Rap Review Rendezvous .Wir hören neue Platten mit Flipstar (Creutzfeld & Jakob)
Einmal im Monat plaudert jetzt.de mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Flipstar (Creutzfeld & Jakob) über die Neuerscheinungen von Samy Deluxe, Sepalot, Basstard und Tech N9ne sowie die Early Rappers-Compilation.

Flipstar von Creutzfeld & Jakob besitzt nach wie vor eine Stimme, auf die man in der Szene hört. Zwar ist das C&J-Erstlingswerk „Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag“ bereits elf Jahre alt, von seiner Faszination und Durchschlagskraft hat es jedoch bis heute nichts eingebüßt. Die Platte gilt nach wie vor als Meilenstein für druckvollen Ruhrpott-Rap mit „Style, Power und Flow“. Die letzte C&J-Veröffentlichung liegt auch schon acht Jahre zurück, live sind Lakman und Flipstar jedoch nach wie vor unterwegs. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Flipstar als Mitgründer von Selfmade Records einen erheblichen Anteil an den Karrieren von Kollegah, Favorite und Casper besitzt.
Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und:
Samy Deluxe - "SchwarzWeiss"

Was hältst du von dem Album?
Ich hab Samy vor kurzem mal wieder getroffen. Wir hatten einen gemeinsamen Auftritt, bei dem er bereits viel von dem neuen Material gespielt hat – und live hat mir das gut gefallen. Er probiert mittlerweile sehr viel aus, vermutlich um sich selbst nicht zu langweilen, aber mir persönlich gefallen die Tracks am besten, die mich an seine frühen Sachen erinnern; seine geradlinigen Raps, für die ich ihn immer schon geschätzt habe. Seine Gesangspassagen erreichen mich hingegen nicht so sehr.
Wie beurteilst du auf der Platte den Kontrast zwischen HipHop-Attitüde und Pop-Appeal?
Ich weiß gar nicht, ob ich das wirklich Pop-Appeal nennen würde. Natürlich merkt man, dass Samy sein Spektrum erweitern wollte, aber man hört durchaus auch seine raptechnische Basis; er beherrscht sein Handwerk nach wie vor. Dieses HipHop-Ding ist einfach in ihm drin und dieser Aspekt des Albums ist auch näher an mir dran.
http://www.tape.tv/musikvideos/Samy-Deluxe/Haende-hoch
Ist Samy für dich denn nach wie vor das „Rapgenie“, wie er sich auf seinem Album selbst bezeichnet? Welches Standing hat Samy Deluxe für dich in der deutschen HipHop-Szene im Jahr 2011?
Er hat in Sachen Rap hierzulande vieles geprägt, was in den letzten Jahren entstanden ist. Als er damals mit „Pures Gift“ rauskam, hat er deutschen Rap auf ein vollkommen neues Level gebracht. Diesen Aspekt des Neuen hat er heute natürlich nicht mehr. Es gibt bestimmte Flows und Reimschemata, die er damals entwickelt hat, die man von ihm mittlerweile kennt, für die man ihn aber auch schätzt. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich mir daher einfach ein straightes Oldschool-Album von ihm gewünscht.
Samy hat die Album-Veröffentlichung zu einer Art Gesamtkunstwerk gemacht, indem er den Albumtitel „SchwarzWeiss“ auch in Form von Fotografien, Graffiti, Computergrafiken und Videos verarbeitet hat. Was hältst du von diesem Ansatz? Er sucht verschiedene Kanäle, um sich auszuleben und Neues für sich zu entdecken. Er ist eben ein Vollblutkünstler und versucht, seine Kreativität auf den unterschiedlichsten Ebenen ausdrücken – das finde ich schon erstrebenswert.

Für viele Leute gilt Tech N9ne derzeit als einer der besten Rapper. Wie ordnest du ihn raptechnisch ein?
Technisch ist der auf jeden Fall sehr gut, das ist sehr anspruchsvoll; meinen Geschmack trifft das aber nicht. Der hat sich ja auch so eine künstliche Realität erschaffen, mit der ich leider nicht viel anfangen kann. Mich haben immer schon mehr die Geschichten des einfachen Mannes interessiert.
Der Sound des Albums ist recht elektronisch ausgefallen. Entspricht das deinem Geschmack?
Nein. Wenn es auf der Platte in Richtung Garage oder 2Step geht, dann finde ich das zwar ganz interessant, aber der Newschool-Ami-Sound, den ja auch Eminem auf seinem neuen Album fährt, der gefällt mir nicht. Mit diesen ganzen hartdigital komprimierten Sounds kann ich nicht viel anfangen.
Auf dem Song „If I could“ hat Tech N9ne sich mit zwei Bandmitgliedern der Deftones zusammengetan. Was hältst du von solchen Crossover-Geschichten? Tech N9ne hat auch noch ein anderes Projekt, mit dem er die Rock-Szene erobern will – das hatte er zumindest kürzlich irgendwo angekündigt. Ich habe prinzipiell nichts gegen solche Experimente, finde das gut und bin kein Fundamentalist, der der Meinung ist, dass HipHop immer gleich klingen muss. Insofern geht das schon in Ordnung für mich.
Auf dem Album sind große Namen wie Snoop Dogg, Busta Rhymes, Lil Wayne, T-Pain und Twista vertreten. Wenn man so viele namhafte Leute auf seine Platte packt, besteht schnell die Gefahr, dass die einem die Show stehlen. Wie ist das auf dieser Platte?
Ach, technisch ist Tech N9ne so gut, dass es für jeden anderen Rapper schwer ist, ihn da auszustechen. Der ist ja auch sehr erfolgreich damit, die Platte ist in den USA auf Platz 4 gechartet. Ich finde es echt faszinierend, wie diese beständige Arbeit seines Labels konsequent fortgeführt wird und finde es respektabel, wenn das am Ende solche Früchte trägt.
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