12.10.2011 - 21:00 Uhr

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This is the beginning.

Text: Naiva

Sie konnte nicht mehr zurück.
Nicht mehr zurück in diese Tage,
die auf sie jetzt entzückend beschaulich und behütet wirkten,
obwohl sie laut ihren Tagebucheinträgen alles andere als glücklich gewesen war.
Aber was heißt schon glücklich, dachte sie, Glück ist nur ein Moment.
Und subjektiv. Das hieß, was sie als Glück empfand, ließ jemand anders vielleicht völlig kalt, und andersherum.

Sie fühlte sich irgendwie aus der Bahn geworfen - aber nicht plötzlich, sondern mit dem Wissen, dass es so kommen musste.
Und auch irgendwie voller Vorfreude.
Und Angst. Unvorstellbarer Angst sogar.
Sie fühlte sich schwach. Sie wollte den nächsten Tag in eine Decke eingewickelt auf dem Sofa damit verbringen, 10 Folgen von längst abgesetzten Fernsehserien hintereinander anzuschauen und dabei Hustentee zu trinken.
Sie wollte keine Konfrontation mit ihrer Klavierlehrerin und sie wollte kein verloren gegangenes Büchereibuch suchen.Am liebsten zwei Tage Durchschlafen, quasi als Ruhe vor dem Sturm, und dann:

Erneuerung.

Die alten Klamotten aus ihrem Schrank, die alten Latein-Arbeitsblätter aus ihrem Zimmer schleudern, sie wollte einen Neuanfang.
Das alles brauchte sie nicht mehr - ihre Kindheit war endgültig vorbei, sie schmeckte die Wut in ihrem Mund.

Sie ertrug das alles nicht mehr.
Dein Ton, wie du mit uns redest, da muss sich was ändern.
Ja, es musste sich etwas ändern.
Ausziehen konnte sie nicht, gerade mal und nur fast sechzehn Jahre alt,
belächelt wurde sie eh schon.
In drei Wochen Herbstferien, mit dem Zug ihre Kusine in Dresden besuchen.
Aber diese drei Wochen waren einfach zu lang.
Sie hatte drei Schwächen.
Das heißt, sicher hatte sie viel mehr als nur diese, aber es waren die drei schlimmsten, mit denen wohl jeder der sie gut kannte schon einmal unfreiwillig in Berührung gekommen war.
Erstens, Jähzorn. Leicht reizbar war sie und wenn sie erst einmal sauer war, sagte sie unüberlegt Sachen, die sich anderen wie Stachel in die Herzen bohrten (selbst wenn diese Dinge manchmal wahr waren).
Zweitens, Ernsthaftig- und Empfindlichkeit. Sie nahm alles ernst, was Leute sagten, sie nahm sich Beleidigungen und Gemeinheiten so zu Herzen, dass es schon ungesund war und sie sagte es nicht.
Drittens, und das war in diesem Fall die entscheidende, Ungeduld.
Wahnsinnige kindische Ungeduld.
Sie hatte noch nie gut warten können.
Wieso auch warten wenn man etwas auch gleich tun konnte?
Es war so kalt in ihrem Zimmer. 20 Uhr 35 und sie wollte nur noch schlafen, am liebsten bis zum Mittag des nächsten Tages.

 
Neuanfänge bedeuteten, dass etwas altes in einem gestorben war.
Neuanfänge bedeuteten Anfang und Ende in einem Stück.
Sie war mittendrin, und sie brauchte jetzt jemanden, der bei ihr blieb
und sie brauchte jemanden, der wusste, dass es Zeit war, sie loszulassen.

 
This is the beginning, of anything you want.
This is the beginning..
This is the beginning, of anything you want.
This the beginning.

 

 



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2 Kommentare

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Kirschkernfunkeln
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Mag ich Mag ich nicht

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13.10.2011 - 09:11 Uhr
Kirschkernfunkeln

Ich mag's total!
Man spürt den Umbruch, den du beschreibst, genau. So, wie du es schreibst, kann man sich einfach gut da hinein versetzen. Man ist richtig dabei. Es liest sich wie in einem Buch.

Meine Lieblingsstelle:
"Ihre Kindheit war endgültig vorbei, sie schmeckte die Wut in ihrem Mund."

* - Und: Empfohlen.

Naiva
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.10.2011 - 20:59 Uhr
Naiva

Kirschkernfunkeln sagte:
Ich mag's total!


Danke sehr :)


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