problem, sondern die Exzesse:
http://www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/f...
Viele Grüße
Juliane
Digital_Data sagte:
Viel bezeichnender allerdings finde ich den Satz von Herrn Frank Hartmann: "Wenn die Deutsche Bank zu dem Ergebnis kommt, wir als Deutsche Bank handeln nicht mehr mit Agrarrohstoffen, dann werden alle anderen Banken ncith nachziehen."
Die eigene Moral und Ethik sind unbahängig von fremder Vorstellung. Dass haben uns unsere Eltern schon beigebracht mit "Wenn andere von der Brücke springen ...", ich frage mich was da bei der Erziehung schief gegangen ist.
Du hast seltsame Vorstellungen, muß ich sagen.
Ich z.B. halte unser Steuersystem mit seiner unbegrenzten Absetzbarkeit von "Werbungskosten" für hochgradig unsozial, wirtschaftsschädlich und ineffektiv.
Soll ich deswegen wirklich meine Steuererklärung nicht abgeben, und auf gut tausend Euro verzichten, während andere das und noch mehr einstreichen?
Der weltweite Agrargroßhandel wird von allen staatlichen und internationalen Stellen massiv gefördert, und natürlich müssen die Banken da mitmachen. Wenn eine Bank ausschert, machen die anderen halt mehr Gewinn. Deine Moralvorstellung hat da was von Flagellatentum. Die haben keine Pestkranken geheilt, nur ihr (in dem Fall von der Kirche eingeredetes) schlechtes Gewissen.
@juliane-frisse
Das Dokument erklärt sehr schön die die Einzelheiten des Handels und der Spekulation insgesamt, geht aber leider gar nicht auf die besonderen Fakten des Nahrungsmittelhandels ein.
Heißt: Wie sehen die Absatzmärkte für Nahrungsmittel aus, welchen Einfluß haben lokale Märkte, wie läuft die Wertschöpfungskette und wie groß ist der Einfluß der Spekulation durch Terminkontrakte.
Gerade beim letzten Punkt stellt doch das Oxfam-Factsheet ein starkes Gegenargument auf: Die Preise zwischen den Terminkontrakten und die Spot-Preise driften immer stärker auseinander, was heißt, dass der Einfluß dieser Finanzmechanismen auf die lokalen Preise eher geringer als stärker wird.
Dass diese Hyper-Spekulation mit Nahrungsmitteln nicht unbedingt sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, aber die Hintergründe für die Kausalzusammenhänge zwischen "Spekulanten spekulieren mit Lebensmitteln" und "Menschen sterben an Hunger" sind dadurch auch nicht besser erklärt.
Wenn der Nahrungsmittelpreis steigt werden beispielsweise lokal produzierte Lebensmittel nicht mehr lokal gegessen sondern auf dem globalen Lebensmittelmarkt gehandelt (weil sich z.B. plötzlich der Transport dorthin lohnt) - und schuwpps ist er am lokalen Markt weg (bzw. zu teuer) und jemand Armes aus der Region kann sich das lokal angebaute Produkt plötzlich nicht mehr leisten. Auch kann es sein dass man den Anbau einer cash crop (lass es Blumen oder von mir aus spezielle Fischsorten sein) ausweitet (weil es sich mehr lohnt als der Anbau von, sagen wir, Mais den man direkt essen kann) und schuwppdiwupp steigt der Preis von Mais weil das Angebot geringer die Nachfrage aber konstant ist (nur baut den kaum ein Bauer mehr an weil er für Schnittblumen eben noch mehr bekommt).
