Wasserkur
Katja Butts Kunst fordert den Betrachter heraus, mehr von dem, was er sieht, auch ernst zu nehmen. Wir leben in einer bilderreichen Zeit und lassen uns von einer Pixelflut durch die Tage schwemmen. Die Videokünstlerin, Zeichnerin und Photographin Katja Butt befragt die umbaute Bewegung in einem Akt der Dissidens und bringt damit Bewegung in die starre Architektur. Transformation, lautet das Stichwort.Die raumbezogenen Videoinstallationen von Katja Butt verwandeln die statische Architektur des Ausstellungsortes in ein dynamisches mediales Gefüge, in dem Außen und Innen, Oben und Unten, Gestern und Heute zu einer Einheit werden. Eindringlich minimalistische Videobilder werden zu rhythmisch strukturierten Sequenzen komponiert, die sich über mehrere Monitore hinweg zu einem geschlossenen Ablauf verbinden. Der einzelne Monitor funktioniert als gestalterisches Element und jenseits einer untergeordneten Funktion als neutraler Rahmen der Begrenzung eines Bildfeldes. In der Präsentation verschmelzen Raum, Bild und pointiert gesetzte Akustik zu einer neuen Dimension, zu einem eigenständigen Körper, dessen einzelne Bestandteile voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Am Ende bleibt die Kamera im wahrsten Sinne des Wortes ein Werkzeug, ein Instrument, das man beherrschen muß, um mit ihm Sinnlichkeit darzustellen. Der Eros der Kunst von Katja Butt liegt in der Biologie der Existenz: der puren Freude und der Lust an Fleisch und Geist! Es verbleiben Pfeile mit Widerhaken, die lange im Gedächtnis des Betrachters verankert bleiben.
Heidrun Grote ist es leid, nur als Gesichtsverleiherin gefragt zu sein. Als darstellende Künstlerin, liebt sie die Literatur und leiht ihre Stimme gern einer Rolle, aber genauso gern einem Dichter. Daher ist Heidrun Grote das vernehmliche Gehör zu schenken. Diese Rezitatorin ist eine ironische Realistin, sie hat eine Stimme, die alle Nuancen der Welt- und Ich-Erfahrung aufnimmt und in Sprachklang umsetzt. Sie bringt die Ausdrucksebenen von Sprache und Gesang so amüsant wie gekonnt zum Schwingen. Grote trägt Literatur nicht einfach vor, sie gestaltet und verwirklicht sie.
Es gibt keine Stimme, zu der wir uns neutral verhalten können: Entweder wir lieben sie oder nicht. Grote hat wie kaum eine Rezitatorin sonst begriffen, daß Literatur Mundwerk im buchstäblichen Sinn ist: Es entsteht im Rachenraum. Da zischt und schnattert, da hämmert's und gurgelt es. Manchmal versteht man nicht den Sinn, aber die Gedichte sind durch den Sprachgestus und -duktus immer evident. Unangestrengt schafft sie gesprochene Sprachkunstwerke. Das Mondäne vereinigt sich mit dem Musikalischen, der Intellekt mit dem Sinnlichen. Ihre Stimme erzeugt eine atemberaubende Intimität. Sie ist weich und schwingend wie der Körper einer Katze, und sie kann kalt leuchten wie Mondschein. Aber vor allem ist sie groß, wenn sie leise spricht. Dann bricht sie manchmal und zeigt raue Stellen; sie entzieht sich in Momenten der Heiserkeit, um dann umso schöner wiederzukommen.
17. September „Wasserkur“ von Katja Butt, Rezitation, Heidrun Grote ab 17.00 Uhr im Rheintor, Linz

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