12.09.2011 - 18:30 Uhr

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"Wir sind zu verwöhnt"

Text: steffi-hentschke

20 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen Deutsche jährlich in den Müll. Der Kinofilm "Taste The Waste" will über diese hemmungslose Verschwendung aufklären und Lösungswege aufzeigen. Im Interview erzählt Regisseur Valentin Thurn, wie wir uns bessern können und wie er selbst zum Essens-Aktivsten wurde.



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etzt.de: Hand auf’s Herz: Schmeißen Sie Essen in den Müll?
Valentin Thurn: Auch mir passiert es fast täglich, dass ich Lebensmittel wegwerfen muss. Allerdings habe ich mich durch die Arbeit an dem Film gebessert: Statt zu kaufen worauf ich Lust habe, halte ich mich an meine Einkaufsliste. Wenn ich für Freunde koche, spare ich mir auch die 30 Prozent Überschuss und nehme das Risiko in Kauf, nicht genug zu haben. 

Wissen Sie, wie viele Lebensmittel der Durchschnittsverbraucher wegwirft?
Pro Kopf werfen wir Deutsche rund 80 Kilogramm unverdorbene Lebensmittel weg – pro Jahr. Für die Recherche war ich mit einer Müllwissenschaftlerin unterwegs. Sie durchwühlt quasi beruflich unseren Hausmüll. Dabei fand sie heraus, dass sich Verbraucher viel zu positiv einschätzen. Wir werfen also viel mehr weg als wir annehmen.

Sind wir Verbraucher also schuld an der massiven Lebensmittelverschwendung?
Wir tragen natürlich nicht die alleinige Schuld. Aber ein Drittel der verschwendeten Menge wird im privaten Haushalt entsorgt. Wir schauen nicht in den Kühlschrank und fragen uns, was man daraus kochen kann. Wir schauen, was da ist und kaufen dann das, worauf wir Appetit haben. Ich glaube, wir sind diesbezüglich einfach zu verwöhnt.

Supermärkte ermöglichen uns mit ihrem großen Angebot doch dieses Leben im Überfluss.
Der Handel steht unter einem enormen Konkurrenzdruck. Der Kunde mag es eben nicht, wenn er Samstag abends im Supermarkt steht und alles ausverkauft ist. Es gibt deshalb viel zu viele Produkte in den Regalen – die Händler riskieren es, Unmengen davon am Abend zu entsorgen. Das ist besser als den Kunden zu verlieren.





Warum werden so viele Lebensmittel weggeworfen, bevor sie überhaupt in die Regale gelangen?
Das ist der Knackpunkt: Zwar gibt es eine Reihe von Gründen, weshalb die Verschwendung derart groß ist. Allerdings ist es der Handel, der die Normen setzt – er bestimmt, welche Ware „schön“ genug ist um verkauft zu werden. Die Leidtragenden davon sind vor allem die Bauern. Bis zu 50 Prozent müssen sie oft entsorgen, was doppelt schade ist. Die weniger schönen Waren bringen ja keinen Gewinn, schmecken aber oft besser als die Akkuraten.

„Das Auge isst mit“: Wollen wir deshalb nur noch perfektes Obst kaufen?
Ich glaube schon. Ich denke, dass wir viel zu sehr auf die Optik fixiert sind anstatt auf den Geschmack. Der Handel begründet seine strengen kosmetischen Normen damit, dass wir Kunden dies so wünschen. Der Trend zur Perfektion hat sich schleichend auch auf die Lebensmittel übertragen.

Sie raten Konsumenten, sich nicht auf das Haltbarkeitsdatum zu verlassen. Welchen Wahrheitswert hat dieser Aufdruck?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist das größte Drama: Im Prinzip ist es nämlich nicht mehr als ein Richtwert, um zu wissen, wie lange der Frischkäse noch cremig ist. Er kann aber oft noch Wochen nach Ablauf problemlos gegessen werden, kaum verderbliche Dinge wie Salz und Nudeln sogar noch Monate danach. Das schlimmste aber ist, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kaum zu unterscheiden ist von dem so genannten Verbrauchsdatum. Da geht es wirklich um Gesundheitsgefährdung. Meiner Meinung nach sollte das in schreiendem Rot aufgedruckt werden, damit wir den Unterschied klar erkennen.

