Spotify: die Erzählung von der Zukunft
Der Streaming-Dienst Spotify öffnet sich für externe Anbieter. Für viele ein zukunftsweisender Schritt, den deutsche Nutzer aber nicht erleben dürfen. Sie bleiben ausgesperrt und erfahren von der Zukunft der Musikindustrie nur aus Erzählungen
Daniel Ek ist ein Popstar. In der Sprache der alten Welt aber einer, der in Deutschland noch kein Album draußen hat. Die, die es hören konnten, sind aber schwer begeistert. Sie loben die Art und Weise, wie Daniel Ek mit Musik umgeht. Sie bescheinigen ihm eine große Zukunft, ja, sie halten ihn für die Zukunft. In der Sprache der neuen Welt muss man aber bekennen: Daniel Ek hat überhaupt kein Album gemacht. Daniel Ek ist Chef der schwedischen Internet-Firma Spotifiy.
Nicht erst seit Hollywood Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Film Social Network auf die Leinwand brachte, haben junge Programmierer den Status erreicht, den früher Popstars für sich reklamierten. Eine Idee zu entwickeln, Nutzer dafür zu begeistern und diese Begeisterung "zu skalieren" hat für viele Menschen den gleichen Zauber wie es früher "einen Hit schreiben" hatte. Dass diese Begeisterung sich umso leichter medial erzählen lässt, wenn die Erfindung auch noch mit Musik zu tun hat, zeigt das Beispiel des 28-jährigen Schweden Daniel Ek.
Seit 2006 arbeitet er mit seinem Partner Martin Lorentzon an dem Streaming-Dienst Spotify. Die Idee dabei: Musik gratis im Stream anzubieten und dies über Werbung zu finanzieren. Gleichzeitig bietet Spotify Premium-Accounts an, die gegen Bezahlung einen besseren Service bieten. Man spricht von einem Freemium-Modell. Das ist nicht neu (Napster hat so etwas versucht, auch simfy bietet einen vergleichbaren Dienst). Besonders an Spotify ist jedoch der Hype, den Daniel Ek und sein Team erzeugen. Dieser Hype begründet sich zum einen darauf, dass Spotify lange im für Hypes wichtigen amerikanischen Markt nicht verfügbar war. Zum anderen liegt es an bekannten Investoren (die u.a. auch bei Facebook aktiv sind), die Ek und seinem Team eine große Zukunft voraussagen (und dafür Geld bereit stellen).
Ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg in diese Zukunft sind dabei so genannte Apps, die am Mittwoch vorgestellt wurden. Spotify öffnet seinen Dienst damit für externe Anbieter, die in dem Streaming-Dienst kleine Programme zur Verfügung stellen können. Der Rolling Stone und der Guardian bieten solche Spotify-Apps ab sofort an.
Für viele Marktbeobachter ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft der Musikindustrie. Wie diese aussieht, kann man sich in Deutschland nur erzählen lassen. Mitmachen kann man nicht. Der Grund dafür liegt in einer fehlenden Einigung mit der Verwertungsgesellschaft Gema. Diese verlangt für das Streaming von Songs höhere Preise als Anbieter wie Spotify oder auch YouTube zahlen wollen. Deshalb erhalten Nutzer mit deutscher IP-Adresse den bekannten Warnhinweis auf Clips, die bei YouTube verfügbar wären und am Kopf der Spotify-Seite einen Kasten, der um die eigene E-Mailadresse bittet. So kann man informiert werden, wenn Spotify ein deutsches Angebot startet. Zugang zum Angebot bekommt man aber nicht.
Dass es dennoch bereits einen deutschsprachigen Werbespot gibt, liegt daran, dass die Spotify-Macher sich mit den Verwertungsgesellschaften in Österreich und der Schweiz geeinigt haben. Seit kurzem kann man den Dienst dort ebenso nutzen wie in Belgien und Dänemark.
Doch aus der Tatsache, dass in all diesen Nachbarländern Menschen Spotify nutzen können, darf man nicht den Schluss ziehen, dass auch Deutschland bald mitspielen darf. Gerüchteweise soll ein deutsches Büro wieder geschlossen worden sein, nachdem Daniel Ek die Höhe der Streaming-Gebühren erfahren hat, die hierzulande gezahlt werden sollen.
