06.09.2011 - 18:30 Uhr

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Was mir vom 11. September 2001 geblieben ist

Text: peter-wagner - Illustrationen: Katharina Bitzl

Die Anschläge auf die Türme von New York vor zehn Jahren haben die Welt verändert. Aber haben sie auch unser eigenes Leben verändert? Schon, behauptet unser Autor. Eine Spurensuche in acht Punkten.

1.  Das ungute Gefühl bei tief fliegenden Flugzeugen

Vergangenen Sonntagabend stand ich in der Küche an der Spüle und schaute aus dem Fenster und sah die Lichter eines Flugzeugs über der Stadt. Ich habe keine Ahnung von Flugzeugen, aber das Licht schien mir wieder mal zu niedrig. War es im Sinkflug? Aber wohin? Warum so tief? Ich habe mir bis vor zehn Jahren nie Gedanken über die Flughöhen von Flugzeugen gemacht. Aber seitdem kenne ich die Bilder, die tief fliegende Flugzeuge auslösen können und seitdem bin ich mir nie ganz sicher, wie hoch hoch genug ist.  

2.  Die Türme

Neulich, beim Einkaufen, stehen auf einem Regalbrett zwei gleichgroße, halbmeterhohe Vasen, quadratischer Grundriss. Oder früher im Jahr, beim Umzug: Zwei schmale „Aneboda“-Schränke von IKEA stehen nebeneinander vor dem Umzugsauto, fertig zum Einladen. Mit der Schablone vom 11. September besteht die Welt aus World Trade Centern.   

3.  Der Terrorexperte

An dem Tag, als der Mörder Anders Breivik in Norwegen so viele Menschen erschoss, begann im Internet eine Debatte über den Beruf des „Terrorexperten“. In den Nachrichtensendungen hatten wieder die ernst blickenden Männer gestanden, die sich als „Terrorexperten“ vorstellen und die, frisch aus dem Schrank geholt, die Ereignisse in Norwegen einordnen sollten und doch nur wussten, wo Oslo ist. Die Terrorexperten hatten sich an diesem Tag so richtig unmöglich gemacht, weil sie immer noch von dem Skript abzulesen schienen, das damals, nach dem 11. September 2001 zum ersten Mal geschrieben worden war.

4.  Das Leben wankt

Je länger man lebt, desto häufiger verwendet man "Großereignisse", um sein eigenes Leben in den Gesamtlauf der Dinge zu ordnen. Meistens lebt man irgendwie zwischen dem ersten Wimbledonsieg von Boris Becker und dem Eurovisionssieg von Lena dahin. Nur sehr wenige Begebenheiten haben diese "Krieg oder Frieden"-Wucht, die das Leben wirklich ins Wanken bringt. Im März dieses Jahres, als niemand wusste, wie die Dinge in Fukushima ausgehen würden, da war es wieder so weit. Und am 11. September war es, zum ersten Mal in meinem Leben, auch so. 

5.  Das verkehrte Datum

Es hat damals ein paar Tage gedauert, ehe ich verstand, was das auf Englisch so cool dahingesagte und so symbolmächtig hingeschriebene Monsterkürzel „9/11“ bedeutet. Seit zehn Jahren weiß die ganze Welt, dass die Amerikaner sich ihr Datum andersrum aufsagen.  

6.  Die Vorstellung vom freien Fall

Die schlimmsten Bilder vom 11. September sind jene, auf denen die Menschen springen. Sie fallen entlang der Stockwerke. Der Kopf denkt das Davor und das Danach und einen Moment lang meint man den Sog der Schwerkraft selbst zu spüren; als öffneten die Bilder eine Luke im eigenen Leben und der Fall würde beginnen. Ein paar Sekunden lang zieht etwas an den Muskeln und dann werden die Handflächen feucht: Der Kopf spielt die schlimme Vorstellung am eigenen Körper durch.  

7.  Die Erinnerungserschöpfung

Die Gedenktage in den Jahren 2005 bis 2008 habe ich geschwänzt. Es ging nicht mehr. Ich war in jenen Septembern erinnerungserschöpft, ich brauchte eine Auszeit von den brennenden Bildern und war der mühsamen Ortsbegehungen derjenigen Journalisten überdrüssig, die sich „New York vor dem Jahrestag“ vorknöpften und immer wieder aufs Neue herausfanden, dass die New Yorker „wieder Mut“ gefasst hätten. Zum ersten Mal verstand ich, dass auch Erinnern eine Dosierung braucht.  

