Schiebst du Wale ins Meer?
Jeder ist dafür, die Umwelt zu schützen - trotzdem sind viele überrascht, wenn mal ein echter Aktivist vor ihnen steht, schreibt Sabine Teryngel, Schülerpraktikantin bei jetzt.de. Ein Erfahrungsbericht
Ich bin bei Greenpeace. Genauer gesagt in der Jugendgruppe meiner Stadt. Immer wenn ich irgendwohin komme und Leute mich über meine Freizeitaktivitäten ausfragen, erzähle ich von meinem Engagement. Es ist ja eigentlich auch eine gute Sache. Ich setze mich aktiv für den Umweltschutz ein. Doch die Reaktion der Anderen ist immer dieselbe. Eine hochgezogene Augenbraue, ein fragender Blick und dann die Frage: „Schiebst du Wale zurück ins Meer?“Es so eine Art „Kluft“ entstanden. Einerseits will jeder jetzt ganz „öko“ sein. Man spart Strom oder wechselt den Anbieter, damit der Strom „grün“ ist. Man trennt den Müll, wählt die Grünen und fährt Fahrrad. Außerdem spendet man Geld an Umweltschutzorganisationen. Hin und wieder sieht man dann im Fernsehen durchaus interessiert einen Beitrag, in dem sich Aktivisten zu einem Umweltthema zu Wort melden, eine Einschätzung abgeben. Oder man sieht, wie sie am Kühlturm eines Atomkraftwerks ein Transparent entrollen. Dabei ist das nur die eine Seite des Engagements. Es gibt ja nicht nur diese Aktivisten. Es gibt auch die Menschen, die sich in ihrer Freizeit engagieren und ganz harmlos auf die Straße gehen, um zu informieren oder demonstrieren. Zu denen gehöre ich. Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mal erkläre, was "Freizeitaktivisten" wie ich so machen:
1. Schiebst du Wale zurück ins Meer?
Nein. Denn dafür bin ich noch zu jung. Nicht, dass es nicht interessant wäre. Aber das ist Sache der Aktivisten, die man im Fernsehen sieht. Ich engagiere mich auf Flashmobs, die wir selbst organisieren. Oder an Ständen, an denen wir Unterschriften sammeln. Oder auf Demos, auf denen wir mit verschiedenen Aktionen vertreten sind, in Zusammenarbeit mit vielen anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland. Auch da organisieren wir die verschiedensten Aktionen. Zum Beispiel waren wir auf der Zugspitze, um das Zeitalter der Erneuerbaren Energien auszurufen. Das ist jetzt noch nicht die Liga der Abseil-Aktivisten, aber auch sehr spannend.

2. Umarmst du morgens Bäume?
Leider ist dieses Vorurteil weit verbreitet. Ich kann getrost sagen, dass ich noch nie einen Baum umarmt habe.
3. Bist du gegen die technische Modernisierung?
Man glaubt es kaum, aber Viele fragen mich immer wieder, ob ich, wenn ich schon bei Greenpeace sei, nicht auch gegen die technische Modernisierung sein müsse. Ob ich das Internet meide und auch sonst abgeschottet von der Außenwelt lebe, fragen sie dann. Ich glaube, die einzigen Menschen auf dieser Welt, die noch ohne Internet leben, sind ein paar wenige Menschen im Urwald. Außerdem ist einer der wichtigsten Bestandteile einer NGO die Pressearbeit. Wie sollte die ohne Internet und Fernsehen funktionieren? Außerdem muss man ja über die Nachrichten informiert sein, wenn man sich schon für die Welt einsetzt.
4. Bist du ein Hippie?
Das ist das wohl häufigste Klischee. Aber, nein, ich bin kein Hippie. Ich kenne auch keinen Hippie. Die Lebensrichtung „Hippie“ war in den 60er Jahren beliebt, jedoch nicht mehr heutzutage. Die Menschen, die ich mit Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen verbinde, sind einfach Menschen, die ihr Leben so leben wie sie möchten und die ihren eigenen individuellen Stil entwickelt haben und versuchen, wirklich etwas zu verändern auf dieser Welt.
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Ich engagiere mich auf Flashmobs, die wir selbst organisieren.
Ich weigere mich mini-demos die durch Organisationen organisiert werden als Flashmobs zu sehen.
Das Konzept des Flasmobs lebt davon dass Individuen als Individuen sich zusammenschliessen und dadurch als Masse sichtbar werden, ohne organisiert zu sein.
Von Greenpeace organisierte mini-demos als flashmobs zu bezeichnen ist so als wenn man lonlygirl15 als authentischen user-erzeugten Inhalt betrachtet.