Aber vielleicht ist das auch nur eine der Startup-Geschichte, die man als programmierender Popstar erzählen muss. Bei Daniel Ek gehört übrigens der Daft Punk Song "Harder Better Faster Stronger" als Lieblingslied, das ihn immer wieder motiviert dazu. Darin heißt es: "Work It Harder, Make It Better, Do It Faster, Makes Us stronger."
Vielleicht hat das ja was zu bedeuten.
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anagramm sagte:
FUCK GEMA!
man kann es nicht oft genug sagen.
dieser elendige, dreckige scheißladen.
Word!
Diese verlangt für das Streaming von Songs höhere Preise als Anbieter wie Spotify oder auch YouTube zahlen wollen.
Da ist ein Fehler im Text. Das mus heißen KÖNNEN !
Digital_Data
Es gibt eine Reihe von Indizien. Die GEMA ist die anscheinend mit Abstand teuerste Vereinigung der Welt.
Eine Veranstaltung mit Musik kostet bei gleich großer Halle ohne weitere Übertragung in Belgien bei der BUMA nur etwa 1/10 der deutschen Gebühren. Ich weiß das von meinen Verbindungen zum Internationalen Tanzsport Verband. Außerdem variieren die Gebühren anscheinend stark und bei CDs machen sie mittlerweile die Hälfte des CD-Preises aus. Hier gibt es eine gute Zusammenfassung der ganzen Problematik:
Die zehn wichtigsten Kritikpunkte an der GEMA
Dazu kommt ein Kampf hinter den Kulissen um die Situation der EU-weiten Verwertung.
Verwertungsgesellsch aften ringen um marktanteile
Legt man das EU-Urteil richtig aus, müsste sich YouTube eigentlich gar nicht mit der GEMA einigen. Thema freier Warenverkehr in der EU.
Was aber das Hauptproblem zwischen GEMA und YouTube ist, dass die GEMA für jede öffentlich gespielte Musik eine Meldung möchte, egal ob sich diese Musik im Repertoire der GEMA befindet oder nicht. Man bekommt so z.B. von der GEMA für eine Veranstaltung schlicht eine Rechnung und muss dann selbst belegen, dass man nicht zahlungspflichtig ist. Diese Beweislastumkehr gibt es sonst nirgends.
Gerade das ist ein schwieriger Brocken für YouTube, wie sollen die das beweisen ? Zwar sind die Erfassungsroutinen inzwischen sehr gut, ich habe auf meinem YouTube-Kanal etliche Content-Treffer, die auch stimmen, aber eben auch Content-Treffer bei nicht-gema-pflichtiger Musik. Dafür habe ich die entsprechenden Nachweise, nicht aber YouTube. Da YouTube das nicht nachweisen kann, kommen sie aus der Zahlungspflicht wohl nicht raus. Das heißt sie müssten für jedes Video bezahlen. Das ist wohl auch der Grund warum YouTube die GEMA-Songs derzeit so klar "markiert" mit Geo-Blocking.
Trotzdem muss sich die GEMA an spezielle Sondervereinbarungen halten, die unterschiedlichste Gebühren veranlassen. So sind Sportveranstaltungen speziell gefördert und es entstehen so niedrigere Gebühren. Tanzt z.B. eine und die selbe Garde-Tanzgruppe zu Musik auf einer Tanzsport-Veranstaltung, so fallen wesentlich geringere Gebühren an, als wenn sie auf einer Karnevalssitzung tanzen. Alleine das Training für 20 Personen für ein Jahr eines Karnevalsvereines kostet um die 1.200 Euro (wohlgemerkt ohne öffentliche Auftritte). Ich hätte erwartet, dass es genügt, wenn die alle die CD haben, was nur 400 Euro kosten würde ;-) oder den Download, was bei einem Song 20 mal 1,00 Euro wäre ;-). Fein raus sind Tanzgruppen unter sieben Personen, die für das Training gar nichts bezahlen.
Digital_Data
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02.12.2011 - 13:03 Uhr
anagramm
man kann es nicht oft genug sagen.
dieser elendige, dreckige scheißladen.