07.08.2011 - 20:08 Uhr

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Das Ende der Zinsen ?

Text: Digital_Data

Zinsen sind für Leute die Geld haben zunächst eine schöne Sache. Man hat Geld, legt dieses Geld an, bekommt Zinsen und verdient so noch mehr Geld ohne groß zu arbeiten. Noch heftiger wird dies durch den Zinseszins-Effekt. Da die Zinsen wieder verzinst werden ist dieser Effekt exponential.

Ein Beispiel: Verzinst man 100 Euro nur zu 3 % so werden in 24 Jahren 203,28 Euro daraus, man hat also das Geld verdoppelt. Verzinst man nun mit 4 % so werden aus den 100 Euro schon 256,30 Euro oder man verdoppelt in 18 Jahren. Bei 5 % werden in 24 Jahren 322,51 Euro daraus, also mehr als das dreifache, oder man braucht nur noch 15 Jahre bis zur Verdoppelung.

Klar dass man so viel Zinsen wie möglich erhalten will. Einziges Problem an der Sache ist, man muss das Geld ja irgendwie anlegen und das wird immer mehr zu einem Problem. Daraus entsteht Hunger nach Wachstum. Das wird in der Rezession zum Problem. Das Geld, dass sich trotzdem weiter vermehrt, weiß nicht wohin.

Einige Beispiele für diesen Effekt:

  • Gold wird immer teurer
  • Die Immobilienblase
  • die horrenden Staatsverschuldungen
  • Spekulation in Rohstoffe (Öl, Weizen, etc.) und damit steigende Preise

    Nehmen wir mal Gold. Der Goldpreis stieg in den letzten 6 Monaten von 1000 Euro auf 1150 Euro. Wer also diese Menge Gold vor sechs Monaten gekauft hatte, hat heute 150 Euro mehr. Er könnte also mehr "Anderes" kaufen, es gibt nur nicht mehr. Was macht er also mit dem Geld ?

    Ähnlich ist es mit der Staatsverschuldung. Die Wirtschaftskraft, also das Bruttoinlandsprodukt, kommt mit der Schuldenaufnahmen nicht mit. Die aufgenommenen Schulden sind ja die Gelegenheit für Anleger ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Die meisten Länder kratzen irgendwo bei 100 % Schulden vom BIP und kommen damit in die Region wo sie nicht mehr kreditwürdig sind.

    Diese fehlende Kreditwürdigkeit hat zwei mögliche Szenarien. Erstens das Land bekommt kein weiteres Geld, dann steuert es in eine Rezession, da es sparen muss, aber wo sollen dann die Anleger mit ihrem Geld hin. Das Land finanziert sich zu höheren Zinsen, doch dadurch vermehrt sich das Geld noch mehr und die Probleme verschärfen sich noch mehr. Beides hat ein Resultat zur Folge, es ist mehr Geld da als Anlegemöglichkeiten und das hat in einer Marktwirtschaft, die auf Angebot und Nachfrage fußt, steigende Preise und damit Inflation zur Folge. Aber diesmal weltweit.

    Der Euro-Stabilitätspakt sagt ja, die Länder sollen nicht mehr als 3 % des BIP an neuen Schulden aufnehmen. Dann müsste man dies aber mit der Regel koppeln, dass es für Anlagen auch nicht mehr als 3 % Zinsen gibt, sonst steigt die Geldmenge schneller als die Verschuldung und damit wird es für Anleger mit jedem Jahr schwieriger neue Anlageplätze zu finden.

    Ich denke wir erreichen allmählich einen Punkt an dem so viel Geld vorhanden ist, dass die Anleger keine vernünftigen Möglichkeiten mehr finden ihr Geld anzulegen. Und das eigentliche Geld ist ja nur bedrucktes Papier, es wird längst nicht mehr durch Werte repräsentiert, wie früher durch Gold (siehe Goldstandard) , sondern eben nur noch durch Vertrauen. Das macht die Anleger nervös. Sie wollen ihr Geld gerne anlegen, nicht dass sie plötzlich nur noch wertloses buntes Papier in Händen haben, aber sichere und vernünftige Anlagen werden weniger.

    Würden also die USA tatsächlich kräftig sparen und keine neuen Schulden aufnehmen müssen, dann wüssten die Anleger nicht wohin mit ihrem neuen Geld. Mit jedem Land, dass aber als nicht kreditwürdig eingestuft wird, verschärft sich dieses Problem auch. Das Zinseszins-Modell erreicht seine Sättigung bzw. fängt an langsam zu übersäuern. Die Folge kann nur ein globaler Wirtschaftscrash sein. Auch die Flucht in Sachwerte wird dabei nicht viel helfen. Denn Gold ist wegen hoher Nachfrage so teuer und die entsteht weil viel Geld vorhanden ist. Eine Inflation entwertet das Geld, das Geld wird also nominal weniger, aber weniger Geld, weniger Nachfrage, niedrigerer Goldpreis. Man verliert also auch, wenn man in Sachwerte flieht.

    Die Flucht in Sachwerte funktioniert nur, wenn das Problem räumlich begrenzt ist. Die räumliche Begrenzung scheint aber aufgehoben. Die größten Währungen Dollar, Euro und Yen pumpen gewaltig. Franken und auch die chinesische Währung sind in der Menge viel zu gering. Aber die Flucht in diese Währungen wird nun auch schon zum Problem. Der hohe Kurs des Schweizer Franken sorgt bereits für mächtige Probleme.

    Das Problem ist nun, dass die Mächtigen, dass sind die mit dem Geld, den Zins nicht aufgeben wollen. Das Modell ist zu einträglich. Ich halte den Zins für eines der größten Probleme der Marktwirtschaft. Man wird also dieses System aufrecht erhalten wollen, solange es geht. Der folgende Crash wird alles verzehrend, bietet aber dann die Chance zu einem vernünftigeren System zu kommen, dass nicht auf regelmäßigen Kollaps ausgelegt ist. Und der regelmäßige Kollaps liegt zunächst nicht an der Marktwirtschaft selbst, sondern an den Zinsen. Die Frage wird sein, ob die Mächtigen, also die mit dem Geld, den Neustart ohne Zinsen zulassen.

    Aufgrund von Demokratie und verfügbarem Wissen (auch über das Internet) scheint ein Wandel möglich. Hoffen wir das beste, auf jeden Fall ist die derzeitige Situation super spannend, besonders wenn man weiß worum es eigentlich wirklich geht.

    Digital_Data



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