Macht es nicht selbst!
Angeblich steigt der emotionale Wert eines Geschenks, wenn es von eigener Hand gefertigt wurde. So ein Unsinn, findet unsere Autorin und fordert: Schluss mit dem Dilettantentum!
Die Selbermacher-Portale Etsy und Dawanda gehören zu den Orten, an denen man tief in die Abgründe menschlicher Kreativität blicken kann. Tatsächlich kann man dort einiges zauberhaftes Handgemachtes erwerben - wenn man es denn zwischen den vielen Scheußlichkeiten entdeckt, die dort hauptsächlich feilgeboten werden. Mit Serviettentechnik bearbeitete Aufbewahrungsboxen, Ohrringe mit Filz-Applikationen: Über manche Dinge mag man vielleicht noch urteilen: Hmmm. Interessant! Oder: Geschmackssache.
Doch auf den DIY-Marktplätzen gibt es Hässlichkeiten, über deren Schöpfer man spontan Strafen für Erregung öffentlichen Ärgernisses verhängen möchte. Und ganz offenbar glauben die Selbermacher, dass sogar jemand bereit sein könnte, für ihre ästhetisch fragwürdigen Kreationen Geld auszugeben.
Anscheinend denken Menschen automatisch, etwas sei einzigartig, wunderschön und an sich wertvoll, weil es durch ihre eigenen Mühen entstanden ist. Es ist ein bisschen wie wenn Menschen Eltern werden: Dieses Geschöpf, das mit ihrem Chromosomensatz ausgestattet und aus ihrem Bauch gepresst wurde, muss einfach etwas ganz Besonderes sein. Der verklärte Blick auf die Marke Eigenbau mag evolutionär vorteilhaft sein. Ziemlich problematisch wird er allerdings, wenn es um DIY-Produkte geht, die entstehen, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Weihnachtsgeschenke etwa.
Selbstgemacht versus selbstgekauft: Ersteres gilt den allermeisten als die emotional höherstehendere, persönlichere Gabe. Die Idee, dass dem Selbstgefertigten ein zusätzlicher immaterieller Wert zueigen ist, hat noch viel mehr selbermachende Fans bekommen, seit Basteln DIY heißt und T-Shirts Bedrucken Customizen und in den hippen Vierteln deutscher Großstädte Nähcafés wie Unkraut aus dem Boden schießen. Also doityourselfen und customizen sie für ihre Liebsten, um ihnen zu zeigen, wie viel sie ihnen bedeuten. Und zeigen damit auch, dass sie sich selbst und ihre eigenen Talente am allermeisten lieben.
Wer sich nun angesprochen fühlt und sich gleichzeitig aber nicht hundertprozentig sicher ist, Profi in Sachen Handarbeit und Gestaltung zu sein: Schluss mit dem Dilettantentum! Denn weil Eigenschöpfungen eben nicht nur von den anderen, den Etsy-Verkäufern und Eltern dieser Welt, überbewertet werden, bringt ihr Verschenker der selbstgenähten Kissenbezüge und Laptoptaschen die Beschenkten in arge Bedrängnis.
Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ist das Geschenk nicht allzu schön anzusehen und, bei Gebrauchsgegenständen, unpraktisch, weil mit laienhaften Methoden angefertigt. Es mag hart klingen, aber irgendwer muss es euch ja sagen. Der Beschenkte wird es nämlich wohl nicht tun. Er oder sie möchte euer Geschenk wahrscheinlich weder anziehen noch zu Dekorationszwecken aufs Sideboard stellen. Er wird sich aber täglich darüber ärgern, dass der Reißverschluss seiner Laptoptasche dauernd klemmt. Denn er wird sich gezwungen fühlen, euer Geschenk zu benutzen.
Es ist noch relativ einfach, über ein gekauftes, aber doch auch selbst ausgesuchtes Geschenk zu sagen, dass es einem nicht so gut gefällt, dass man es vielleicht gerne umtauschen würde. Das Nicht-Gefallen lässt sich dann diplomatisch auf die eigene Mäkeligkeit schieben und der Schenker ist meist nicht allzu gekränkt. Wenn man aber bei einer DIY-Gabe nicht völlig ausflippt vor Begeisterung und dies auch nur vorsichtig andeutet, kann man dem Selbermacher-Ego schwere Schäden zufügen. Allzu schnell fühlt sich der Bastler auch als Person kritisiert. Obwohl die Kritik nur dem gilt, was seinen Laien-Händen entsprungen ist.