Im Film heißt es, mit dem Essen, das in Europa und Nordamerika weggeworfen wird, könnten alle Hungernden der Welt dreimal satt werden. Ist das dann nicht doch ein unrealistischer Vergleich?
Klar können wir unsere Essensreste nicht nach Afrika schicken. Wir haben aber einen globalen Markt – auch für Nahrungsmittel. Durch unseren starken Konsum steigen die Preise und diese Preise gelten eben auch für afrikanische Länder.  Für viele ist es generell schwer geworden, bezahlbare Lebensmittel zu bekommen. Kommt es dann noch zu einer Krise wie zuletzt in Somalia, verschärft sich die Situation extrem.

Was können wir dagegen tun?
Wir können ganz viel machen: Wenn zu viel gekocht wurde, können die Reste eingefroren werden. Es gibt auch zahllose gute Rezepte, Pizza und Quiche sind zum Beispiel dadurch entstanden, dass Reste zusammengemixt wurden. Uns ist leider die Wertschätzung für Lebensmittel verloren gegangen. Politisch hat sich in Deutschland erst durch den Film etwas bewegt. In Großbritannien ist man da viel weiter. Es gibt Lektüre und sogar eine App für’s Smartphone. Das erkennt den Kühlschrankinhalt und erarbeitet daraus Rezeptvorschläge.   

"taste the waste" ist seit Donnerstag im Kino zu sehen.


Valentin Thurn ist 48 Jahre alt. Der gebürtige Stuttgarter arbeitet als Filmemacher für die öffentlich-rechtlichen Sender. Thurn ist Autor des Buches „Die Essensvernichter“ und Regisseur von „taste the waste“.


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SambalOelek
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Mag ich Mag ich nicht

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12.09.2011 - 19:24 Uhr
SambalOelek

da steht nur verlinken. ist aber nix verlinkt.

in den kühlschrank schauen und was zaubern - das ist einfach kreatives kochen und macht spaß. schließe mich weitestgehend an.

fisch der das mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat kommt bei mir trotzdem in den müll. und schimmeliges brot auch - selbst wenns nur so ein minisprenkel ist.

mercedes-lauenstein
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12.09.2011 - 20:35 Uhr
mercedes-lauenstein

Danke @SambalOelek, ist korrigiert!

apollyon
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.09.2011 - 21:27 Uhr
apollyon

Ich frage mal provokant: Was wäre denn besser, wenn wir nicht soviel Lebensmittel wegwerfen?

Insgesamt würde dann weniger hergestellt werden. Der Umsatz der Bauern würde nicht steigen, im Gegenteil, er würde ein bisschen sinken, weil wir ja einen Teil der weggeworfenen Waren auch als Verbraucher bezahlen.
Das heißt die Bauern müssten Kapazitäten abbauen und würden insgesamt weniger Geld verdienen.
Umgekehrt geben "wir" dann weniger Geld für Essen aus (da wir nix mehr wegwerfen), das dann wieder in anderen Konsum gesteckt wird -- Kleidung, elektronisches Spielzeug, Urlaub, etc.

Mir leuchtet nicht ein, warum so ein Verhalten unbedingt wichtig ist.

Ein "bewußterer Umgang" mit dem Essen würde sicher nicht dazu führen, dass weniger Menschen hungern, denn die Menschen hungern ja nicht, weil wir zuviel essen, sondern weil sie zu wenig verdienen, um sich essen leisten zu können, bzw. die politische Situation in den Ländern es nicht erlauben, genug Essen für sich selbst anzubauen.

transworld
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-8

13.09.2011 - 00:04 Uhr
transworld

arme laender sind agrarstaaten. die leute die kein geld fuer essen haetten koennte geld verdienen indem sie ihre agrarprodukte an uns verkaufen. ihre produkte waeren wahrscheinlich billiger. s ohaetten wir billige lebensmittel und die afrikaner geld. dadurch das wir zuviel produzieren und dan preis hochhalten subventionieren wir unsere bauern und halten die afrikaner davon ab ihre produkte an uns zu verkaufen. viele lebensmittel aus afrika werden auch einfach nicht an afrikaner verkauf weil man in europa bessere preise dafuer erzielt.

