15.12.2011 - 18:30 Uhr

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Oh mein Gott, du willst Kunst studieren?

Text: yvonne-gamringer

Ein US-College nimmt Eltern aufs Korn, die ihren Kindern ein Kunststudium vermiesen wollen. Zurecht?

Angestrichen:
I found this in your room, we need to talk.  

Wo steht das?
Auf dem Motiv einer Anzeigenserie des College for Creative Studies in Detroit.  


Um was geht es da?
Darum, dass es immer noch Durchsetzungsvermögen braucht, sich für ein Studium zu entscheiden, das mit Kunst zu tun hat, weil viele Eltern immer noch denken, dass alles Kreative den Mensch direktemang in die Sackgasse führt.  


Die kleine Fotokampagne, die nur in Detroit zu sehen ist, wird viel gelobt, weil sie die Sorgen der Eltern angenehm überhöht. Je nach Motiv sitzen die Erwachsenen da und präsentieren ihre sorgenvollste Miene. Das wirkt überzeichnet, aber viele Kunststudenten kennen genau solche Reaktionen der Eltern. Die Gesichter werden zu Fragezeichen. Es gibt Geschichten von Eltern, die ihre Kinder mit hohem Aufwand von einer anderen Entscheidung überzeugen wollen. Wie zufällig tauchen dann Menschen aus dem entfernteren Bekanntenkreis im Haus auf, um mal, ganz nebenbei, von den Vorteilen und den Gestaltungsmöglichkeiten in einem Ingenieursstudium zu erzählen. Manche Eltern entwickeln wahrhaft missionarischen Eifer und reagieren auf die Ansage, Schauspiel oder Kunst oder Design studieren zu wollen so entsetzt, als gestehe Sohn oder Tochter eine schlimme Abhängigkeit von einer Droge. Auf solche Momente spielen die Kampagnenmotive an. 

Selbstverständlich läuft es nicht in jeder Familie so ab und wahrscheinlich sind die Zeiten, in denen Eltern ihren Kindern den Beruf diktierten schon sehr lange vorbei. Und doch können viele Mütter und Väter das Misstrauen nicht verbergen, das sie beschleicht, wenn Tochter oder Sohn von einer kreativen Zukunft träumt. In einem Blog, der die Kampagne kürzlich aufgriff, kommentiert ein Künstler, dass die Nachdenklichkeit der Eltern durchaus angebracht sein könnte. Man solle sich sehr wohl überlegen, ob ein Kunststudium das richtige sei. Er glaubt nicht, dass es besonders klug ist, für 160.000 Dollar Studiengebühr vier Jahre an ein Kunst-College zu gehen. Er empfiehlt vielmehr, das Geld zu sparen und sich das Wissen auf eigene Faust anzueignen:  

These ads can be taken the other way. You are gonna end up owing $160,000 for four years of art education that you won’t be able to pay back. Your credit will be ruined, You might spend so much time working other jobs to pay your debt back that you won’t be able to make art. Art isn’t a sham, art school is. Move to an urban center, go to galleries, use the internet, meet artists and do your research. A fraction of the cost of an art school education will take you further if applied to studio rent, supplies, and travel. This message has been brought to you by an artist who studied painting at a state public university on a full scholarship. If I had come out in debt, I wouldnt be able to make my own work and I wouldnt have started a gallery to show other artists work.

In Deutschland sind die Bedingungen andere, unter anderem deshalb, weil es keine derart hohen Studiengebühren gibt. Aber weniger Entschlossenheit kostet es wohl auch hier nicht, sich für das zu entscheiden, das man gerne macht – auch wenn die Aussichten auf ein geregeltes Einkommen alles andere als sicher sind. Mut war vermutlich schon immer eine typische Eigenschaft eines guten Künstlers. 