@ digital_data
Genauso argumentiert auch der Deutsche Bank Banker: Würde seine Bank nicht mehr mit Lebensmitteln spekulieren (aber alle anderen Banken) dann würde seiner Bank Gewinn entgehen (und entgangener Gewinn ist für VWler mindestens so schlimm wie Verlust) und deshalb tut sie es nicht. Würden allerdings für ALLE die gleichen Regeln gelten könnte sich niemand dadurch besser stellen dass es das unmoralische tut, also wäre das wieder OK.
soylentyellow sagte:
@ apollyon
Wenn der Nahrungsmittelpreis steigt werden beispielsweise lokal produzierte Lebensmittel nicht mehr lokal gegessen sondern auf dem globalen Lebensmittelmarkt gehandelt (weil sich z.B. plötzlich der Transport dorthin lohnt) - und schuwpps ist er am lokalen Markt weg (bzw. zu teuer) und jemand Armes aus der Region kann sich das lokal angebaute Produkt plötzlich nicht mehr leisten.
Was aber im Gegenzug hieße, dass Kohle von "reichen" Industrieländern in "arme" Entwicklungsländer fließt, die damit ihren Fortschritt finanzieren könnten, wenn sie das Geld nicht in Kalaschs stecken.
Abgesehen davon würden in dem Fall ja zumindest zu einem gewissen Grad die lokalen Bauern profitieren, wenn sie sich geschickt organisieren (z.B. über Fair Trade).
Ist das der Fall? Soweit ich weiss, wird durch die amerikanisch-/europäischen Handelsbarrieren und Landwirtschaftssubventionen weiterhin nur soviel landwirtschaftliche Produkte importiert, wie in den Industrieländern nicht selbst produziert werden kann. Das ist aber relativ preisunabhängig, weil die Weltmarktpreise so gigantisch viel niedriger sind als die lokalen Preise -- es aber eben die Barrieren gibt. Aber richtig wissen tue ich es auch nicht -- für weiterführende Infos wäre ich dankbar.
Auch kann es sein dass man den Anbau einer cash crop (lass es Blumen oder von mir aus spezielle Fischsorten sein) ausweitet (weil es sich mehr lohnt als der Anbau von, sagen wir, Mais den man direkt essen kann) und schuwppdiwupp steigt der Preis von Mais weil das Angebot geringer die Nachfrage aber konstant ist (nur baut den kaum ein Bauer mehr an weil er für Schnittblumen eben noch mehr bekommt).
Jo, altes Prinzip der Gewinnmaximierung, aber das hat ja nix mit Lebensmittelspekulation zu tun und war ja auch schon vor den Spekulationsblasen so. Warum sollte ein Bauer in Afghanistan Gemüse anbauen, wenn er für geschnittene Moonblumen das 100-fache bekommt?
Und auch da gilt: Wenn die Waren in die Industrieländer fließen, fließt Geld zurück. Aber wenn ich mir die Import-/Export-Statistiken von Hungerländern anschaue, ist das immer noch zu wenig (was natürlich auch daran liegt, dass wir die Produkte von denen so spottbillig einkaufen).
das ist aber nunmal nicht so. es ist ein kaltes, kontrastreiches und erbarmungsloses gegeneinander. was übrigens keine rein menschen-gemachte sache ist - eine der grundregeln unserer natur ist das gegeneinander-antreten, einander übervorteilen, fressen und gefressen werden. klingt hart - ist aber so. that's life.
die wirkliche zynik an der ganzen sache liegt darin, dass letztlich genau jene menschen im brustton ihres vorauseilenden schlechten gewissens dinge anklagen, die sie selber (mit)verursachen.
wohlbehütet aufgewachsen. schön alle annehmlichkeiten der westlichen welt auskostend. ein paar aktien und anleihen hier. bmw und mac da. und dann mit druck auf die tränendüse aus der warmen, wirtschaftlich in sich ruhenden bequemlichkeit heraus gegen "die bösen" wettern ...
heuchlerisch. falsch. einfach zum kotzen.
