Vergesst das College!
Der 19-jährige Dale findet Hochschulbildung überflüssig. Nun kämpft er für Bildung durch Lebenserfahrung.

Vor einem Jahr schüttelten viele Professoren und Eltern in Amerika verwundert den Kopf. Peter Thiel, der Mann, der einst die Firma Paypal gründete und nun viel Geld auf der hohen Kante hat, suchte öffentlich nach Teenagern, die für eine Prämie von je 100 000 US-Dollar ihr College-Studium schmeißen. Mit dem Geld sollten sich die jungen Erwachsenen stattdessen selbständig machen.
Die meisten Eltern in den USA wollen ihren Kindern schon wegen der Berufsaussichten einen Collegebesuch ermöglichen. Mittlerweile aber steckt Amerika in einer Rezession. Viele Studenten finden keinen Job und haben Probleme, die Studiengebühren von durchschnittlich gut 24 000 Dollar abzubezahlen. Peter Thiel findet das schlimm. Nun führt er einen kleinen Kreuzzug gegen die College-Versessenheit der Amerikaner. Wahrscheinlich ist es kein Wunder, dass unter den Talenten, die er nun in seinem Existenzgründerprogramm fördert, auch Dale J. Stephens ist. Der 19-Jährige ist einer von 24 „Thiel-Stipendiaten“, die, wie vergangenen September angekündigt, 100 000 Dollar an die Hand bekommen, um eine Unternehmensidee umzusetzen.

Dale wurde von seinen Eltern mit Zwölf von der Schule genommen und nach Anleitung der „Unschooling“-Bewegung unterrichtet. Dabei soll man nicht in Schulen sondern im Alltag und durch Erfahrungen lernen; man soll zum Beispiel die Eltern beim Einkaufen und beim Kochen begleiten und dabei lernen und in Spielen und kleinen Bastelprojekten Zusammenhänge verstehen. Allein das eigene Interesse soll den Schülers durch die Welt leiten. Wenn ein Junge staunend vor einem LKW steht, können die Eltern versuchen, mit dem Sohnemann die Funktion eines Motors oder die Geschichte der Mobilität zu erarbeiten. Eine Rolle bei diesem sogenannten „informellen Lernen“ können auch Lehrvideos spielen, wie sie zum Beispiel der Kalifornier Sal Khan auf Youtube anbietet. Er hat mehrere Tausend Filme erstellt, in denen er auf simple Weise Mathe oder Geschichte für Schüler erklärt. Mittlerweile zählt Khan zu einer neuen Generation von Bildungsreformern, die den Frontalunterricht an den Schulen in Frage stellen, weil man ihn nicht vor- oder zurückspulen kann, so oft man mag.
Dale Stephens will, dass sich das interessengeleitete Lernen auch auf die Zeit überträgt, in der man eigentlich ein College besuchen würde. Er hat mit dem Geld von Peter Thiel die Bewegung UnCollege gegründet, die keinen anderen Zweck hat, als Schülern klar zu machen, dass man nicht aufs College muss, um im Leben zu etwas zu kommen. Studien legen Dale zufolge nahe, dass bis zu 90 Prozent unseres Wissens aus bloßer Lebenserfahrung entsteht. Dale zitiert auf uncollege.org auch Quellen, nach denen fast ein Viertel der Collegeabsolventen später in Jobs arbeiten, für die man keinen Hochschulabschluss bräuchte.
Wer die Hochschule drangeben will, muss Dale zufolge genau wissen, was ihn antreibt. Er muss Lust haben, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. In einer To- do-Liste für angehende Jünger der UnCollege-Bewegung schreibt Dale, man solle zum Beispiel unbedingt ein Projekt beginnen, eine Webseite eröffnen, ein Unternehmen gründen. Man solle sich einen Mentor suchen, weil mit dem, im Gegensatz zum Professor am College, mehr Austausch stattfinde. Man solle, ganz wichtig, versuchen, in einem bestimmten Feld ein Experte zu werden.
Und so geht es weiter. Dales Sätze klingen wie der Fahrplan in ein selbstbestimmtes Leben. Ganz ohne Stundenplan und andere Vorgaben. Aber nicht für jeden ist diese Form des Lernens geeignet. Wer Arzt werden will, kommt wohl so oder so nicht um ein Studium herum. Und dann gibt es da ja noch Menschen, für die es besser ist, wenn das Lernen einer Struktur folgt; die froh sind, wenn die Colleges noch eine Weile weiterbestehen.
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JoergAuch sagte:
drolli sagte:
Und offen gesagt finde ich das im Grunde richtig. Ich will keine Gesellschaft in der Rechtsextreme ihren Kindern komplett eine andere Version der Geschichte beibringen koennen und religioese Fundis aller Art ihren Kindern irgendwelchen Scheiss exklusiv erzaehlen duerfen.
In Österreich machen sie es ja anscheinend so, dass man trotz
Homeschooling am Schuljahresende Prüfungen an einer öffentlichen Schule ablegen muss. Die lernen auch zu Hause mehr oder weniger nach dem offiziellen Lehrplan. Allerdings hindert die sicher niemand daran, zusätzlich was Anderes zu unterrichten, z. B. Schöpfung vs. Evolution.
und was hindert eltern daran ihren kindern nach der schule anderes bezubringen?
kommt doch dann eigentlich aufs gleiche raus
Quu sagte:
und was hindert eltern daran ihren kindern nach der schule anderes bezubringen?
kommt doch dann eigentlich aufs gleiche raus
Nichts natürlich, aber die Situation ist anders. WEnn die Eltern was ANderes behaupten als die Schule, denkt man als Schüler auf jeden Fall mal drübewr nach undinformiert sich weiter, als wenn alle dasselbe behaupten.
drolli sagte:
Ich kenne ja nun einige Arbeitskulturen und kann nur sagen dass je laenger die Leute zusammen auf einer Schule waren umso zwangloser war der Umgang zwischen den Schichten.Diese unsichtbare Barriere und gegenseitige nicht-Achtung zwischen Akademikern und nicht-Akademikern z.B. ist typisch Deutsch.
