29.11.2011 - 17:41 Uhr

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Arnold Rothstein

Text: amplifythegoodtimes in Tagebuchschreiber (1132)

Ich hatte neulich so einen popkulturellen Moment, den man sich immer erhofft, aber der dann doch nie kommt, bis auf, wie gesagt, neulich. Man wartet, dass der Gangsterboss aus dem renommierten Kulturprodukt eine seiner Gangsterboss-Analogien und Gangsterboss-Geschichten und Gangsterboss-Metaphern bringt, um den anderen etwas klar zu machen, und darauf dass dann nicht nur den anderen etwas klar wird, sondern auch einem selbst. Weil nämlich die Weisheit auf der Straße liegt oder auf der Hunderennbahn. Passiert natürlich dann nicht. Aber neulich da sprach Arnold Rothstein, der ja auch ein echter Gangsterboss war und immerhin gleichzeitig Erfinder des modernen organisierten Verbrechens und Jude. Er sprach in "Boardwalk Empire" zu den anderen Gangsterbossen, wie es angesichts der kürzlich eingefahrenen Niederlage weiterzugehen habe. Und er sagte, soweit ich das wiedergeben kann, er sei immer ein Spieler gewesen, einer, der Wetten abschließt, und dass er es so weit gebracht habe, das liege auch daran, dass er nicht gewettet habe, wenn es keine guten Wetten gab. Wenn es keine guten Wetten gibt, dann tut man nichts. Man sammelt sich, man wartet, und wenn dann eine gute Wette kommt setzt man alles. So war das. Ich kenne die psychologische Studienlage nicht, ich tippe aber, dass das auch einen Spielsüchtigen von einem guten Spieler unterscheidet: Der Spielsüchtige muss einfach immer wetten, egal, wie die Wetten sind. Der gute Spieler wartet ab. Das alles schien mir sehr plausibel. Ich habe nie verstanden, warum sie bei den Buddhisten immer so etwas sagen, dass alles Leid daher kommt, dass wir Wünsche haben. Aber ich verstehe Rothsteins genauere, bessere Version dieses Rats: Dass alles Leid daher kommt, dass wir wetten, wenn es keine guten Wetten gibt. Ich setze nun nichts mehr und warte ab.


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