die meisten armen laender koennen nicht mal annaehrend ihren eigenbedarf an nahrungsmitteln selbst produzieren und muessen diese auf dem weltmarkt einkaufen. der preis fuer mais hat sich in den letzten jahren mehr als verdreifacht.auch weil er vertankt wird.auch fuehrt die nahrungsmittelspekulation zu landspekulation, so das den einheimischen noch weninger land als eh schon zur verfuegung steht weil amerikanische oder chinesische konzerne anbauen und gleich wegschiffen.und das problem hat sich erst so krass verschaerft nachdem vor 10 jahren die regeln fuer diese art der spekulation drastisch de+reguliert wurden. es hat also wenig mit anwachsen der bevoelkerung und klimawandel und viel mit liberalisierung der gesetze zu tun.so wie man beim CDS handel heute nicht mal mehr eine schuldverschreibung braucht um auf deren ausfall zu wetten bzw. nicht mal mehr geld braucht um zu wetten, so braucht man heute nur ein 1000stel des wertes als sicherheit wenn man mit nahrungsmittel spekuliert.und jetzt auch fuer die ganz bloeden: die preiswetten an den terminboersen funktionieren im long trade, also man tut so als wuerde man waren in zukunft zum jetzigen preis kaufen, das leasst die preise steigen. dieser kontrakt wird aber vorzeitig aufgeloest, d.h. niemand kauf oder verkauft, die preise steigen trotzdem. nach aufloesung des kontraktes koennten die preise theoretisch wieder sinken, tun sie aber nicht weil sofort wieder in ein long deal investiert wird, das nennt man dann roll over. dazu kommt das wenn ich so tue als wuerde ich in 6 monaten mais fuer 4 milliarden kaufen wollen, ich nur 2 millionen als sicherheit hinterlegen muss, und das ist nicht mal mein geld sondern ist dann nur eine kreditzusage der bank ueber diesen betrag, und ich nehme den kredit gar nicht auf, sondern die bank bestaetigt nur das ich den kredit theoretisch haben koennte.seit der derehulierung ist das handelsvolumen an den rohstoffboersen um 2000 bis 4000% angestiegen. nicht weil nahrungsmittel ploetzlich so wichtig sind, sondern weil der handel damit so einfach und risikolos geworden ist. hauptseachlich deswegen verrecken die leute zu hunderttausenden in afrika
18.12.2011 - 04:36 Uhr
transworld
der bürgerkrieg findet nicht im luftleeren raum, die dürre ist nur ausrede, obwohl saudiarabien nur aus wüste besteht, wird dort weizen geerntet, akbar allah bütschük
auch die konföderierten/CSA 1861-5 hungerten
und weshalb?
weil sie sich verkalkuliert hatten, darum - selber schuld;
dennoch ist die südstaatler/redneck küche gut
18.12.2011 - 08:39 Uhr
habib
transworld sagte:
apollyon du bist ein depp! wenn die nahrungsmittelpreise steigen dann werden die ernten von grosskonzernen aufgekauft und es bleibt nichts mehr fuer die lokale bevoelkerung, bzw. das was bleibt ist so teuer das die einheimischen es kaum bezahlen koennen. wenn der kaffe oder cacao preis steigt heist das doch nicht das der cacao farmer in ghana mehr fuer seine ernte bekommt....wo lebst du denn?????
du bist selbst ein depp, du redest schlecht und böse
mein opa war ein fellache und hat immer gemüse angebaut und dann selbst verkauft und damit die ganze familie ernährt, die natürlich dabei geholfen hatte
er hatte damals zwei esel, schafe und ziegen, sowie geflügel gehabt
im schlimmsten fall, wenn die leute in ruhe gelassen werden, können sie sich durch den agraranbau selbst versorgen - siehe cuba oder nauru
allahu allahu
Ich versuche Dir das mal zu erklären. Es geht um Warentermingeschäfte. Sinn und Zweck ist es, dem produkzierenden Bauern eine solide Kalkulationgrundlage zu geben. Grundsätzliches Problem bei Agrarprodukten ist die lange Herstellungszeit, also von Aussaat bis Ernte von Agrarprodukten vergehen mehrere Monate, ähnlich bei Tierprodukten wie Rinderhälften oder Schweinebäuchen. Bei Milch dagegen ist das anders, da die erzeugte Milch sofort verkauft wird. Gleichzeitig hängt der Preis stark von den Erträgen ab. Der Landwirt weiß aber nicht zu welchem Preis er dieses langfristige Agrarprodukt verkaufen kann, er kann also schlecht kalkulieren. (Kann ich mir den neuen Traktor leisten ?)
