Termine
„Eigentlich hätte es mir schon Freitag vor einer Woche klar sein müssen“, sagt sie.
Sie hat ihren Kopf auf meinen Schoß gelegt und starrt an die Decke. Meine Finger fahren durch ihr Haar. Ich liebe ihr Haar. Es fühlt sich an wie sanfter Federflaum.
„Ich hab ihn angerufen, wollte wissen, ob er Zeit hat. Aber die hatte er nicht.“
„Warum nicht?“ frage ich vorsichtig.
„Er hat gesagt, er will dieses Wochenende einfach mal zuhause sein und nichts tun. Ich soll mich nicht melden, er möchte keine Termine, nach denen er sich richten muss.“
Sie atmet tief durch, versucht die Fassung zu bewahren, wie immer.
Die Worte stolpern aus ihrem Mund, erzählen vom Kummer und der Hoffnung der letzten Wochen; ich mache mir Vorwürfe, dass ich so wenig davon mitbekommen habe und sie macht sich Vorwürfe, dass sie nicht alles versucht hat, um die Beziehung zu retten, um ihn zu retten und wahrscheinlich vor allem sich selbst.
Ich atme mit ihr, lausche mit ihr gemeinsam der Stille zwischen ihren Sätzen. Meine Unfähigkeit, die passenden Worte zu finden, um sie zu trösten und meine beschämende Ratlosigkeit wandeln sich mehr und mehr in Hass gegen den, dem sie und ich das alles zu verdanken haben.
Das Schlimme an Liebeskummer ist, dass er nur von dem geheilt werden kann, der ihn verursacht hat.
„Ich musste ihm jedes Wort aus der Nase ziehen, ich wollte endlich Klarheit. Er wollte ja von selbst nichts sagen, kein Wort, hatte wohl Angst, etwas Verletzendes zu sagen...“
Mich nervt ihre Art, ihn gut zu reden. Er hat ihr so weh getan und sie ist meine beste Freundin. Ich kann ihm das nicht so leicht verzeihen. Sie schon. Noch immer. Trotz allem.
Sie schnieft.
„Scheiß Erkältung“, regt sie sich auf. Aber sie weiß, dass ich ihr das nicht abnehme. In ihren Augen sammeln sich Tränen. Sie blinzelt ein paar mal, um sie zurückzuhalten; natürlich, sie konnte ihre Gefühle noch nie eingestehen.
„Ich habe ihn gefragt, ob er mich noch liebt. Erst dachte ich, das klingt zu kitschig. Aber genau das war es eben, was ich wissen wollte. Also habe ich gefragt. Und er sagte ‚Nein‘. Das ist doch seltsam: Ich frage ihn, war darauf vorbereitet und trotzdem war es wie ein Schlag ins Gesicht, dieses ‚Nein‘, dieses beschissene ‚Nein‘.“
Sie schluckt, vergeblich. Ich spüre ihr Herz schlagen, ihr gebrochenes Herz und ich fühle mich hilflos.
„Weißt du, noch vor ein paar Wochen haben wir unsere Zukunft geplant, wir wollten gemeinsam nach Italien trampen und die Welt sehen und all sowas und alles war so... perfekt. Und dann...dann ist man auf einmal ein Termin.“
Sie lächelt. Es ist kein Lächeln der Freude, es ist eines voll Bitterkeit.
Ich nehme sie in den Arm, streiche über ihren Rücken, ihr Kopf an meiner Schulter.
So sitzen wir da, minutenlang, es sind Minuten der Freundschaft, die beste Zeit des Lebens.
„Die Liebe...“, fange ich an, doch wie soll man diesen Satz beenden?
„Ja“, sagt sie „ die Liebe.“
Ihr Schluchzen zerreißt den Schmerz.
Heiße Tränen durchnässen mein Haar.
Ich versuche gar nicht erst, sie aufzuhalten.
Ich verjage alle Geister
Und die Dämonen schick ich fort
Leg den Kopf an meine Schulter,
Es ist der weltsicherste Ort
(P.Poisel)
- Freundschaft?! - Now you're just somebody that I used to know. 19.04.2012
- Alles hat irgendwann ein Ende. Nur die Wurst hat zwei. 02.03.2012
- Bücherladenauslage. 27.02.2012
- Ohne dich gibts mich auch nicht. 16.01.2012
- Freundschaft ist wie Klopapier. 11.01.2012
Endlich ist er hier.
♥
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08.10.2011 - 15:02 Uhr
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