Es hängt eben immer von der heterogenität der Gruppe ab. Ich war zum Beispiel in dem zweifelhaften vergnügen fast in jeder Klasse einen kontergan-geschädigten Mitschüler zu haben. Auch hatte ich rumänische und portugisische Klassenkameraden. Das hat sich sicher positiv ausgewirkt. Gettobildung im Gegenzug war halt noch nie gut.
Das entscheidende dabei ist, dass die Gruppe gut durchgemischt ist. Trotzdem, dass ich in fast allen Klassen kntergan-geschädigte hatte, kann ich mich nicht erinnern einen SchülerIn mit einer anderen Behinderung auch nur in der Schule gehabt zu haben.
Ich denke, wenn der Staat es nicht schafft die Veränderungen anzuschieben und der Föderalismus ist da keine wirkliche Hilfe, dann muss man selbst handeln können.
Digital_Data
seine gewöhnlichen, unbedingt zu erwartenden inhaltefehler vertritt er also letztlich mit der gesamten autorität des obrigkeitsstaates, der natürlich nur schwer entgegenzutreten ist – im besten falle (eines ernsthaft gutwilligen staatsapparates) erkennt seine expertokratie inhaltefehler einfach nur besonders langsam (aufgrund einer art überindividuellen confirmation bias) und setzt änderungen der lehrinhalte nur langsam durch. im schlechteren, wahrscheinlicheren fall bemüht sich die vom staat eingesetzte expertokratie schleichend (selbst wenn sie es zunächst getan hat) nicht mehr in erster linie um hehre bildungsideale - sondern betreibt subtil oder weniger subtil machterhaltungspropaganda zugunsten des eigenen apparates. zentralistische bildungsorganisation erhöht also das risiko totalitärer entwicklungen in einem staatswesen, ihr fehlen gehört zu den wichtigsten hindernissen für den totalitarismus.
in einem dezentralen bildungswesen, das auf kleinen, nur sich selbst verantwortlichen bildungseinheiten basiert - wie zb familiärer selbstorganisation oder kommerziellen bildungsunternehmen – und auf das der staat keinerlei einfluss nehmen darf, auch nicht in form einer supervision, wären inhaltefehler vielleicht eher häufiger. hinter der wissensvermittlung steht jedoch durch die kleinteiligkeit immer nur die autorität von gesellschaftsteilen und nicht der gesamtgesellschaft, was sich den lernenden auf viele arten automatisch mitteilt, selbst wenn die wissensvermittlung selbst auf autoritäre weise stattfindet und allgemeingültigkeit beansprucht.
dadurch vermeiden sich zum einen extremistische entwicklungen weitgehend von selbst, zum anderen teilt sich den lernenden dadurch früher oder später deutlicher die vorläufigkeit jeder menschlichen gewissheit mit – zentralistische, staatliche bildungssysteme hingegen sehen in der aufdeckung epistemologischer unzulänglichkeiten immer eine gefahr für die gerade vorherrschende ideologie.
31.08.2011 - 15:31 Uhr
okkasionalsozialist
31.08.2011 - 15:32 Uhr
okkasionalsozialist
JoergAuch sagte:
Quu sagte:
und was hindert eltern daran ihren kindern nach der schule anderes bezubringen?
kommt doch dann eigentlich aufs gleiche raus
Nichts natürlich, aber die Situation ist anders. WEnn die Eltern was ANderes behaupten als die Schule, denkt man als Schüler auf jeden Fall mal drübewr nach undinformiert sich weiter, als wenn alle dasselbe
behaupten.
Wenn es aber ,wie in Österreich, auch für Heimschüler zentrale Prüfungen am Ende des Schuljahres gibt sind die Eltern ja verpflichtet ihren Kindern zentrale Lehren nach dem Lehrplan bezubringen oder?
Folglich müssten sie dem Kind erst das eine beibringen um ihm das später wieder auszureden...
Ich denke durch solche Prüfungen ist man schon gegen solche Irrlehren abgesichert
Ich selber wäre aber eher ungern von meiner Mutter unterrichtet worden, wenn ich so darüber nachdenke...
okkasionalsozialist sagte:
...
zentralistische bildungsorganisation erhöht also das risiko totalitärer entwicklungen in einem staatswesen, ihr fehlen gehört zu den wichtigsten hindernissen für den totalitarismus.
....
*Aha*
Dann hätten wir auch kein ADHS mehr...
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31.08.2011 - 10:56 Uhr
JoergAuch
In Österreich machen sie es ja anscheinend so, dass man trotz Homeschooling am Schuljahresende Prüfungen an einer öffentlichen Schule ablegen muss. Die lernen auch zu Hause mehr oder weniger nach dem offiziellen Lehrplan. Allerdings hindert die sicher niemand daran, zusätzlich was Anderes zu unterrichten, z. B. Schöpfung vs. Evolution.