Hier springt der Terminhandel ein, der Spekulant erwirbt den Kontrakt bei Aussaat oder sogar früher zu einem Preis, dies ist der Preis den der Bauer bekommt, damit kann er kalkulieren. Der Terminhandel nun will sein Risiko (zu einem Preis zu kaufen, der in der Zukunft liegt) durch geschicktes Handeln in Gewinn umwandeln. Der Terminhandel erfüllt also zunächst eine wichtige Funktion, Abnahme des Preisrisikos vom Erzeuger. Es ist wichtig, dass die Spekulanten verdienen, da sie sonst nicht mehr bereit sind das Risiko zu tragen.
Da die Ware noch nicht lieferbar ist, wird in diesem Moment nur eine Kaution fällig. Man kauft also für 125.000 $ Weizen und hinterlegt eine Kaution von 2.500 $ (Beispiel). Zu einem fest vorgegebenen Termin steht die Ware zur Verfügung, dann muss der am Anfang vereinbarte Preis an den Landwirt bezahlt werden und er bekommt dafür die vereinbarte Menge Weizen. Das ist aber nicht der Spekulant, die Warenterminkontrakte werden kurz vor Ablauf an die eigentlichen Käufer/Händler verkauft, so als wenn der Bauer jetzt erst verkaufen würde. Deshalb gibt es zum Ende oft hohe Ausschläge.
Dabei ist aber zu beachten, dass am Anfang der Wert des Terminkontraktes nur einen Teil der Differenz entspricht, je näher es zum Ablauf des Terminkontraktes kommt, desto mehr nähert sich der Wert des Kontraktes der Differenz von Marktpreis zu Kontraktpreis.
Bei 125.000 $ und 2.500 $ Kaution ist die Kaution die Haftung für 2 % Verlust. Sinkt der Preis an der Warenterminbörse unter 122.500 $ muss Kaution nachgeschossen werden. Nehmen wir an, der Preis steigt, dann verkauft der Erst-Spekulant den Kontrakt für 127.500 $ weiter an den zweiten Spekulanten des Kontraktes. Dabei bezahlt der zweite nicht 127.500 $ sondern nur die Differenz von 2.500 $ an den ersten Spekulanten, weswegen die niedrige Kaution eigentlich genügt. Diesen Kursgewinn erhält nicht der Landwirt sondern der erste Besitzer des Kontraktes. Der Landwirt profitiert also zunächst von den steigenden Preisen gar nicht. Bei 127.500 $ wurde der Weizen um 2 % teurer, der Anleger hat aber nur 2.500 $ Kaution plus ca. 30 $ Gebühren hinterlegt und macht so, gerechnet auf das eingesetzte Kapital, 100 % Gewinn.
Ist der Preis bei 130.000 $ angekommen, dann bezahlt der Großhändler für diesen Kontrakt 5.000 $ an den letzten Spekulanten und 125.000 $ an den Landwirt und bekommt dafür den Weizen.
Obwohl der Landwirt (zunächst) keinen Vorteil hat, der Vorteil würde sich für ihn erst im nächsten Jahr ergeben, wenn dann die Preise noch hoch sind, profitieren Marktteilnehmer, die physischen Weizen haben, davon. Die Preise sind ja hoch. Bei steigenden Preisen macht es Sinn mit dem Verkauf zu warten, da morgen der Weizen noch teurer ist. Das führt zu einer Verknappung am Markt an dem vor allem Großhändler und wieder die Spekulanten verdienen. Dieses Warten wegen steigender Preise kann alleine durch Warenterminhandel ausgelöst werden. Wenn also viele Spekulaten Warenterminkontrakte nachfragen, steigt der imaginäre Preis und dieser Preis beeinflußt die Händler.