8.  Die Feuerwehrmänner

Tatsächlich hat der 11. September meinen Blick auf den Feuerwehrmann verändert. Die Feuerwehr war mir ziemlich lange und vor allem als Ausrichter von Jubiläumsfesten ein Begriff. Das aus den USA importierte Pathos, der Wille, die Männer mit den Helmen zu Helden aufzubauen, imponierte mir. Ein klein wenig hat das Pathos abgefärbt. Wenn ich heute ein Feuerwehrauto auf dem Weg zum Einsatz höre, denke ich: Alles Gute! Und das sollte man sowieso viel mehr Menschen wünschen.    


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soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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06.09.2011 - 18:55 Uhr
soylentyellow

Ich glaube FDNY (Fire Departmen of New York) ist verbreiteter als NYFD (New York Fire Department) weil ersteres auf deren Jacken steht und nicht letzteres.

paleika
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06.09.2011 - 22:19 Uhr
paleika

ich mag die kleinen illus. und ja, das mit den großereignissen ist bei mir genauso.

inBrooklyn
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07.09.2011 - 04:38 Uhr
inBrooklyn

911 ist ausserdem die nummer die amerikaner waehlen wenn es einen notfall gibt. in deutschland waehlt man 1-1-0, hier bei uns 9-1-1.

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07.09.2011 - 04:38 Uhr
inBrooklyn

9-1-1 ist ausserdem die nummer die amerikaner waehlen wenn es einen notfall gibt. in deutschland waehlt man 1-1-0, hier bei uns 9-1-1.

edlabyde
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07.09.2011 - 07:31 Uhr
edlabyde

Schon klar: Die beinahe weltweit eingeführten Anti-Terror-Gesetze, die Datensammlerei der Sicherheitsbehörden, der Afghanistan-Krieg, das Einsperren und Foltern von Terrorverdächtigen begegnet uns nicht jeden Tag in der Fußgängerzone.

Aber Ikea-Kartons?

bio2001
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07.09.2011 - 07:56 Uhr
bio2001

Diese Terroranschläge veränderten die Welt - es wurde ein Kriegsgrund geschaffen, der bei genauerer Betrachtung auf wackligen Beinen steht. Das etwas nicht stimmt, beweist der 6,8 sek. Total-Kollaps, im Fachjargon übrigens "Implosion" genannt, des 174 Meter hohen WTC-7, in das kein Flugzeug flog!
WTC-7 - Der dritte Turm
http://www.911-archiv.net/Tatort-WTC/wtc...

drolli
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07.09.2011 - 09:51 Uhr
drolli

Also Fukushima mit 9/11 zu vergleichen ist schon geschmacklos und eine typisch deutsche Wahrnehmung. Wenn schon dann bitte den ganzen Tsunami, bei dem ja mehr Menschen gestorben sind.

Ein Ereigniss welches mich uebrigens mehr erschreckt hat als 9/11 oder Fukushima (oder das verursachende Erdbeben) war uebrigens die rumaenische Revolution: dass mitten in Europa in einem beinahe-Nachbarland der ehemalige Machthaber nach einem zweitstuendigen Schauprozess an dem Tag als sein Palast gestuermt wurde, hingerichtet wurde und seine Leiche im Fernsehen gezeigt wird, das hat mich schwer irritiert. (zumal nicht klar war wir die Sowjetunion reagieren wuerde).

zehnterjuni
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07.09.2011 - 10:46 Uhr
zehnterjuni

bei mir blieb seltsamerweise eigentlich nur das noch viel tiefere unbehagen den USA gegenüber.

cosmashiva
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07.09.2011 - 12:26 Uhr
cosmashiva

Ich habe mich neulich mal in einem Irish Pub in München mit einem US-Soldaten unterhalten, der sagte, dass er jetzt lieber Feuerwehrmann werden will, als in Afghanistan zu kämpfen.

Ansonsten erinnert mich das alles daran, dass ich jetzt schon 10 Jahre bei jetzt.de bin. Und das erinnert mich daran, dass ich meinen wirklich bescheuerten jetzt-Namen mal zwischendurch irgendwann hätte ändern sollen. Und dass ich alt bin.

marquez
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07.09.2011 - 15:25 Uhr
marquez

eine ebenso einschneidendes ereignis im leben, das ueber krieg und frieden entschied und frueher stattfand, war fuer mich der luftangriff der USA auf die irakischen truppen in kuwait 1991. als wir in der schule beteten fuer den frieden und man diese unscharfen bilder von bombeneinschlaegen in der nacht staendig im fernsehen sah.

als kind der 80er war das der erste kontakt mit krieg, was mich sehr beschaeftigte.

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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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