Jungs, erzählt ihr nie Geheimnisse weiter?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
Die Mädchenfrage:
Es gibt einen Satz, den man ständig in Gesprächen von Mädchen zu Mädchen hört. „Von mir weißt du's aber nicht!“, sagt dann die eine zur anderen, nachdem sie topexklusive News weitergegeben hat, die sie von einer Geschlechtsgenossin erhalten und eigentlich für sich hätte behalten sollen. Deshalb verhängt die Schweigeunfähige mit diesem Satz nun erneut eine Nachrichtensperre – nicht nur, aber auch, um nicht als Quelle der Indiskretion bekannt zu werden. Fraglich, wie erfolgversprechend diese Aufforderung ist. Sie selbst hat ja auch nicht an sich halten können.
Anstatt sich geehrt zu fühlen ob des Vertrauens, das ihm entgegengebracht wurde, offenbaren Mädchen in solchen Unterredungen, dass sie solches Vertrauen gar nicht verdienen. Sondern stattdessen der Tratschsucht erliegen, auch wenn es sich bei der Quelle und Betroffenen um eine gute Freundin handelt. Auch wenn zuvor von jener Dame nicht explizit klargestellt wurde, dass es sich um Vertraulichkeiten handelt, sollte eigentlich klar sein, dass sie ihr Seelenleid oder auch die 1,0 in der Zwischenprüfung nicht zwingend mit weiteren Personen teilen möchte. Oder ihnen selbst davon berichten und selbst entscheiden will, wer, wann und unter welchen Umständen ein Lebensupdate bekommt. Doch das tratschende Mädchen redet sich zu allem Überfluss auch noch gerne ein, die Ausplauderei sei harmlos, weil sie die Informationen ja nur an weitere enge Freundinnen weitergibt. Falls sich bei ihm überhaupt so etwas wie ein Schuldbewusstsein einstellt.
Wenn Mädchen sich immer bewusst wären, wie viel andere Mädchen von Vetraulichkeiten weiterplaudern – und sie könnten es wissen, kennen sie sich doch selbst – so würden sie vermutlich nur noch mit ihren männlichen Freunden derlei Privates teilen. Ich kann mich jedenfalls nur an sehr wenige Indiskretionen erinnern, die mich aus Jungsmund erreichten. Ja, Verschwiegenheit ist nicht unsere größte Stärke und „Von mir weißt du's aber nicht!“ ist ein hässlicher Mädchensatz. Einerseits.
Andererseits ist das zu einfach, weil es die Chose einseitig betrachtet. Handelt es sich bei diesen indiskreten Damen doch nicht um schnatternde Weibsbilder, die sich Lästereien hingeben. Indiskretionen unter Freundinnen beinhalten in den allermeisten Fällen eine tiefe Sorge um das Wohlbefinden jener Person, über die eigentlich private Infos ausgetauscht werden. Eine Freundin von mir wurde vor Kurzem von ihrem Freund verlassen. Sie hatte es noch gar nicht allen Freundinnen erzählt, aber nach wenigen Tagen wussten wir bereits allesamt Bescheid. Die Trennung war in diversen Telefonaten weitergegeben worden, garniert mit ebenjenem Satz. Aber wer es nicht direkt von ihr erfahren hatte, konnte ihr dann unauffällig eine SMS schicken oder anrufen, um ihr die Möglichkeit zu geben, sich auszuheulen und auszusprechen. Von dieser Möglichkeit machten wir Gebrauch. Ein Freundinnennetz fing sie in ihrem Kummer auf. Wir waren fürsorglich – aber wir hatten sie nicht gefragt, ob sie das eigentlich wollte.
Ohne sicher zu wissen, wie Jungs mit anderen Jungs über wieder andere Jungs sprechen: Ihr handhabt das nicht so, sondern haltet eure Klappe, oder? Findet ihr unser Verhalten völlig unverständlich und moralisch verwerflich, irgendwie noch zu rechtfertigen – oder doch auch Zeichen von tiefer Zuneigung dem Opfer der Indiskretion gegenüber?
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