Zusätzlich gibt es noch Optionen. Hierbei wird ein Preis für eine Kaufoption in der Zukunft festgelegt. Der Besitzer der Option kann also zu einem vorher definierten Zeitpunt und Preis kaufen, wenn er will. Sinkt der Preis wird die Option wertlos. Das eingesetzte Geld für die Option ist also Geld für Altpapier ;-).
Die Option besagt aber nicht, dass der Herausgeber Besitzer der eigentlichen Kontrakte ist. Der Herausgeber der Option spekuliert möglicherweise auf sinkende Preise. Steigen die Preise muss er die Option erfüllen und zum genannten Termin teure Kontrakte kaufen um sie dann billiger an den Besitzer der Option zu verkaufen. Für Optionen gibt es auch feste Termine, weshalb auch hier meist reger Handel herscht.
Die Begriffe Spekulant und Händler sind zur Abgrenzung der Personengruppen gewählt und stellen keine Wertung dar.
Digital_Data
18.12.2011 - 12:09 Uhr
Digital_Data
deezain sagte:
ich finde aufregung um solche themen ganz generell heuchlerisch. irgendwann scheint sich in diesem land die illusion eingenistet zu haben, die welt und alles was darauf passiert sei ein grosses, buntes und herzliches miteinander.das ist aber nunmal nicht so. es ist ein kaltes, kontrastreiches und erbarmungsloses gegeneinander. was übrigens keine rein menschen-gemachte sache ist - eine der grundregeln unserer natur ist das gegeneinander-antreten, einander übervorteilen, fressen und gefressen werden.
Das ist grundlegend falsch. Die Menschheit ist heute da wo sie ist, weil man sozial kooperiert hat. Dabei war es wichtig, dass in der Gruppe keiner zu egoistisch ist. Ein Jäger, der mit Hilfe der Gruppe, die das Wild auf ihn zu trieb, und es durch Hilfe der Gruppe dann alleine tötete, musste kooperieren. Hätte er die Beute nicht geteilt, wäre er das nächste Mal alleine auf die Jagd gegangen.
Dies ist die Basis der Menscheit, vernünftige Verteilung untereinander, da sonst die unverzichtbare Zusammenarbeit gefährdet ist. Dabei ist es nicht notwendig, wie die Linken gerne meinen, dass alle den selben Anteil bekommen. Aber es ist notwendig, dass jeder sich einigermaßen gerecht behandelt fühlt.
Geld ist unpersönlich, keiner weiß richtig was mit seinem Geld bei der Bank passiert. Dadurch geht das Instrument der Sanktion verloren. Bezogen auf das Beispiel der Gruppe würden die Bänker schnell alleine da stehen, wenn die Zutreiber (Sparer) merken würden wie sehr sie ausgenutzt werden. Dies zu verheimlichen ist Teil des heutigen Wirtschaftssystems.
Transparenz kann dieses Problem lösen.
Digital_Data
mach dir nix vor. in all diesen systemen herrschen ganz knallharte regeln. da geht es nicht um gerechtigkeit, nicht um faire verteilung. es geht darum, mit der am jeweiligen minimum schrammenden zuteilung für den einzelnen das system in einem funktionierenden zustand zu halten. um mehr nicht.
transparenz bringt nichts ausser unzufriedenheit. und vor allem schafft transparenz eben nicht beim einzelnen das gefühl, gerecht behandelt zu werden.
gerecht behandelt fühlt sich der einzelne nur dann, wenn er aus seiner eigenen, intransparenten position heraus das gefühl hat, gerecht beteiligt zu sein. gäbe es aber transparenz, dann hätte man ständig einen vergleichszwang - der nur zu unzufriedenheit führen kann.
