07.12.2011 - 21:35 Uhr

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Unzufrieden

Text: gelbesschaf in Tagebuchschreiber (1132)

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich bin unzufrieden.
Das Ich hätte auch vor dem ersten Satz stehen können. Denn es geht hier hauptsächlich um mich.
Und das schlimme ist, eigentlich gibt es keinen Grund unzufrieden zu sein. Ich mache in meinem Job etwas halbwegs sinnvolles, ich habe ein Sozialleben, ob es intakt ist oder nicht, mögen andere beurteilen. Ich verdiene genug Kohle, um genug zum Leben zu haben und trotzdem bin ich unzufrieden. 
Die Fenster in meinem "Büro" haben große Fenster, die sich leider nicht öffnen lassen. Und jeden Tag, wenn sich die Bäume vor dem Fenster biegen, Regen fällt, die Sonne scheint oder die Wolken vorbeiziehen, sehne ich mich danach aufzustehen, nach draußen zu rennen und die frische Luft in mich aufzusaugen. In diesen Momenten habe ich das Gefühl im geschlossenen Raum zu ersticken wie bei einem Asthmaanfall.
Niemand nimmt von meinem lebensbedrohlichen Zustand Kenntnis. Es würde niemanden interessieren ob man im nächsten Moment tot umfallen würde. Dann würde meine Arbeitskraft durch die Kraft eines anderen Fließbandarbeiters ersetzt. 
Es ist eine pure Illusion, dem Aberglauben zu erliegen, man würde wirklch in diesem Beruf, in dieser Position gebraucht. Als wäre die individuelle Arbeitskraft für den reibungslosen Ablauf unverzichtbar.  
Wer noch glaubt, er sei in seinem Job so wichtig, dass er unverzichtbar wäre, der soll sich 3 Monate krank schreiben lassen. 
In diesen Momenten verliere ich jedes Verantwortungsbewusstsein und denke nur noch an mich. Dass ich jetzt etwas an meinem Leben änderen muss, kündigen muss, etwas anderes machen muss. Nur den Mut und die Kraft zu finden, sich aus dem gewohnten Trott zu lösen.....das ist die Schwierigkeit. 
Denn jetzt ist noch Zeit dazu. Ich will nicht irgendwann zu denjenigen gehören, die 30 Jahre einen Job abgegessen haben und frustriert vor einem Haufen von Scheiß Arbeitsleben stehen.
Ich möchte nach 30 Jahren immer noch sagen können: Ja, genauso würde ich es nochmal machen. Vielleicht in Nuancen anders, aber der grobe Weg hat gepasst.
Und deshalb lohnt es sich in dieser Situation nur noch an sich zu denken. 
Dem Chef ist es eh egal, ob man heute oder morgen geht. Wenn er denn bei der Kündigung überhaupt nach dem Grund fragt. In einem Großbetrieb geht der Wert einer einzelnen Arbeitskraft zu Grunde.
Um all jene mundtot zu machen, die jetzt den Einwand erheben: "Aber schau dich doch mal um....vielen anderen geht es wesentlich schlechter als Dir und die jammern nicht." 
Aber den lieben Freunden dieses Totschlag Arguments sei folgendes gesagt. Unzufriedenheit ist ein Maß, das sich nicht abwiegen oder vergleichen lässt. Hier geht es nicht um andere, sondern um das eigene Wohlbefinden. Und dieser Zustand ist bei jedem Menschen anders.


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2 Kommentare

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MelodieDerStille
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Mag ich Mag ich nicht

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07.12.2011 - 22:43 Uhr
MelodieDerStille

Wenn man sieht, dass es anderen schlechter geht, geht es einem auch nicht besser, das stimmt ;) Da müsste man schon schadenfreudig für sein...

Aber trau dich, hol dir von der Welt, was dir fehlt ;) Du lebst ja nicht für irgendeinen Trott ;)

baasdidge
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Mag ich Mag ich nicht

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11.12.2011 - 10:42 Uhr
baasdidge

Ich verstehe dich voll und ganz, mir geht es im Moment ähnlich...Viel Erfolg beim Change...

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