Selbstgemachte Geschenke schneiden aber nicht nur in den Kategorien Ästhetik und Alltagstauglichkeit schlecht ab. Auch die gern beschworene Mühe, die sich der Schenker machen muss, ist eine seltsame Bewertungsgrundlage: Wenn man meint, ein Geschenk steige im Wert, weil jemand beim Basteln viel Zeit und Mühe investiert, ignoriert man zum einen, dass auch das Aussuchen des perfekten Geschenks viel Schweiß erfordern kann. Zum anderen hat die Idee, dass sich für ein ganz besonderes Geschenk jemand stundenlang in gekrümmter Haltung in seiner Bastelecke abmühen muss, auch eine recht sadistische Komponente: Warum soll es einem bitte zusätzliche Freude bereiten, wenn die liebsten Menschen sich quälen? Viel Lebenszeit dafür opfern, nur um uns ein Geschenk zu machen? Und wäre es nicht ein viel schöneres Geschenk, die Zeit gemeinsam statt allein in der Bastelecke zu verbringen?
Man könnte es doch auch andersherum sehen: Wenn jemandem in Sekundenbruchteilen ein passendes Präsent einfällt, zeigt es, wie gut uns dieser Mensch kennt, wie nahe wir uns stehen.
Wer jetzt trotzdem beharrt, selbstgemachte Geschenke seien auch unperfekt super, weil der Gedanke hinter dem Geschenk zähle, dem sei mit aller Deutlichkeit erwidert: Sorry, Dilettantentum ist nur bei Kindern niedlich.
Und wer gar mit Joseph Beuys kommt, dass jeder Mensch ein Künstler sei: Nun, ich zumindest möchte keine Fettecke geschenkt bekommen.
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Natürlich paßt "los, geh in den Laden Standardbrei konsumieren" zehnmal besser zur neoliberalen Süddeutschen als etwa ein Aufruf zu individuellen Gewerken, die den Beschenkten im Sinn haben und nicht etwa den Shareholder Value von Konzern XYZ.
Mir fällt dazu fast nichts mehr ein! Wie unglücklich muss man sein, wenn man gut gemachte Geschenke nicht zu schätzen weiß?
Wie unzufrieden ist der Mensch, wenn er hinter einem Geschenk lediglich Schönheit und Nützlichkeit erkennt?
Wie einfach muss die Welt sein, wenn man denkt, dass nur der Beschenkende ein glückliches Gesicht machen möchte, wenn er etwas verschenkt?
Wie traurig, wenn man meint, es wäre schöner, seine Freizeit damit zu verbringen, vor dem Fernseher zu sitzen, während man eine halbe Stunde vorher bei Amazon Geschenkgutscheine für seine Liebsten bestellt und mit Paypal bezahlt hat.
Am schlimmsten finde ich, dass sich die wenigsten mehr Gedanken umd das Eigentlich machen!
Wir schenken uns unter Freunden übrigens gar nichts, auch wenn ich genug Schönigkeiten in meinem....Achtung.....Dawanda-Shop hätte! Wir treffen uns alljährlich und beschenken uns bewusst mit hässlichen Dingen beim Schrottwichteln und futtern dabei Dominosteine, bis uns schlecht wird.
Aber meine Oma, die bekommt selbst gestrickte Socken mit Antirutschsohle (weil sie immer so schnell auf Klo rennen muss) und meine Putzfrau bekommt einen tollen Kalender mit einem Papier, auf dem ihre Lieblingstiere abgebildet sind und meine Katzen bekommen immer selbst gefilztes Spielzeug....und keiner von ihnen lügt, wenn er sich darüber freut!
Und wenn mein 4-jähriges Patenkind mir das 12. selbst gemalte Bild schenkt, auf dem lediglich Striche zu erkennen sind und behauptet, es hätte ein Pferd mit Äpfeln an den Ohren gemalt, dann hüpft mein Herz!
Tut mir leid, wenn es Ihnen nicht so geht!
05.12.2011 - 14:52 Uhr
Fienchens
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
Aber mal ehrlich lieber kaufe ich etwas was nicht perfekt ist. Als wenn ich mir was in den Laden kaufen gehe wo ich nichtmal weiss ob die Produkte von kleinen Kinder in armen Länder hergestellt worden sind. (Wegen Kinderarbeit)
Bei selbstgemachtes weis man einfach dass nicht jmd dazu gezwungen geworden ist und es eben mit spaß macht.
Außerdem sind wir sind Menschen und keine Maschinen!
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. "Wenn man keine ahnung hat einfach mal die ****** halten.
Liebe juliane-frisse du hättest besser über die Armut und Missetaten der Welt zu berichten. Das wäre vlt sinnvoller als diesen Mühl ehrlich!
schlechte recherche ist genausu dilettantisch wie eine schiefe naht, sorry !
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03.12.2011 - 13:48 Uhr
kissedbycashmerelovers
Die Community freut sich!
...und sei nicht traurig, falls dich deine Verwandschaft wenig einfallsreich findet weil du schon wieder mal einen Gutschein von Douglas verschenkst;-)
viele Grüße von
kissed-by-cashmerelovers