18.12.2011 - 12:44 Uhr
deezain
transworld sagte:
es reicht schon wenn man weningstens einen funken an bewustsein entwickelt, da kann man dann von mir aus auch weiterhin bmw fahren
siehst du - das ist genau jene ausschliesslich dem eigennutz geschuldete betroffenheit, die diese ganze aufregung so heuchlerisch macht. wem nützt das? keiner sau.
klar sollen die menschen eine bewusste haltung entwickeln - aber dann doch bitte eine, die der realität entspricht. man muss sich einfach mal eingestehen, dass es so ist wie es ist.
bewusstsein wird hier mit weinerlicher betroffenheit verwechselt.
Digital_Data sagte:
Obwohl der Landwirt (zunächst) keinen Vorteil hat, der Vorteil würde sich für ihn erst im nächsten Jahr ergeben, wenn dann die Preise noch hoch sind, profitieren Marktteilnehmer, die physischen Weizen haben, davon. Die Preise sind ja hoch. Bei steigenden Preisen macht es Sinn mit dem Verkauf zu warten, da morgen der Weizen noch teurer ist. Das führt zu einer Verknappung am Markt an dem vor allem Großhändler und wieder die Spekulanten verdienen. Dieses Warten wegen steigender Preise kann alleine durch Warenterminhandel ausgelöst werden. Wenn also viele Spekulaten Warenterminkontrakte nachfragen, steigt der imaginäre Preis und dieser Preis beeinflußt die Händler.
Du hast ja schon die zwei wichtigsten Dinge angesprochen:
1. Der einzelne Landwirt will sich gegenüber Preisschwankungen nach unten schützen und schließt dazu Kontrakte ab. Das heißt natürlich auch, dass er nicht von Preisschwankungen nach oben profitiert.
Ist also ganz normale betriebswirtschaftliche Rechnung: Derjenige, der das Risiko übernimmt, macht den Gewinn. Würden die Landwirte keine Risikoabsicherung eingehen, bekämen sie mehr -- das ist aber ihre eigene Entscheidung.
Umgekehrt heißt es natürlich, dass der Spekulant den Landwirten die unangehme Aufgabe der Haftung im Falle der Preisschwenks nach unten abnimmt. Diese Spekulation ist also erwünscht (was ja auch Oxfam sagt).
2. der Vorteil würde sich für ihn erst im nächsten Jahr ergeben. Richtig. Ist der Preis nächstes Jahr hoch (oder zu dem Zeitpunkt, an dem die Landwirte entscheiden, den Kontrakt einzugehen), dann profitierien sie vom hohen Preis. Bleibt also doch was für sie übrig, wenn sie es richtig timen.
Marktverknappung zu Wartezeiten:
1. Lagerung kostet was. Das heißt die risikogewichteten Spekulationsgewinne müssen abzüglich der Lagerkosten hoch genug sein. Allein dadurch ist eine natürliche Bremse in die Marktverknappung eingebaut. Und während man Getreide gut Lagern kann, sieht das bei Fleisch, Gemüse oder Milchprodukten ganz anders aus.
2. Wenn genug produziert wird, dann ist ein Warten ziemlich unsinnig, weil das ja zu einem Preisverfall später führt, weil es dann ein massives Überangebot gibt. Problem ist höchstwahrscheinlich, dass nicht genug produziert wird. Klar kann man sagen, dass dann die Spekulanten die existierenden Probleme verschärfen, aber das Grundproblem ist in so einem Fall eher, dass viele Länder sich nicht darum kümmern, genügend Landwirtschaft zu betreiben, oder nicht effizient genug.
deezain sagte:
ja, schon klar. aber man kooperiert nicht aus einer tiefsitzenden grundstimmung heraus, sondern weil man dadurch strategische vorteile hat. und strategische vorteile braucht man, wenn man in einer gruppe gegen andere gruppen antritt und diese übervorteilen will und muss.
