25.08.2011 - 18:30 Uhr

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Was ist cool?

Text: gianna-carina-gruen - Foto: Mr. Nico / photocase.com

In unserer Serie fragen wir Wissenschaftler nach Zusammenhängen, die wir nicht verstehen. Heute geht es um die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes, das mittlerweile für alles und jeden benutzt wird.

Die Frage:
Was ist Coolness und warum gilt "cool sein" als cool?  

Die Antwort...
suchen wir bei Ulla Haselstein und Anette Geiger. Haselstein ist Amerikanistin und Historikerin an der FU Berlin und beschäftigt sich mit der Entwicklung des Coolness-Begriffs in der amerikanischen Geschichte. Geiger ist Kultur- und Kommunikationswissenschaftlerin an der Hochschule für Künste in Bremen und ist Co-Autorin eines Buches zum Thema Coolness.  



„Man kann gar nicht cool sein“, stellt Ulla Haselstein klar. „Man kann nur von anderen als cool bewertet werden.“ Das Leben sei wie ein Theater, bei dem wir uns Ausstattung und Verhaltensweisen aneignen, die unsere Mitmenschen wie ein Publikum beurteilen. „Wenn wir heute sagen, dass etwas cool ist, dann drücken wir damit also Bewunderung aus.“

Aber was genau bedeutet das Wort „cool“ eigentlich? Um das zu klären, untersucht die Amerikanistin in ihrer Forschung, wie der Begriff überhaupt entstanden ist. Ursprünglich geht der Begriff auf die Sklaverei in den USA zurück, als die Schwarzen von den Weißen unterdrückt wurden. „Sie hatten keine Möglichkeit sich zu wehren“, sagt Haselstein. „Sie waren cool, weil sie cool bleiben mussten. Hier ist das Wort noch im Sinne von ‚einen kühlen Kopf bewahren’ gemeint.“ Damals stand der Begriff Coolness noch dafür, seine Gefühle nicht zu zeigen und sich zusammenzureißen. Die Beat-Generation hat diese Haltung in den 50er Jahren imitiert und ausgebaut: sich nichts anmerken zu lassen und dadurch überlegen zu wirken. „Sie waren cool, weil sie so distanziert waren. Alles, was die Gesellschaft ihnen angeboten hat, hat sie nicht interessiert.“

Dass diese Art des Nicht-Angepasst-Seins auf junge Menschen attraktiv wirkt, entdeckte irgendwann die Werbeindustrie für sich, sagt Haselstein: „Man hat gemerkt, dass sich viele junge Menschen mit so einer Anti-Haltung identifizieren können.“ Wer sich anpasst, ist langweilig. Cool sind die, die sich nicht anpassen. Allerdings gebe es heute keine so starken Autoritäten mehr, an denen man sich orientieren oder gegen die man rebellieren könnte.

Coolness im Sinne des Verbergens von Gefühlen sei trotzdem noch wichtig, glaubt Haselstein. „Nur äußert sich das heute anders. Zum Beispiel in der U-Bahn, wo wir unsere Mitmenschen ununterbrochen beobachten, sie aber nicht mit dem konfrontieren, was wir über sie denken. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie jemand in der U-Bahn auf den Boden spuckt, finde ich das nicht gut. Aber ich behalte meine Gedanken für mich, um keinen Streit zu provozieren.“ Man kontrolliert sich und lässt seinen Gedanken und Emotionen nicht einfach freien Lauf. Damit ähnelt Coolness heute eher dem Konzept der ursprünglichen Coolness der schwarzen Sklaven.

Anette Geiger hat da eine andere These: Sie glaubt, das diese Form von Coolness heute out ist. „In den 60ern wollten die 20-Jährigen in den New Yorker Jazz-Clubs cool sein. Die 20-Jährigen heute beschäftigen sich mit anderen Fragen, als damit, wie sie möglichst cool sein können.“ Ganz verschwunden ist die ursprüngliche Coolness aber auch heute nicht. Sie habe sich einfach nur verjüngt, sagt Geiger: „8 bis 12-Jährige wollen noch cool sein. Sie haben noch mehr Punkte, bei denen sie gegen ihre Eltern rebellieren können.“

