26.11.2011 - 17:00 Uhr

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Kammerflimmern

Text: SamAsInSamantha

Das Blut rauscht wie ein stürmischer Ozean in meinem Ohr. Wie wild schlägt das Herz in meiner Brust. Jeder Herzschlag ist ein lauter Knall gegen meine Rippen. Bei 120 habe ich aufgehört meinen Puls zählen. Irgendwas schnürt mir die Kehle zu. Panisch greife ich mir an den Hals, dann wieder ans Herz, als könnte ich es so besänftigen. Ich hab das Gefühl es ist sauer, so wütend pulsiert dieser Muskel in mir, als wolle er sagen: „Siehste, dit haste davon“.

Ein paar Tage später wird mein Arzt feststellen, dass ich gesund sei. „Hören Sie einfach auf nachzudenken“, wir er mir mit einem Augenzwinkern raten. Ich lächele dann schief und werde nervös an meinem Kragen nesteln. Meine Rippen werden sich noch ganz wund anfühlen, so als hätte jemand mit seinen Fäusten heftig dagegengetrommelt. 

Nichts ist an diesem Tag in Ordnung. Um mich herum sind die Menschen in der Tram zu einem bunten Farbenmeer zerlaufen. Wüsste ich es nicht besser, würde ich denken ich sei auf einem echt schlechten Trip. Aber ich weiß eben gerade nicht was hier mit mir passiert. Die Angst peitscht meinen Puls weiter hoch. Ich wanke auf meinem Platz hin und her vor Schwindel. Vor zehn Minuten war alles wie immer. Aber kaum hatten sich die Türen der Tram geöffnet, ich meinen Fahrschein gezogen und mich auf einen freien Platz plumpsen lassen, begann die Raserei in mir.

„Mit ihrem Herzen ist alles in Ordnung“, wird mir der Herr Doktor im väterlichen Ton später erklären, „es schlägt nur viel zu schnell“. Dann wird er meine eiskalte Hand schütteln und mich mit dem Hinweis viel zu trinken und mal Sport zu machen nach Hause schicken. Am liebsten würde ich mich in diesem Moment an seinen Kittel krallen und bitten er möge sich mein Herz genau anschauen, da stimme doch was nicht.

Hektisch stürze ich aus der Tram. Ich will nur zurück nach Hause. Ich will mich hinlegen, die Decke über den Kopf ziehen und weinen. Nein, eigentlich will ich genau das nicht, bleue ich mir ein. „Willste doch“, sagt mein Herz zwischen zwei Stößen gegen die Rippen. „Dit is nämlich dein Problem. Du tust so als wäre alles dufte, isses aba nich. Denk ma drüber nach.“

---

Spätsommer, vergangenes Jahr. Es ist an diesem Nachmittag schon schnell dunkel geworden, das Linoleum unter meinen Füßen fühlte sich kalt an. Mit einem Bein stand ich in meiner Hose, als du aus der Dusche gekommen bist: „Du willst schon gehen?“. Mit einem Ruck habe ich die Jeans hochgezogen und beim Socken anziehen in deine Richtung genickt. Du standest dabei die ganze Zeit im Flur noch nass und nackt vom Duschen. „Los, wir trinken noch einen Kaffee“, hast du dann vorgeschlagen. Wir saßen auf deinem Balkon, zwei IKEA-Becher auf dem verwitterten Holztisch, du mit nassen Locken und ich mit meiner Tasche auf dem Schoß. Ich stürzte meinen Kaffee in großen Schlucken herunter, ich war müde vom Wochenende mit dir und wollte nur in mein Bett. An diesem Nachmittag habe ich dich zum ersten Mal in Ruhe betrachtet. Der erste Abend, die erste Nacht zog vor meinem inneren Auge wie ein wild durchblättertes Daumenkino vorbei. Seitdem waren wir fast immer nebeneinander eingeschlafen. Seitdem hatten wir einander versichert, dass es nicht von Bedeutung sei. Ich hatte mich mitreißen lassen und war gerade fünf Sekunden davor es das erste Mal zu bereuen.

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Mein Herz fühlt sich geschunden an. Nicht umsonst gibt es tatsächlich eine Krankheit die sich Broken Heart Syndrome nennt und sich wie ein Herzinfarkt anfühlen soll. Laut Dr. Wikipedia „eine schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels“, lese ich halblaut. Treffender hätte ich das, was ich für dich nach allem was war noch fühle, nicht beschreiben können.


Bildquelle: http://blog.yimmyayo.com/post/1168501123...


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DoktorGarchingHydrogeniiMoessbauerensis
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 06:30 Uhr
DoktorGarchingHydroge…

Ich glaub, ich würde Dich - wenn es denn in Berlin ist und so hört es sich an - in der Tram erkennen oder zumindest erspüren, wenn Du herzflatternd in meiner Nähe säßest...Ich bin absolut sicher..

SamAsInSamantha
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 09:30 Uhr
SamAsInSamantha

Oh, und woran?

DoktorGarchingHydrogeniiMoessbauerensis
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 11:10 Uhr
DoktorGarchingHydroge…

Da ich selbst - gerade in Berlin - häufig Herzrasen, Panikattacken hatte, habe ich ein sicheres Gespür dafür entwickelt, zu fühlen, ob es einer/m anderen in meiner Umgebung ähnlich geht.

SamAsInSamantha
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 11:50 Uhr
SamAsInSamantha

Verrückt. Nun ja, ich hoffe ja mal, dass das alles irgendwann, besser bald, ein gutes Ende für mich nimmt.

DoktorGarchingHydrogeniiMoessbauerensis
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 13:34 Uhr
DoktorGarchingHydroge…

Aber ja doch!! Du kennst URBAN-Klinik in Neukölln? Da habe ich mal eine Woche in der Ambulanz ohne Medikamente, Radio, Fernsehen geschlafen - ca. 12h pro Tag. Danach ist der Chef mit mir Mountainbike NACH Schönefeld und zurück gefahren. Irres Erlebnis!!

SamAsInSamantha
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 13:57 Uhr
SamAsInSamantha

Nee, kenn ich nich, klingt aber grandios. Ich meinte das aber auch eher im Zusammenhang auf mein emotionales Ungleichgewicht, die Panikattacken habe ich soweit im Griff, nur den "Liebeskummer" nicht - oder wie ich das schimpfen soll.

DoktorGarchingHydrogeniiMoessbauerensis
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2011 - 14:07 Uhr
DoktorGarchingHydroge…

Ja, da gibt es bei mir auch Zusammenhänge...:))

SamAsInSamantha
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29.11.2011 - 21:40 Uhr
SamAsInSamantha

oh, na dann verbindet uns ja einiges.

BloodyIcecreme
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Mag ich Mag ich nicht

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28.12.2011 - 19:18 Uhr
BloodyIcecreme

sehr gut! **

BrokenFeather
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Mag ich Mag ich nicht

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02.01.2012 - 23:26 Uhr
BrokenFeather

wow wirklich wunderschön und treffend geschrieben... broken heart syndrome - das kenne ich nur zu gut...
hat es sich denn verbessert? hat alles ein gutes ende genommen? ich wünsche dir auf alle fälle alles glück und du schaffst das!!

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