Jungs, was soll das Gesprächsbattle?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.

Beginnen wir mit einem Kompliment: Jungs, ihr – zumindest ein Großteil von euch – schafft es immer wieder, eigentlich nur mittelmäßig spannende Kneipenrunden, Konferenzen oder das Kaffeekränzchen zu Ommas Geburtstag zu einer vergnüglichen Zusammenkunft zu machen. Megamerci dafür.
Voraussetzung für eure Belustigungshöchstleistungen scheint zu sein, dass ihr mindestens zu zweit seid, obwohl sich unter euch auch mehr oder minder begabte Alleinunterhalter tummeln. Dennoch, das volle Gagpotential entfaltet ihr erst im Team.In praktisch jeder gemischgeschlechtlichen Sozialkonstellation läuft es nach folgendem Prinzip ab: Irgendwann, mitten in einer öden Konversation, reißt Junge A einen Witz, womöglich bloß, weil ihm gerade einer eingefallen ist. Egal, wie gelungen der Jux ist, die Reaktion ist überwältigend: Allgemeines Grinsen und Dankbarkeit, alle wieder wach und volle Aufmerksamkeit für den Scherzkeks.
Das fordert Junge B heraus, noch einen draufzusetzen. Das Publikum reagiert erneut positiv. Woraufhin Junge C es sich nun wirklich nicht nehmen lassen kann, auch noch mitzumischen. Und so reiht sich eine lustige Bemerkung an die nächste. Ihr scheint euch gegenseitig zu humorigen Höchstleistungen anzustacheln.
Das Ganze ist auch in der Schlauberger-Variante zu beobachten: Hat Junge A etwas ziemlich Kluges über die Finanzkrise gesagt, bemühen sich B bis Zett, ihn mit tiefgründigen Einsichten oder steilen Thesen zu übertrumpfen. Oder wenigstens einem Spitzengag, wenn klar ist, dass ihr euch auf dem Gelände von Bonitätsratings und Rettungsschirmen nicht so sicher bewegt wie A.Die anwesende Damenwelt lauscht und amüsiert sich, falls eure Scherze gut sind. Oft sind sie das. An eurem Witzewettkampf nehmen wir allerdings nicht teil.
So schnell, wie ihr immer noch eine Pointe aus dem Ärmel schüttelt: Auch weiblichen Wesen, denen eine gewisse Schlagfertigkeit nachgesagt wird, fühlen sich von eurer Gagfrequenz überfordert.Dabei war das mit 15 auf dem Pausenhof noch ganz anders. Während wir Mädels uns damals laut giggelnd über die Party vom Wochenende oder die unmöglichen Klamotten unserer Lehrer ausließen und versuchten, uns gegenseitig mit unseren Sprüchen zu überbieten, kicher, kreisch, standet ihr daneben, habt euch in eure Kapuzenpullis vergraben und schient nicht so richtig zu wissen, was ihr von der aufgekratzten Fräuleinrunde halten sollt, ob ihr genervt, ob ihr eher angetan, oder, so wie wir heute umgekehrt oft, dankbar sein solltet, dass wir den Belustigungsjob übernommen haben. Irgendwann in der Postpubertät ist die Animateursrolle unbemerkt von uns zu euch rübergewandert.
Sagt mal, Jungs, übt ihr eure Gesprächsbattle an exklusiven Männerabenden, so dass wir uns nicht minder begabt fühlen müssen, sondern einfach nur vergleichsweise schlechter trainiert? – schließlich wird in Frauenrunden ja nicht gebattlet, sondern hauptsächlich Gefühlskram besprochen. Oder versucht ihr euch nur bei weiblicher Anwesenheit gegenseitig zu übertrumpfen – ist das also eine Art Balzstrategie? Oder womöglich einfach die Freude am humorigen und intellektuellen Kräftemessen? Wie ihr ja auch sonst gern allem das Wettkampfprinzip überstülpt? Würdet ihr euch eigentlich wünschen, dass wir da auch mal mitmischen, Jungs? Und imponieren euch die raren Exemplare Mädchen, die es wagen, oder seid ihr eher genervt, dass sie sich auf euer Territorium begeben? Jungs, erklärt uns doch bitte mal das Gesprächsbattle!
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