In der Punk- und Rockerzeit wollten auch die Jugendlichen noch cool sein, um sich durch vermeintliche Gleichgültigkeit und Rebellion der Kontrolle ihrer Eltern zu entziehen, die zumindest noch mehr finanzielle Macht hatten als sie selbst. 
„In den Neunzigern und Zweitausendern hat sich das aber verändert“, sagt Anette Geiger. „Die Jugend ist heute so frei, dass es ihr fast schon unheimlich ist.“ Die Frage, wie man sich selbst verwirklichen kann, beschäftige die jungen Erwachsenen heute. „Dabei hilft cool sein überhaupt nicht“, glaubt Geiger, „denn es gibt nichts mehr, wogegen man rebellieren kann – man hat einfach kaum Einschränkungen.“

Nach Frau Geigers Theorie ist Coolness heute also nur noch ein Modebegriff, der bei 8- bis 12-Jährigen noch "in" ist. Ansonsten ist es einfach ein beliebiges Wort geworden, das wir
für vieles verwenden, das uns gefällt.


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trachtenjankerl
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Mag ich Mag ich nicht

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25.08.2011 - 19:43 Uhr
trachtenjankerl

na, wohl eher 8 bis 18-jährige, oder?

Henriettesbimmelbahn
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Mag ich Mag ich nicht

0

25.08.2011 - 21:48 Uhr
Henriettesbimmelbahn

"Nach Frau Geigers Theorie ist Coolness heute also nur noch ein Modebegriff, der bei 8- bis 12-Jährigen noch "in" ist. Ansonsten ist es einfach ein beliebiges Wort geworden, das wir
für vieles verwenden, das uns gefällt."

glaube ich nicht. Vielmehr ist das cool immer einen Schritt weiter. Und daher immer da, wo die Frau Geigers dieser Welt gerade nicht sind, und auch nie ankommen werden. Das ist ja gerade das Interessante daran: Waehrend andere Zuschreibungen wie etwa "dufte" oder "knorke" so schnell in der Versenkung verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, waehrend Jugendslang und Sprache global, und wie sagt man da "diaphasisch" variieren, ist das cool ueberall dort vertreten und dennoch nicht greifbar. Der Benutzer kann es fuer die falschen, moeglicherweise wenig laessigen Dinge, wie etwa Ed Hardy verwenden, er diskreditiert sich damit maximal selbst. Dem cool koennen diese Zuschreibungen merkwuerdigerweise seit Jahrzenten nichts anhaben.

Ps: "Frau" Geiger klingt irgendwie so nach Lehrerin. War das beabsichtigt? Wuerde man nicht eigentlich ihren Vornamen voranstellen?

2differ
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Mag ich Mag ich nicht

1

25.08.2011 - 23:01 Uhr
2differ

Cool ist nichts anderes als jene Haltung, die eigene Werte auch gegen gesellschaftliche Konvention und sozialen Druck lebt.
Das findet in jedem sozialen Milieu einen anderen Ausdruck, die Haltung bleibt aber dieselbe: kritisches Hinterfragen des Angebotenen, auch der Rollen; eine eigene Meinung finden, die man auch begründen kann; gegen Widerstände und opportunistische Vorteilserlangung sein "eigenes Ding" "durchziehen".

Aber "cool" ist da nur die Grundform; die Steigerung, wer diese Haltung mit einer gewissen Gelassenheit und Souveränität zu leben versteht, ist "lässig".
Und naturellement kann da nur der Superlativ "zuverlässig" sein: die höchste Form von souveräner und autonomer Lebensgestaltung in einer Welt voller Unverbindlichkeit.

clnet
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Mag ich Mag ich nicht

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25.08.2011 - 23:38 Uhr
clnet

Den Text verstehe ich leider nicht so recht. Mir scheinen da zu viele Aspekte wahllos durcheinandergequirlt. Zum Beispiel ist davon die Rede, dass in den 50er Jahren „cool“ war, wer „distanziert“ war. Ein paar Zeilen später wird „Coolness“ dann mit Rebellion gegen Autoritäten gleichgesetzt. Aus meiner Sicht schließt sich das aus. Keiner rebelliert gegen etwas, das ihn nicht interessiert.

@Henriettesbimmelbahn stimme ich darin zu, dass „Coolness“ – sprich: das, was ich dafür halte – etwas zeitloses ist. Für mich gehört zur „Coolness“ auch eine gewisse Ignoranz gegen ständig wechselnde Modeströmungen und dem was gerade „in“ ist.
Die wenigsten Menschen besitzen die Willensstärke und das Selbstbewusstsein dafür und deshalb bleibt Coolness wohl immer etwas exklusives.