Einerseits will jeder jetzt ganz „öko“ sein. Man spart Strom oder wechselt den Anbieter, damit der Strom „grün“ ist. Man trennt den Müll, wählt die Grünen und fährt Fahrrad.
tatsächlich. ich erlebe das ganz anders. müll trennen ist schon zuviel des guten - "wird doch eh wieder alles zusammen geschmissen", jeder meter wird mit dem auto gefahren, stand-by wohin man schaut, ökostrom? was?, bio-produkte - "ist doch alles das gleiche", selbst wenn ich sage, dass es nicht in ordnung ist, benzin im gulli zu entsorgen, ernte ich nur ein schulterzucker. "was, du hast noch nie bei mcdonalds gegessen?" - kopfschütteln. die grünen wählen?! was für ein witz.
unbequem darfs auf gar keinen fall sein. es gab schon mal "grünere" zeiten, finde ich.
drolli sagte:
lonlygirl15
Alter, das ist soooo 2008...
Überhaupt - Purcell und Du, ihr sollt euch was schämen! Die Herren Doctores, die über den jugendlichen Eifer der Schülerpraktikantin spotten... pfui. Da hat sie sich auch noch extra seriös-engagiert mit SZ (Politikteil!) und anti-Atomkraft-Button am Barett (Militanzpotenial!) ablichten lassen, und ihr. seid. so. gemein.
alces sagte:
...
Alter, das ist soooo 2008...
Überhaupt - Purcell und Du, ihr sollt euch was schämen! Die Herren Doctores, die über den jugendlichen Eifer der Schülerpraktikantin spotten... pfui. Da hat sie sich auch noch extra seriös-engagiert mit SZ (Politikteil!) und anti-Atomkraft-Button am Barett (Militanzpotenial!) ablichten lassen, und ihr. seid. so. gemein.
Das richtete sich weniger gegen die Praktikantin als mehr gegen Greenpeace. Und dass ich etwas zitiert habe was sooo 2008 war war schon Absicht. Die Penetranz mit der alle moeglichen Organisationen "Flashmobben" wollen um cool zu sein erinnert mich an die regelmaessigen Versuche des CVJM der aktuellen Jugendkultur hinterherzuhecheln.
uebrigens ist das Klischee davon dass die Leute denken dass Greenpeace Treehugger waeren auch ein Klischee. Meiner Erfahrung nach wird Greenpeace eher als etwas spiessig gesehen, und das vor allem bei anderen Politisch engagierten oder Aktivisten.
Die Welt dreht sich seit dem Anbruch des Internetzeitalter schneller und schneller und ........ Schön das es junge Leute gibt wie dich, die nicht "extrem und verbohrt" sind und nur auf Umweltschutz pochen, alles muss, kann und wird nicht nur Grün und Öko sein. Die Zukunft wird es uns allen zeigen.
drolli sagte:
Das Konzept des Flasmobs lebt davon dass Individuen als Individuen sich zusammenschliessen und dadurch als Masse sichtbar werden, ohne organisiert zu sein.
"Ja. Wir-sind-alle-Individuen!"-"Ich nicht!"
Schöner Selbstbetrug. Natürlich sind Menschen in dem Moment, wo sie einem zentralen Aufruf folgen, schon organisiert, auch wenn sie es nicht gerne hören. Ob man das dann Demo oder Flashmob nennt, ist allenfalls noch eine Frage des Anliegens.
24.08.2011 - 11:11 Uhr
eisengrau
FrolleinMila sagte:
ich hab das Gefühl bei Greepeace zu sein ist grad auch ganz groß in Mode...
Das war vor 25 Jahren. Heute ist es in Mode, gegen die zu sein, die bei Greeenpeace sind.
Ich hab auch das G-Wort noch gar nicht gelesen, wo ist es denn? Der Artikel ist schon seit einem halben Tag online.
eisengrau sagte:
Das war vor 25 Jahren. Heute ist es in Mode, gegen die zu sein, die bei Greeenpeace sind.
Ob es Mode ist oder nicht, möchte ich jetzt nicht beurteilen, allerdings ist es schon ein Fakt, das Greenpeace es mit der Wahrheit nicht immer allzu genau nimmt. Siehe die Ölbohrplattform Brent Spar.
Das Problem ist m. E. eher, dass hier mittlerweile eine große Lobby herrscht, die nicht sehr objektiv ist. Stichwort Treibhauseffekt, der wissenschaftlich nicht belegbar ist.
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23.08.2011 - 18:44 Uhr
Purcell
Gemeinläufig: "Hippie"