Ein Unternehmen, dass 2 % Umsatzrendite erwirtschaftet ist gesund (okay etwas bezogen auf die Höhe des nötigen Kapitaleinsatzes), das Problem ist, dass einige eigennützig viel mehr wollen, was aber so gar nicht notwendig ist. In der frühen Sozialgemeinschaft nutzte es nichts Tiere auf Halde zu legen, man fängt nur was man braucht, erst das Gewinnstreben führt zu Egoismus und Ausbeutung der natürlichen Resourcen.
@apollyon
Bei Deinen Aussagen bedenkst Du viele Faktoren nicht.
1. Die Absicherung ist vor allem nötig, weil die Vermarktung dezentral statt findet und große Teilnehmer den Markt durch niedrige Preise kaputt machen können. Außerdem können Bauern auch nur dann dem Terminmarkt entfliehen, wenn die Aufkäufer sich auch außerhalb dieses Marktes bedienen, was häufig nicht passiert. Im Gegenteil hier wird Marktmacht benutzt und bewusst bei Verweigerern nicht gekauft. Teilweise gibt es sogar Kombinationsgeschäfte bei denen man an den Samen nur ran kommt, wenn man die Ernte gleich abverkauft.
2. Da man Agrarprodukte nicht unendlich lagern kann, wird der Preis irgendwann wieder fallen. Landwirte profitieren nur sehr begrenzt davon.
Marktverknappung zu Wartezeiten:
1. Um z.B. Ölterminkontrakte zu verteuern heuerten Spekulanten Tanker an, kauften z.B. in Amsterdam Benzin auf und ließen die Tanker außerhalb der 3-Meilenzone vor Anker gehen. Die Matrosen wurden Heim geschickt und so auf sehr günstige Weise der Vorrat verknappt und die Transportmittel. Nur ein Beispiel. Lagerkapazitäten sind nicht wirklich das Problem und die Kosten dafür auch nicht.
2. Die einzelnen Länder würden eigentlich genug produzieren, allerdings überschwemmen westliche Unternehmen mit dem was der Westen nicht isst die Märkte. Bei Hühnchen oder Tomaten ist das ziemlich gut dokumentiert. Man isst im Westen nur Bruststücke und der Rest, der eigentlich fast Abfall ist, wird zunächst billigst in Entwicklungsländern verrammscht, bis dort die Strukturen zusammenbrechen und die Bauern pleite gehen. Danach hebt man die Preise und beutet die Konsumenten aus. Äjhnliches gilt für Dosentomaten und sicher viele andere Agrarprodukte.
Außerdem findet in Afrika gerade eine Agrarflächenaufkauf vor allem durch China aber auch andere westliche Länder in Großen Stil statt, der viele Bauern enteignet. Sicher ist das auch ein Problem mit Korruption vor Ort, aber eben nicht der Leute vor Ort.
Digital_Data
die bevoelkerung eines laender desssen wirtschaft auf rohstoffvorkommen basiert sind eher selten wohlhaben.
Nicht im Bezug auf einzelne Menschen sondern im Bezug auf Staaten. Die meisten Hungersnoete werden durch Buergerkriege und schlechte Regierungsfuehrung ausgeloest. Gerado Soamlia mit einen durch religiosen Hass und Stammesfehden seit 20 Jahre dauernden heftigen Bueergerkrieg ist genau das Beispiel wo der Westen nichts dafuer kann (soweit man nicht imperialistischen rassistischen Thesen anhaengt).
18.12.2011 - 16:41 Uhr
drolli
juliane-frisse sagte:
Hallo apollyon,
das ist aber auch ziemlich komplex. In diesem Fact-Sheet von Oxfam werden die kausalen Zusammenhänge ganz gut erklärt - allerdings wirst du dort auch einem wertenden Urteil begegnen, das dort lautet: Nicht die Spekulation an sich ist das Problem, sondern die Exzesse:
http://www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/f...
Viele Grüße
Juliane
Aus dem verlinkten papier:
Welche Belege gibt es für Spekulation?