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25.08.2011 - 23:47 Uhr
clnet

Dieses inhaltsleere Photo dazu hätte man weglassen sollen. Nur damit da irgendetwas buntes auf der Homepage ist. Schwarzer Text auf weißem Grund, „schert euch zum Teufel, Surfer, die ihr bloß Zuckerguss für’s Auge sucht“.
Das wäre „cool“ gewesen.

majia
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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2011 - 08:23 Uhr
majia

clnet sagte:
Dieses inhaltsleere Photo dazu hätte man weglassen sollen. Nur damit da irgendetwas buntes auf der Homepage ist. Schwarzer Text auf weißem Grund, „schert euch zum Teufel, Surfer, die ihr bloß Zuckerguss für’s Auge sucht“.
Das wäre „cool“ gewesen.



ach so! ahahaha...ich dachte, dass ist aber ein junger wissenschaftler, den man zum begriff coolness befragt! ich hätte das foto niemals als bildgewordene coolheit verstanden...mitunter, da der typ auch eher aussieht, als würde ihm irgendwas quer sitzen!

Henriettesbimmelbahn
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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2011 - 11:05 Uhr
Henriettesbimmelbahn

@2differ: Du machst es Dir da ein Bisschen einfach. Das Wesen des cools hat ja genau nichts damit zu tun, was Du persoehnlich, im Jahre 2011 am Ort x dafuer haeltst. Oder so sehe ich das zumindest.
Weitere Anmerkung: Zu diesen Dingen bitte in Zukunft etwa Diedrich Diederichsen befragen, und nicht irgendeine dahergelaufene Anglistin.
Lese gerade einen Text aus den Neunzigerjahren (also eindeutig vor meiner Zeit) der sich zwar mit dem Wesen des cool auf eindeutig tiefgruendigere und eloquentere Art und Weise befasst, (-> da von zwei renommierten Musikjournalisten verfasst), aber letztlich, und das ist das Interessante zu dem gleichen Schluss kommt, wie dieser Text hier: Das cool wird unweigerlich irgendwann mal aussterben.
So oder so bleibt das cool eines der interessantesten sprachlichen Phaenomene die mir je begegnet sind.

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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2011 - 11:10 Uhr
Henriettesbimmelbahn

clnet sagte:
@Henriettesbimmelbahn stimme ich darin zu, dass „Coolness“ – sprich: das, was ich dafür halte – etwas zeitloses ist. Für mich gehört zur „Coolness“ auch eine gewisse Ignoranz gegen ständig wechselnde Modeströmungen und dem was gerade „in“ ist.
Die wenigsten Menschen besitzen die Willensstärke und das Selbstbewusstsein dafür und deshalb bleibt Coolness wohl immer etwas exklusives.


@zeitlos: Wobei, hier muss ich mich revidieren, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann genau das cool im deutschen Sprachraum angekommen ist. Allzulange kann es aber nicht her sein, denn ich erinnere mich, dass unsere Eltern das cool als komisch empfunden haben. Bei meiner Mutter hoert es sich bis heute gestelzt an, wenn sie cool sagt

coolfire
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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2011 - 13:01 Uhr
coolfire

Na als jemand, der die Coolness nicht nur im Namen trägt muss ich ja dazu Stellung nehmen:
Während früher "cool" mit Passivität und einer gewissen Grundwurschtigkeit in Verbindung gebracht wurde, ist heute Aktiv sein angesagt. Es reicht nicht mehr mit Sonnenbrille lässig an den Tischtennisplatten im Park zu lehnen und hie und da mal einen geklauten Spruch abzugeben. Heute ist eine gewisse autodidaktische Art gefragt, die es einem ermöglicht sämtliche Herausforderungen lässig anzugehen, locker zu meistern und dabei auch noch gut auszusehen. Cool eben.

Was geblieben ist, sind gewisse Charaktereigenschaften und Rampensauqualitäten, die man mitbringen muss - das Fonzie-Gen.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2011 - 14:24 Uhr
octopussy

@coolfire: nee also Passivität und Grundwurschtigkeit habe ich noch nie mit cool assoziiert. Also nur lässi rumstehen mit Sonnenbrille war in meinem Umfeld noch nie cool, sondern wurde gleich als Poser geoutet :)
Cool, so wie ich es war und bin, heisst: souverän auftreten, sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen, eine Portion Mut haben, gelassen sein, aber trotzdem clever und hellwach.
Der Coole trägt seine Meinung nicht nach außen. Er reagiert sicher mehr und wirkt durch Reaktion und Ausstrahlung. Das würde ich aber nicht mit Passivität gleichsetzen.

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