17.11.2011 - 18:30 Uhr

2 18 Über Twitter weiterempfehlen

Mein Danebenjob im Hostel

Text: daniel-schieferdecker - Illustration: Katharina Bitzl

Menschen mit Nebenjob kennen die besseren Geschichten. Hier erzählt Sonja von ihrer Arbeit im Hostel, nackten Engländern und juckenden Genitalbereichen.

In einem Hostel ist immer etwas los, da muss man eine große Toleranzschwelle haben und vieles mit Humor nehmen. Aber ich kann wirklich sagen: Mein Job ist Unterhaltung pur. Ob Freaks, Randalierer oder Betrunkene – da ist wirklich alles dabei. Manchmal staunt man auch über die Dummheit der Leute. Wenn sich zum Beispiel das Klischee über dumme Amerikaner bestätigt, die total erstaunt sind, wenn man ihnen mitteilt, dass Berlin die deutsche Bundeshauptstadt ist.  



Der Klassiker sind jedoch englische Junggesellenabschiede, die mir persönlich immer sehr viel Spaß machen. Wenn die Gruppen freitags ankommen, verschwinden die meist direkt auf ihren Zimmern und kommen dann verkleidet wieder runter: als Superman, im Lack- und Leder-Outfit oder als Heidi. Dann schießen die sich bei uns an der Bar erst einmal richtig ab und ziehen dann weiter. Einmal ist Samstagmorgens eine Horde Engländer nach einer durchfeierten Nacht splitterfasernackt durch die Lobby gelaufen – während Familien mit kleinen Kindern dort ihren Kaffee getrunken haben. Die mussten wir dann natürlich freundlich darauf hinweisen, dass sie sich doch bitte etwas anziehen sollen. Fünf Minuten später kamen sie dann zurück und hatten etwas angezogen: Und zwar diese neongrünen Borat-Anzüge, bei denen gerade mal das Geschlechtsteil bedeckt ist! Wir haben wirklich Tränen gelacht.  

Einmal war über Silvester ein schwules Trio bei uns – ebenfalls aus England. Die waren total überdreht, selbst Kollegen von mir sind immer abgehauen, wenn sie die von weitem gesehen haben, weil die immer so viel gequatscht haben. Eines Nachts kam einer von ihnen zu uns und meinte, er bräuchte einen Doktor – „a sexual doctor“. Wir haben ihn dann ins Krankenhaus geschickt. Als er zurück kam, legte er uns den Befund vor und bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. Da haben dann alle erfahren, dass er ein Jucken im Genitalbereich und drei Wochen zuvor das letzte Mal Sex hatte. Das war ihm dann plötzlich doch unangenehm.  

Einer seiner beiden Kumpels war ein total femininer Typ, eigentlich eine Frau in einem Männerkörper. Der war permanent auf Drogen, hat nonstop gefeiert und ständig irgendwelche Typen abgeschleppt. Der hat in der Lobby auch gerne mal allen seinen Arsch gezeigt, so war der drauf. Eines Morgens kam er zu mir, hat mir aus seinem bewegten Leben und natürlich auch von seinem letzten Aufriss erzählt. Irgendwann meinte er plötztlich: „But I don’t remember, if we had sex. I mean: I don’t feel it in my ass.“ Sätze wie dieser sind manchmal die ersten, mit denen ich meine Schicht beginne.


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
daniel-schieferdecker
Mehr Texte zum Label
Danebenjob
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
18 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

lea2
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

2

18.11.2011 - 15:24 Uhr
lea2

naja, 3/4 der bisherigen jobs dieser reihe haben mit - hihi - sex und was so dazu gehören kann (zb wortwahl aus dem callcenter) zu tun. das wird auf dauer langweilig. dann lieber mehr wie der zugekiffte putzmann mit seinem hackedichten chef aus der ersten folge

Chestity
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

2

18.11.2011 - 15:35 Uhr
Chestity

zabaitzu sagte:
Chestity sagte: ps: hätte er gewusst dass es so peinlich werden würde hätte er wohl kaum um Übersetzung vor allen gebeten. Und ich kann mir auch nicht vorstellen das man mit einer Diagnose vom Arzt darum BITTET die vor allen übersetzt zu bekommen."Als er zurück kam, legte er uns den Befund vor und bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. " Klingt schon so für mich. Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin. Bäm!


Ja klar, alles was geschrieben steht ist auch die Wahrheit. Und ob sie ihn richtig verstanden hat ist die andere Frage.
Wenn jemand zu mir kommt und fragt "could you translate this for me please?" und ich sehe nach dem 2. Satz dass es sich um sowas handelt, nehme ich ihn doch zur Seite, sowieso wenn es um sowas wie ein Schreiben vom Arzt geht. Naja, Mitdenken ist wohl nicht jedermanns Sache.

