Mein Danebenjob im Hostel
Menschen mit Nebenjob kennen die besseren Geschichten. Hier erzählt Sonja von ihrer Arbeit im Hostel, nackten Engländern und juckenden Genitalbereichen.
In einem Hostel ist immer etwas los, da muss man eine große Toleranzschwelle haben und vieles mit Humor nehmen. Aber ich kann wirklich sagen: Mein Job ist Unterhaltung pur. Ob Freaks, Randalierer oder Betrunkene – da ist wirklich alles dabei. Manchmal staunt man auch über die Dummheit der Leute. Wenn sich zum Beispiel das Klischee über dumme Amerikaner bestätigt, die total erstaunt sind, wenn man ihnen mitteilt, dass Berlin die deutsche Bundeshauptstadt ist.
Der Klassiker sind jedoch englische Junggesellenabschiede, die mir persönlich immer sehr viel Spaß machen. Wenn die Gruppen freitags ankommen, verschwinden die meist direkt auf ihren Zimmern und kommen dann verkleidet wieder runter: als Superman, im Lack- und Leder-Outfit oder als Heidi. Dann schießen die sich bei uns an der Bar erst einmal richtig ab und ziehen dann weiter. Einmal ist Samstagmorgens eine Horde Engländer nach einer durchfeierten Nacht splitterfasernackt durch die Lobby gelaufen – während Familien mit kleinen Kindern dort ihren Kaffee getrunken haben. Die mussten wir dann natürlich freundlich darauf hinweisen, dass sie sich doch bitte etwas anziehen sollen. Fünf Minuten später kamen sie dann zurück und hatten etwas angezogen: Und zwar diese neongrünen Borat-Anzüge, bei denen gerade mal das Geschlechtsteil bedeckt ist! Wir haben wirklich Tränen gelacht.
Einmal war über Silvester ein schwules Trio bei uns – ebenfalls aus England. Die waren total überdreht, selbst Kollegen von mir sind immer abgehauen, wenn sie die von weitem gesehen haben, weil die immer so viel gequatscht haben. Eines Nachts kam einer von ihnen zu uns und meinte, er bräuchte einen Doktor – „a sexual doctor“. Wir haben ihn dann ins Krankenhaus geschickt. Als er zurück kam, legte er uns den Befund vor und bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. Da haben dann alle erfahren, dass er ein Jucken im Genitalbereich und drei Wochen zuvor das letzte Mal Sex hatte. Das war ihm dann plötzlich doch unangenehm.
Einer seiner beiden Kumpels war ein total femininer Typ, eigentlich eine Frau in einem Männerkörper. Der war permanent auf Drogen, hat nonstop gefeiert und ständig irgendwelche Typen abgeschleppt. Der hat in der Lobby auch gerne mal allen seinen Arsch gezeigt, so war der drauf. Eines Morgens kam er zu mir, hat mir aus seinem bewegten Leben und natürlich auch von seinem letzten Aufriss erzählt. Irgendwann meinte er plötztlich: „But I don’t remember, if we had sex. I mean: I don’t feel it in my ass.“ Sätze wie dieser sind manchmal die ersten, mit denen ich meine Schicht beginne.
- Ferienjobber in der Fleischfabrik 04.01.2012
- Mein Danebenjob als Sextoy-Beraterin 29.12.2011
- Mein Danebenjob als Kaufhausdetektiv 20.12.2011
- Mein Danebenjob als Haushälterin 13.12.2011
- Mein Danebenjob im Kirchbüro 08.12.2011
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
17.11.2011 - 20:12 Uhr
octopussy
Als Arschloch von Mensch nimmt man die Person dann natürlich nicht zur Seite um ihn nicht bis auf die Knochen zu blamieren??
Chestity sagte:
"bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. Da haben dann alle erfahren, dass er ein Jucken im Genitalbereich und drei Wochen zuvor das letzte Mal Sex hatte. Das war ihm dann plötzlich doch unangenehm. "Als Arschloch von Mensch nimmt man die Person dann natürlich nicht zur Seite um ihn nicht bis auf die Knochen zu blamieren??
oh buhuu. wenn es ihm so peinlich gewesen wäre, hätte er ja nicht vor versammelter Mannschaft danach gefragt.
humorlose Toleranznazis.
zabaitzu sagte:
Chestity sagte: "bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. Da haben dann alle erfahren, dass er ein Jucken im Genitalbereich und drei Wochen zuvor das letzte Mal Sex hatte. Das war ihm dann plötzlich doch unangenehm. "Als Arschloch von Mensch nimmt man die Person dann natürlich nicht zur Seite um ihn nicht bis auf die Knochen zu blamieren??oh buhuu. wenn es ihm so peinlich gewesen wäre, hätte er ja nicht vor versammelter Mannschaft danach gefragt. humorlose Toleranznazis.
jaja passt scho
18.11.2011 - 14:04 Uhr
Chestity
zabaitzu sagte:
Chestity sagte: "bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. Da haben dann alle erfahren, dass er ein Jucken im Genitalbereich und drei Wochen zuvor das letzte Mal Sex hatte. Das war ihm dann plötzlich doch unangenehm. "Als Arschloch von Mensch nimmt man die Person dann natürlich nicht zur Seite um ihn nicht bis auf die Knochen zu blamieren??oh buhuu. wenn es ihm so peinlich gewesen wäre, hätte er ja nicht vor versammelter Mannschaft danach gefragt. humorlose Toleranznazis.
ps: hätte er gewusst dass es so peinlich werden würde hätte er wohl kaum um Übersetzung vor allen gebeten. Und ich kann mir auch nicht vorstellen das man mit einer Diagnose vom Arzt darum BITTET die vor allen übersetzt zu bekommen.
Chestity sagte:
ps: hätte er gewusst dass es so peinlich werden würde hätte er wohl kaum um Übersetzung vor allen gebeten. Und ich kann mir auch nicht vorstellen das man mit einer Diagnose vom Arzt darum BITTET die vor allen übersetzt zu bekommen.
"Als er zurück kam, legte er uns den Befund vor und bat um dessen Übersetzung – vor versammelter Mannschaft und voller Lobby. "
Klingt schon so für mich. Und außerdem gehe ich nicht zur Hotellobby, wenn ich weiß, dass ich wegen einer Gurke im Hintern behandelt worden bin. Bäm!
Alle Kommentare anzeigen








0
17.11.2011 - 20:12 Uhr
octopussy