"Eigentlich wollte ich heute Abend noch zum Sport."
Manche Sätze hört man häufiger als andre. Regelmäßig stellt unser Autor einen vor.
In diesem Satz versteckt sich natürlich das, was in Moppel-Ich-Postillen immer noch gerne und zwinkernd der „innere Schweinehund“ genannt wird. Also jenes retardierende Moment, das uns Dinge, die wir tun sollten, nicht tun lässt wg. allgemeiner und vermutlich kosmischer Trägheit. Der Satz wird für gewöhnlich gegen Mittag in Telefonhörer gesprochen, mit jener bedauernden Stimmfarbe, die dem Gesprächspartner deutlich machen soll, dass „zum Sport“ durchaus eine ernst gemeinte Alternative gewesen wäre und wir ergo so eine Art vernünftiges Leben auf die Beine gestellt haben.
Wäre – weil im Moment in dem der Satz fällt, ist natürlich klar, dass wir heute Abend nicht zum Sport gehen, egal wie sehr wir die ganzen letzten Tage noch vorgaben zu wollen, wie oft wir uns selbst im Stillen darauf hingewiesen haben und der Umgebung ungefragt bestätigten, dass am Donnerstag endlich wieder „Sport“ sei. Ach, es tut so gut, irgendwo am Ende der Woche einen solchen „Sport“ mit sich zu tragen. Außerdem ist der Satz anerkanntes Gemeingut unter Erwachsenen – jeder hat irgendeinen „Sport“ oder ein „Training“ oder „Laufen“ oder „TaeBo mit Bändern“, das er eigentlich heute Abend noch wollte. In all diesen Fällen markiert der kleine Satz mit dem „Eigentlich“ die Wende, er ist der schmutzige Grenzstein zwischen braver Utopie und schmutziger Realität. Einmal ausgesprochen lassen wir bereitwillig alle Hoffnungen fahren, beziehungsweise die Wahrheiten zu, die vorher mühsam niedergekämpft wurden:

Klar haben wir eigentlich keine Lust, mit dem ranzigen Bus zum Fitnessstudio zu fahren. Klar hat es eigentlich letztes Mal in der Umkleide so komisch gerochen. Und klar ist dieser urbane „Sport“ doch eigentlich nur der Religionsersatz und ergo Opium fürs agnostische Volk. Dann doch lieber richtiges Opium! So denken wir und schon ist die Idee vom Sport heute Abend weit weg und wir nähern uns gedanklich rasend schnell den herrlichen Dingen, die vom Schweinehund erfunden wurden: Sofas, Bierhumpen und Schuhe davon schleudern ohne Schnürsenkel zu öffnen. All das aber, jeder müßig ausgelassene „Sport“ zahlt auf unsere höchsteigene BadBank ein, das wissen wir. Und nur daher resultiert dieses seltsame Wohlgefühl, wenn wir doch mal wieder dort waren, in der muffigen Umkleide. Einmal den Satz nicht gesagt, einmal nicht dem Bierhumpen nachgegeben, hurra, her mit der Moppel-Ich-Postille!
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"Und klar ist dieser urbane „Sport“ doch eigentlich nur der Religionsersatz und ergo Opium fürs agnostische Volk. Dann doch lieber richtiges Opium!"
Mehr gibts dazu nicht zu sagen.
octopussy sagte:
Entweder ich geh zum Sport oder nicht. Ein eigentlich gibt es da nicht. Wer eigentlich sagt, der hat grundsätzlich keinen Bock auf Sport.
Natürlich habe ich keinen Bock auf Sport. Genauso wenig, wie ich Bock auf aufräumen oder Steuererklärung habe.
Deshalb muss ich das genauso eigentlich noch machen.
Manche Dinge macht man eben nicht, weil sie Spaß machen, sondern weil man an dem Ergebnis interessiert ist: die Lohnsteuerrückerstattung, die aufgeräumte Wohnung oder der sportliche Körper.
Mein Neid an die Leute, die Spaß an Sport haben.
Sport ist freiwillig.
Steuer ein Muss. Um das komme ich nicht rum. Spätestens wenn die Mahnung kommt. Aufräumen ist auch ein gewisses Muss, wenn man halbwegs erwachsen sein will. Dass man die Dinge dann manchmal bis zum geht nicht mehr aufschiebt, ist bei mir auch bewusst.
Sport macht aber einfach nur Sinn, wenn ich ihn regelmäßig mache und das am besten 3 mal die Woche. Und wenn man da einen Rhythmus hat, dann geht das auch wie von alleine.
marquez sagte:
(wer sagt denn eigentlich, dass man muss?)
Sagen wir es mal so: Man muss nicht. Aber die Steigerung für das Selbstwertgefühl, wenn man nicht mehr ganz so fett und unfit ist, ist so manche Quälerei wert.
Nur da stehen kurzfristige Faulheit und langfristige Ziele quer, und der innere Schweinehund kann sehr laut bellen!
octopussy sagte:
Entweder ich geh zum Sport oder nicht. Ein eigentlich gibt es da nicht. Wer eigentlich sagt, der hat grundsätzlich keinen Bock auf Sport.
Naja, das Fiesgute am Sport ist ja, dass man (oder ich zumindest) oft vorher keine Lust habe, dann aus Pflichtgefühl hingehe und es, sobald ich mich mal in Bewegung gesetzt habe, super finde.








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20.11.2011 - 20:55 Uhr
asphaltfruehling