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schnoesel
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2011 - 11:51 Uhr
schnoesel

z.b. das ganze mit dem lehramt verbinden. nach schulschluss bleibt meist der nachmittag, um die individuellen interessen zu vertiefen und sich selbst auszuprobieren. in den weitreichenden ferien kann der kreativen ader bis zu 6 wochen am stück gefröhnt werden; wenn das nicht eine tolle lösung ist!
;-)

anagramm
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.12.2011 - 12:09 Uhr
anagramm

schnoesel sagte:
z.b. das ganze mit dem lehramt verbinden. nach schulschluss bleibt meist der nachmittag, um die individuellen interessen zu vertiefen und sich selbst auszuprobieren. in den weitreichenden ferien kann der kreativen ader bis zu 6 wochen am stück gefröhnt werden; wenn das nicht eine tolle lösung ist!
;-)

und die ergebnisse darf man dann auf dem weihnachtsmarkt in der schulaula verkaufen. bäh.

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Mag ich Mag ich nicht

1

17.12.2011 - 12:15 Uhr
anagramm

ich kann ja leider nicht behaupten, dass man mich nicht gewarnt hätte, aber ein lapidares "in dem job wird man sich nie einen porsche leisten können" hat als warnung nicht gereicht. ich wünschte, mir hätte mal jemand genau klar gemacht, was man im kultursektor normal verdienen kann und was ein leben als erwachsener kostet. ok, vor einigen jahren war der anteil der projektverträge noch viel geringer, aber auch damals hätten banken schon ungern kredite vergeben.
ich kann daher dieses "mach was dich glücklich macht, der rest findet sich schon" inzwischen nicht mehr hören, weil es einfach nicht stimmt. scheiß auf selbstverwirklichung, wenn das leben dadurch zu einem dauerhaften existenzkampf wird.

eisengrau
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2

17.12.2011 - 12:41 Uhr
eisengrau

Wer sich schon überlegen muss, ob er Künstler oder Ingenieur werden soll, hat in der Kunst eh nichts verloren. Und wer sich da von seinen Eltern erpressen lässt, auch nicht. Ein bisschen Wille zur Unvernunft muss da schon da sein.

Tobiornottobi
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.12.2011 - 08:50 Uhr
Tobiornottobi

Aha. Alle Kuenstler sind demnach unvernuenftig?

Naja...
Warum muss es denn immer ein Studium fuer jeden und alles sein? Evtl. waere es fuer so manchen bildenden Kuenstler oftmals besser eine Lehre anzustreben, die in seinen "Fachbereich" faellt. Also Fotograf, Steinmetz, Technischer Zeichner. Ist das zu wenig Askese oder gar zu bodenstaendig, zu wenig Boheme?
Oder liegt es einfach nur daran, dass es in Berlin keine Lehrstellen gibt?

Dieses kotzarrogante gezwungen Intellektuelle ist wohl zwangslaeufig an ein Leben als "Kuenstler" (=Existenz in einem gewissen Mileu) geknuepft.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.12.2011 - 16:58 Uhr
drolli

anagramm sagte:
schnoesel sagte:
z.b. das ganze mit dem lehramt verbinden. nach schulschluss bleibt meist der nachmittag, um die individuellen interessen zu vertiefen und sich selbst auszuprobieren. in den weitreichenden ferien kann der kreativen ader bis zu 6 wochen am stück gefröhnt werden; wenn das nicht eine tolle lösung ist!
;-)

und die ergebnisse darf man dann auf dem weihnachtsmarkt in der schulaula verkaufen. bäh.


Vor allem ist man als Kunstlehrer das ultimative Mobbingobjekt. Gerade die gutmeinenden die den Kindern den Spass vermitteln wollen enden damit dass in ihren Unterrichtstunden Montagsmaler auf dem Overhead gespielt wird und die 10-Klaessler aus dem Kunstraum im obersten Stock der Schule in die benachbarten Studenten-WGs spannen und Studentinnen beim umziehen beobachten.

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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18.12.2011 - 17:32 Uhr
soylentyellow

"und die 10-Klaessler aus dem Kunstraum im obersten Stock der Schule in die benachbarten Studenten-WGs spannen und Studentinnen beim umziehen beobachten."

Sofort aktzeichnen lassen!

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.12.2011 - 18:03 Uhr
drolli

soylentyellow sagte:
"und die 10-Klaessler aus dem Kunstraum im obersten Stock der Schule in die benachbarten Studenten-WGs spannen und Studentinnen beim umziehen beobachten."

Sofort aktzeichnen lassen!


Naja, ich glaube der Kunstlehrer hat das nicht so mitbekommen.....

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yvonne-gamringer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.