"Bäm!" Soll ein Ausdruck von was sein? Deiner supertollen Argumentationsweise?

"Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin." Hätten auch Bettwanzen sein können, man kann sich einiges in Hotelbetten einfangen ohne irgendwas irgendwohin gesteckt zu bekommen.

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

2

18.11.2011 - 15:39 Uhr
Chestity

zabaitzu sagte:
Als er zurück kam, legte er uns den Befund vor und bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. "


heisst nicht dass er um die Übersetzung vor allen bat, sondern dass er um eine Übersetzung bat als noch andere um ihn rum waren.
Also, nicht dass es vor allen übersetzt wird nech.

smaennchen
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

19.11.2011 - 19:04 Uhr
smaennchen

Könnt Ihr jetzt mal ALLE damit aufhören, zu erklären, wie dies und jenes gemeint war bzw. zu verstehen sei - KEINER von Euch war damals dabei, richtig?

MorbusBahlsen
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

21.11.2011 - 00:59 Uhr
MorbusBahlsen

Öhm, sorry, aber die Redaktion bezahlt(e) für diesen Text?

zabaitzu
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

21.11.2011 - 09:00 Uhr
zabaitzu

Chestity sagte:
Ja klar, alles was geschrieben steht ist auch die Wahrheit. Und ob sie ihn richtig verstanden hat ist die andere Frage.Wenn jemand zu mir kommt und fragt "could you translate this for me please?" und ich sehe nach dem 2. Satz dass es sich um sowas handelt, nehme ich ihn doch zur Seite, sowieso wenn es um sowas wie ein Schreiben vom Arzt geht. Naja, Mitdenken ist wohl nicht jedermanns Sache."Bäm!" Soll ein Ausdruck von was sein? Deiner supertollen Argumentationsweise?"Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin." Hätten auch Bettwanzen sein können, man kann sich einiges in Hotelbetten einfangen ohne irgendwas irgendwohin gesteckt zu bekommen.


Du meinst du hast Recht, aber das stimmt nicht. BÄM! BÄM! BÄM!

Chestity
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

21.11.2011 - 13:25 Uhr
Chestity

zabaitzu sagte:
Chestity sagte: Ja klar, alles was geschrieben steht ist auch die Wahrheit. Und ob sie ihn richtig verstanden hat ist die andere Frage.Wenn jemand zu mir kommt und fragt "could you translate this for me please?" und ich sehe nach dem 2. Satz dass es sich um sowas handelt, nehme ich ihn doch zur Seite, sowieso wenn es um sowas wie ein Schreiben vom Arzt geht. Naja, Mitdenken ist wohl nicht jedermanns Sache."Bäm!" Soll ein Ausdruck von was sein? Deiner supertollen Argumentationsweise?"Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin." Hätten auch Bettwanzen sein können, man kann sich einiges in Hotelbetten einfangen ohne irgendwas irgendwohin gesteckt zu bekommen.Du meinst du hast Recht, aber das stimmt nicht. BÄM! BÄM! BÄM!


jaja, du wirst es schon wissen. Ich habe auch nirgendwo ausgedrückt, dass es so sein gewesen muss wie ich es annehme. lediglich, dass es warschienlich so war.

In your face.

zabaitzu
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.11.2011 - 08:44 Uhr
zabaitzu

Chestity sagte:
zabaitzu sagte: Chestity sagte: Ja klar, alles was geschrieben steht ist auch die Wahrheit. Und ob sie ihn richtig verstanden hat ist die andere Frage.Wenn jemand zu mir kommt und fragt "could you translate this for me please?" und ich sehe nach dem 2. Satz dass es sich um sowas handelt, nehme ich ihn doch zur Seite, sowieso wenn es um sowas wie ein Schreiben vom Arzt geht. Naja, Mitdenken ist wohl nicht jedermanns Sache."Bäm!" Soll ein Ausdruck von was sein? Deiner supertollen Argumentationsweise?"Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin." Hätten auch Bettwanzen sein können, man kann sich einiges in Hotelbetten einfangen ohne irgendwas irgendwohin gesteckt zu bekommen.Du meinst du hast Recht, aber das stimmt nicht. BÄM! BÄM! BÄM!jaja, du wirst es schon wissen. Ich habe auch nirgendwo ausgedrückt, dass es so sein gewesen muss wie ich es annehme. lediglich, dass es warschienlich so war. In your face.


ich glaube, du würdest Trolle nicht erkennen, wenn sie sich in deinem Garten tummeln würden.

Außerdem ist die Unterhaltung, wie bereits von anderen bemerkt, sinnlos.

hurrah.

Zurück Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

daniel-schieferdecker offline

daniel-schieferdecker

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.