Es gibt keinen eindeutigen Beleg, der die beispiellosen Preissprünge („Preisvolatilität“) der letzten Jahre
auf den Rohstoffmärkten erklären könnte. Es liegen aber klare Indizien vor, die den Zusammenhang
zwischen Preisentwicklung und Spekulation bei Rohstoffen erhärten.
Wenn es keinen klaren Beleg gibt, obwohl es ihn geben muesste......
Uebrigens ist es vollkommen klar warum der Preis von 2005-2008 so explodierte. Es hat schlicht damit zu tun dass die Banken begriffen haben dass sie Kaptial umschichten muessen.
http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/...
Ist zwar über hundert Seiten stark, aber da ist extrem fundiert und an detaillierten Beispielen belegt, welche Faktoren die Auslöser sind und wie Spekulation sich konkret auswirkt.
Lesenswert!
18.12.2011 - 19:23 Uhr
apollyon
In allen hier betrachteten Ländern sind die realen Nahrungsmittelpreise in den vergangenen
Jahren beträchtlich angestiegen. Die Ursachen sind vielfältig: Auf dem Hintergrund eines strukturellen Ungleichgewichts zwischen Nahrungsmittelproduktion einerseits und Nahrungsmittelbedarf und zahlungskräftiger Nachfrage andererseits spielten sporadische
Missernten und spezielle lokale Probleme eine Rolle.
Aber die Anhebung des Preisniveaus auf den Weltmärkten und die Preisblasen der Jahre 2008 und 2011 müssen als Ursache ebenfalls berücksichtigt werden: Erstens unterbleiben in manchen Ländern preisstabilisierende Importe, weil angesichts stark gestiegener
Weltmarktpreise die lokale Nachfrage unzureichend ist. Zweitens reagieren angesichts steigender Weltmarktpreise einzelne Länder mit Exportstopps, was deren traditionelle Handelspartner in Bedrängnis bringt. Drittens: Wo trotz steigender Weltmarktpreise importiert
wird, werden diese Preisbewegungen vom Weltmarkt auf die lokalen Märkte übertragen – teilweise sogar unabhängig von den aktuellen lokalen Knappheitsverhältnissen. Allerdings wird die Übertragung der Weltmarktpreise auf die lokalen Märkte durch eine Vielzahl von
Mechanismen abgeschwächt, gebrochen oder verstärkt. Dies zeigt Abbildung 23
In dem Abbildungsdiagramm auf Seite 85 ist die Multikausalkette schön abgebildet.
Danke für den Text !
@all
Eines muss man weiter auch berücksichtigen, der einzelne Landwirt wird kaum Terminkontrakte an den Börsen platzieren. Dies machen entweder Gemeinschaften oder mehr noch die Händler, die über das Land ziehen und die Erträge der Landwirte aufkaufen. Die Möglichkeiten der einzelnen Landwirte sind deshalb sicher sehr begrenzt.
Digital_Data
apollyon sagte:
So, endlich, ich habe es gefunden: Das Dokument, welches wirklich eine Tiefenanalyse der Zusammenhänge und Probleme umfasst:
http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/...
Ist zwar über hundert Seiten stark, aber da ist extrem fundiert und an detaillierten Beispielen belegt, welche Faktoren die Auslöser sind und wie Spekulation sich konkret auswirkt.
Lesenswert!
und wo in dem dokument sind makrooekonomische simulationen die belegen dass ein einschraenken des derivatehandels die preisspruenge gemildert haette?
Je mehr Menschen sehen, dass die Leute die in den Werbeanzeigen gekaufte Bilder aus skandinavischen Ländern sind und der Inhalt der Aussagen aus Presseabteilungen kommt, die nichts mit dem Kernunternehmen zu tun haben und die Unternehmen so krupellos wie nur irgend möglich alles auszupressen versuchen, so lange es nur nicht in die Öffentlichkeit kommt...








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16.12.2011 - 19:56 Uhr
soylentyellow