abgesehen davon , was haelt uns davon ab unser ueberschuessiges essen an die weiterzu geben die ziwenig haben? der preis! wir wollen den preis fuer lebensmittel hochhalten damit unsere bauern und lebensmittelfabriken genug verdienen

den kommentar von apollyon finde ich sowas von daneben und ignorant narzistisch das ich fast kotzen muss

apollyon
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.09.2011 - 00:19 Uhr
apollyon

transworld sagte:

den kommentar von apollyon finde ich sowas von daneben und ignorant narzistisch das ich fast kotzen muss


Abgesehen davon, dass der Rest Deines Artikels bar jeder Logik ist ("Leute, die sich kein Essen leisten können, sollen ihr Essen an uns verkaufen, damit sie von dem Geld Essen kaufen können"), interessiert mich: Welchen Teil genau an meinem Artikel empfidest Du als narzistisch?

transworld
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-4

13.09.2011 - 00:24 Uhr
transworld

weil dir nicht einleuchtet warum wir unser verhalten aendern muessten und dir der umsatz der eigenen bauern wichtiger ist als das wohl der welt und weil du den hungernden menschen selber schuld an ihrer misere gibst und in deinem verhalten nichts zu kritisieren hast

und du nicht in de rlage bist die logik meiner aussage zu erkennen, vll nochmal genau lesen.

is auch nur mein persoehnlicher, subjektiver eindruck, vll irre ich mich ja auch mit meiner bewertung deines posts....

fraeuleiningeborg
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Mag ich Mag ich nicht

6

13.09.2011 - 01:46 Uhr
fraeuleiningeborg

Es wird doch eher umgekehrt ein Schuh draus: Das Essen ist bei uns so billig (und wird daher weggeworfen), weil unsere Landwirtschaft auf Kosten anderer Länder lebt, z.B. Futtermittelanbau in Drittweltländern, die dann selber keine Anbauflächen mehr haben etc.
Daran ändert sich aber nicht unbedingt was, wenn wir nichts wegwerfen, sondern nur durch Subventionsabbau, Landreformen vor Ort etc.

rotfront
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Mag ich Mag ich nicht

3

13.09.2011 - 11:24 Uhr
rotfront

transworld sagte:


entwicklungsländer sind zwar agrarstaaten, dort wird aber meistens nicht für den eigenbedarf produziert sondern für den export, kaffee, tee, obst. diese anbauflächen fehlen dann, um die eigene bevölkerung zu ernähren.

andererseits wächst die bevölkerung so schnell, dass bald fraglich ist, ob man überhaupt alle menschen ernähren kann.

nachtwaechter
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Mag ich Mag ich nicht

1

13.09.2011 - 12:34 Uhr
nachtwaechter

Dass Lebensmittel bei uns so billig sind, dass man sie in Massen wegwirft ist vor allem der völlig fehlgeleiteten Agrarsubventionspolitik der EU geschuldet. Und dann werden die billig in der EU produzierten Überschüsse auch noch auf die afrikanischen Märkte geschwemmt und verhindern dort, dass einheimische Bauern anständige Preise für ihre Waren erzielen.

Soviel zum Thema Hunger, Überproduktion und billige Lebensmittel.

Die Deuts

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Mag ich Mag ich nicht

0

13.09.2011 - 12:35 Uhr
nachtwaechter

Die Deutschen haben ja ohnehin kein besonders inniges Verhältnis zu ihrem Essen. Nirgends gibt es so viele Discounter (und wenn ich mich recht erinnere gehen 80% der Bevölkerung mehr oder minder regelmäßig bei Aldi & Co. einkaufen, dass kann nicht nur Unter- und Mittelschicht sein) und nirgends wird anteilig so wenig Geld für Lebensmittel ausgegeben wie bei uns.

Wenn ein Liter Milch 2 € statt nur etwa einem kosten würde, würde ich mir vielleicht überlegen, ob ich sie sauer werden lasse und wegschütte.

Und was das Ding mit dem MHD anbetrifft: Da herrscht leider sehr viel Dummheit und Uninformiertheit im Land. Man hat doch Nase und Augen, die dabei helfen zu erkennen, ob Lebensmittel noch gut sind oder nicht.

Zu dem ganzen Thema passt übrigens auch folgender Film:

http://www.we-feed-the-world.at/

unbedingt anschauen, ist sehr empfehlenswert.

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steffi-hentschke

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.