You are the Pilot of your own Pillow
Die Zeit der warmen Schlüpfer ist angebrochen. Zwei Paar Socken trägt das Mädchen auch. Besser ist das. Warum auch unnötig aufhübschen? In den vergangenen Monaten hatte sie mit großer Verzweifelung versucht ihrer neu gewonnen Freizeit Herr zu werden. Aber was nützt es, sich den Schritt ausgiebig zu rasieren und zarte Höschen überzustülpen, wenn man zu später Stunde doch allein Heim stolpert oder an seinem Schreibtisch versauert. Schlimmer nur: Wenn der ganze Untenrum-Aufwand dann im Eifer des Gefechts nicht einmal zur Kenntnis genommen wurde."Ich bin fertig mit dem Scheiß", zischte das Mädchen beim morgendlichen Zähneputzen, große Kleckse Zahnpasta landeten dabei auf dem ersten Paar Socken. Es ist zu kalt, um nach Geschlechtsverkehr im Morgengrauen durch dunkle Straßen zu stolpern. Es wurde auch einfach zu anstrengend dieses Ich-bin-das-Mädchen-du-bist-der-Junge-Spiel immer wieder zu spielen. Am Ende bliebt eh nur das Mädchen und womöglich eine vergessene Boxershorts. Oder ihr gebrochenens Herz. Same same, but different.
Rechtzeitig zum ersten Weihnachtsgebäck im Supermarkt machte sich auch in der Brust des Mädchens ein feierliches Gefühl breit: Jetzt müsste man doch wen haben. Einen der sich zu einem legt und mit dem man reden kann. Notfalls auch kochen. Mal einer, der keine Probleme hatte oder bekam. Der nicht plötzlich den Weltuntergang im restlichen Europa verkünden müsste - oder bei Tageslicht ein Spießgeselle mit Krawattenknoten wurde. Die Zeit der Romantik sei angebrochen, hatte es eine Freundin genannt und ihre fast abgelaufenen Kondome festlich entsorgt. Mit einem nachdenklichen Nicken hatte das Mädchen dabei gestanden.
Mangels Alternativen schloss sich das Mädchen dem Plan an. Albernes Mädchen-Getue hatte sie in letzter Zeit oft genug an den Tag gelegt, dann könnte sie doch jetzt wirklich mit dem Bumsen und Blasen, dem unverfänglichen Miteinander aufhören. "Kriegt man eh nur Blasenentzündung und Pilze von", kommentierte das die Freundin. "Mmmh", nuschelte das Mädchen. Recht hat sie, vielleicht.
Also sitzt das Mädchen mit einem großen Bier am Straßenrand, warm verpackt. Das Pils wird langsam warm in ihren Händen. Die Jungs, die an ihr vorbeilaufen, werden immer jünger. "Alles 23-jährige Hipster", zischt die Freundin an ihrer Seite. Trotz Kissens wird der Hintern des Mädchens langsam kalt. Reine Zeitverschwendung dieser Unter-der-Woche-Drink. Das Mädchen will ihre Weisheiten weitergeben. Zwischen zwei Schlucken Bier stellt sie wilde Verlieben-Theorien auf, die in ihrem Kopf eigentlich nicht so arg romantisch sind: "Große Scheiße ist das. Immer, wenn man gerade ganz gut allein sein kann und auch super alleine ist, dann kommt so ein Idiot - und zackt biste vom Markt." Die Zunge des Mädchens ist schon ein bißchen schwer. Ihre Freundin lacht, schüttelt den Kopf: "Nee, ich fand's scheiße allein und es kam keiner. Ich fand's echt gut allein und da kam aber auch keiner."
An dem Abend kam auch keiner. Zum Glück. Das Mädchen schlägt sich ja immernoch mit Altlasten rum. Und dennoch glaubt sie fest: der Herbst ist der neue Frühling. Sich verlieben wenn alle rasierte Beine und Bikini-Figuren haben und bei Sonnenschein Klugscheißer-Lektüre lesend den neuesten Mocca-Soy-Latte in der Szenekneipe schlürfen, kann ja jeder.
Das Mädchen will was Solides, nur keinen Bausparvertrag. Sie will warme Füße im Winter, aber keine Wärmflasche. Und klar, will sie auch Sex - ohne Batteriebetrieb. Aber ihre Eltern haben schon immer richtig gesagt: "Du willst immer das, was gerade nicht da ist."

Bildquelle: http://thisisnthappiness.com/post/103513...
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@imre: besagter blog ist auch einer meiner lieblingsblogs. randvoll mit visuellen schätzen!
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20.09.2011 - 17:48 Uhr
noplacespecial