Die Tage der Heldenbettwäsche sind vorbei.
Mein Organismus hat auf Funktionieren geschaltet. Geht ja schon. Irgendwie. Die letzte Woche ging nicht. Das war zum einen schrecklich, zum anderen auch auf eine besondere Art erholsam. Würde ich auf meinen Körper hören, würde auch diese Woche nicht gehen. Ich höre stattdessen das laute Männerlachen der Geschäftsführer der Bürogemeinschaft.
Blockaden sind gelöst worden, mein Körper hatte eine erschreckende Eigenregie übernommen und es ist Chemie, die jetzt in meinen Blutbahnen dafür sorgt, dass ich funktionieren kann. Kann ich es? Es ist mehr Schein als Sein.
Der 10.9. war somit ein deutlicher Einschnitt. Ein intensiver Tag, der das auslöste, was mich aus der Bahn werfen sollte - zumindest gefühlt. Oder gerade gefühlt.
Vertigo. - Nicht kulturell als Film von Hitchcock sondern spürbar im Körper. Das Gleichgewichtsorgan in Dysfunktion. Schwindel. Ungefähr so, wie die wildesten Fahrgeschäfte auf der Wiesn sich drehen.
Die Sonntagabend gerufenen Sanitäter von der Feuerwehr meinten, dass ich sonst ok sei und dass es besser sei, zuhause zu bleiben, als ins Krankenhaus gebracht zu werden. Erst am Dienstag schaffte ich es zum Arzt. Genauer zu 3en. Jeder sagte fast was anderes und von extrem besorgt mit mahnendem Finger und sehr entspannt war alles dabei. Nicht beruhigend. Es sind die Momente, in denen man seinen Körper loswerden will, in dem man ihn beschimpft und ihn fragt, warum er sich wieder sowas besonderes ausgedacht hat.
Seit Mittwochmittag die Chemie. 3 mal täglich eine zu den Mahlzeiten. Erst Donnerstagabend verschwindet die permanente Übelkeit.
Wenn ich rausgehe, bewege ich mich wie in einer Blase und keine schnelle Bewegung ist möglich. Zugleich bin ich extrem reizempfindlich. Gerüche und Geräusche dringen direkt ins Gehirn. Explodieren an den Synapsen. Es ist anstrengend. Ich ziehe mich wieder zurück in meinen Kokon unter der Heldenbettwäsche. Schlafe viel. Und schaue eine Doku nach der anderen. Goldrausch, Alfred Nobel, Nordlichter, Wattenmeer, Palmyra, ... ich lasse mich in die Welten des Wissens entführen. Denken geht kaum. Doch der Willen bäumt sich auf und die Worte von Samstagabend hallen in mir wider: "Es kann gut sein, dass sich bei dir heute eine Blockade gelöst hat."
Eine massive Blockade, so wie es scheint. Aber sind es nicht leider auch oft genau die extremen Auslöser, die wir brauchen, um uns zu bewegen? In Bewegung zu kommen?
Mein Gehirn ist wattiert und doch auch hellwach. Es hat seinen Vorteil, außer Gefecht zu sein. Die Konzentration aufs Wesentliche kann stattfinden. Löst aber schon auch Gedankenketten aus, die zu einer emotionalen Todesspirale werden können. Doch als Gegenpart spielt dann der Wille und das Bewusstsein auf: "Es hat seinen Grund, dass das jetzt so ist. Es ist jetzt an dir, das anzunehmen und zu verändern."
Nicht viel denken zu können hilft in dem Fall. Ich denke nicht wie seit Monaten ewig hin und her wie perfekt ich sein muss und wie ich trumpfen kann, nein ich bin einfach wie ich bin. Kurz und knapp, reduziert aufs Wesentliche gehen in diesen Tagen 3 Bewerbungen raus. Eine weitere folgt.
Es muss sich was ändern. Es darf nicht nur die Sehnsucht danach bestehen, ein anderes Leben zu leben und Visionen zu haben. Die Änderung beginnt in mir. Man kann stark sein, auch wenn man schwach ist. Der Willen kann vielleicht keine Berge versetzen, aber er kann Steine ins Rollen bringen.
Heute bin ich wieder in der fremden Welt, aus der ich Entkommen muss. Allein dass kein einziges "Gute Besserung" kam ist für mich schon auch ein Argument. Deswegen: ich funktioniere. Des Kontos wegen.
Heute Abend hülle ich mich wieder in Helden, die meine Gedanken beflügeln.

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Und dann den nâchsten Schritt überlegen.
Und dazwischen: nett zu sich sein.
Alles Gute!!
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19.09.2011 - 12:07 Uhr
zehnterjuni