21.10.2011 - 18:30 Uhr

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Jungs, wieso sprecht ihr nicht über eure Träume?

Text: mercedes-lauenstein - Bild: photocase/ froschperspektive

Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches versteht man einfach nicht bei denen.

Die Mädchenfrage:

Einer meiner Lieblingsmomente des Tages ist es, morgens aufzuwachen und den unterschiedlichen Post-Schlaf-Gefühlen nachzuspüren. Ich rekonstruiere dabei Schritt für Schritt all die merkwürdigen Traumbilder der vergangenen Nacht. In einem Zustand des permanenten Staunens denke ich „Oh“, und „Wow“ und „Häh?“, und wenn das Erinnern eine Weile hakt, grabe ich angestrengt weiter. Manchmal denke ich dann unvermittelt „Geil!“ und kurz darauf „Hilfe!“, erröte vor Scham und hänge trotzdem eine Weile den absurd-verbotenen Fantasien nach, die ich mir in Anwesenheit meiner Vernunft wahrscheinlich eher nicht so detailliert ausgemalt hätte.  

Manchmal begleiten mich diese Traumszenen den restlichen Tag, sie fallen mir immer wieder völlig unvermittelt ein und wenn gerade jemand in der Nähe ist, erzähle ich sie ihm. Denn an Träumen ist supergut, dass man sowohl leichtfüßig über sie herumblödeln kann, als auch tiefgründig darin umhersinnieren darf. Das macht sie zu einem ziemlich interessanten und niemals langweiligen Thema. Die darin auftauchenden Geschichten sind zwar meistens so skurril und absurd, dass man geneigt ist, sie auf der Stelle zu verwerfen – aber wenn man dann einmal genau hinsieht, geben sie oft erstaunliche Hinweise auf Sehnsüchte, Ängste und andere verdrängte Begehrlichkeiten. Sie sind also ganz und gar nicht nur die zufällig zusammen gewürfelte Resteverwertung all dessen, was mir am Tag so passiert ist. Sie sind viel mehr. Oft führen die verdrehten Situationen sogar zu genialen Ideen, auf die man sonst nie gekommen wäre. Im Traum wird immerhin alles frei assoziiert und deshalb gibt es nichts Aufschlussreicheres und Spannenderes, als sich ihnen ausführlich zu widmen. Ich würde behaupten, dass sehr viele gute Romane, Filme oder sonstige Großartigkeiten aus wirren Traumbildern geboren wurden. 

Mit jeder Frau kann man hervorragend über diese Fantasien sprechen. So bald ich allerdings mit Wesen männlichen Geschlechts darüber sprechen will, blocken sie recht kommentarlos ab. Weder scheinen sie meine Träume zu interessieren, noch setzen sie sich mit ihren eigenen auseinander. Ihre Gesichter verziehen sich beim Thema lediglich zu gelangweilten Mienen und sie sagen Sachen wie: „Och, ich träume eigentlich nicht“ oder „Boah, echt keine Ahnung, irgendwas halt“ oder „,Erinner’ ich mich nicht dran, aber ist doch auch total egal, oder?“ Das Ausführlichste, was ich einen Jungen je zu Träumen habe sagen hören war, dass sie zur Verarbeitung dessen dienen, was das Hirn während des Tages nicht verdauen konnte und es daher völlig kontraproduktiv und gegen Sinn und Zweck unserer menschlichen Natur sei, sie am nächsten Tag noch einmal detailliert aufzurollen. 

Denkt ihr wirklich so? Interessiert euch das, was nachts in den Kammern eures verwinkelten Hirns ohne das Zutun eurer Vernunft so alles passiert, wirklich kein bisschen? Steckt ihr da noch in einer alten Vorstellung vom Mann als unsensiblen Stahlwesen fest und ihr findet im Reden über Träume eine unattraktive Schwachstelle? Oder fürchtet ihr vielleicht, wir Mädchen könnten mit unseren pseudopsychoanalytischen Assoziationswerkzeugen zu grob in eurer Intimsphäre herumpflügen? Selbst wenn: Müsstet ihr denn nicht wenigstens arschneugierig darauf sein, was in unseren heimlichsten Kopfverquirlungen passiert?
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