Malte hat die Faxen dicke - Bärchenwurst
„Wo bist du?“. „Auf dem Weg zum Frisör. Wieso?“. „Tobse fragt, ob wir uns später noch im Nix treffen.“ „Im was?“. Malte war sich nicht sicher, ob er richtig verstanden hatte. „Im Nix.“ „Was ist denn das Nix?“. „Na, die Bar, in der wir uns immer mit Tobse treffen.“ „Seit wann hat die denn nen Namen? Und wieso Nix? Schon n bisschen bescheuert, oder?“. Flo seufzte. „Ja, gab wohl nen Wettbewerb, wo man Vorschläge einreichen konnte und die Beteiligung war ein bisschen mau. Hat jedenfalls Tobse erzählt.“ Malte lachte. „War bestimmt sein Vorschlag. Würde irgendwie zu ihm passen.“ „Naja, is ja auch egal. Heißt jetzt halt Nix, der Laden. Solange die da weiterhin so gute Sandwiches machen…“.
Als Malte und Flo im Nix eintrafen, sprach Tobse gerade mit der Frau hinter der Theke. Er winkte den beiden zu und zeigte auf einen der kleinen Tische. Die beiden wunderten sich gerade darüber, dass über den Tisch, auf den Tobse gedeutet hatte, offensichtlich jemand ein Bier verschüttet hatte, als Tobse Tränen lachend und mit einer Küchenrolle in der Hand an den Tisch herantrat. „Hi“, grinste er die beiden an. Er hob die Küchenrolle hoch. „Darf ich vorstellen? ‚Dick und durstig.‘“ Die beiden anderen sahen ihn mit hochgezogenen Augenbrauen fragend an. Tobse wischte sich die Lachtränen aus den Augen. „Die heißt so, die Küchenrolle. ‚Dick und durstig‘. Ich krieg mich nicht mehr.“
„Soso. Und du warst also beim Frisör.“ Tobse begutachtete Maltes frisch zurechtgestutzte Frisur. Gehst du noch zu dem Billigfrisör in der Königstraße? Ich mag das da ja nicht so. Das ist so eine Massenabfertigung.“ Malte nickte. „Ich geh da gern hin, da wird einem wenigstens kein Gespräch aufgedrängt. Ich hasse das, wenn man über den letzten Ungarn-Urlaub oder die Magendarm-Erkrankung der Lieblingskatze zugelabert wird, wenn man doch eigentlich nur die Haare geschnitten haben will.“ „Ich müsste auch mal wieder gehen, aber mein Mondkalender sagt, dass der beste Zeitpunkt für Frisörbesuche erst nächste Woche ist.“ Tobse fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Flo sah ihn irritiert an. „Was soll denn der Scheiß mit dem Mondkalender? Du kannst doch dein Leben nicht nach sowas ausrichten.“ „Warum nicht?“, entgegnete Tobse. „Ich versuche halt, meinem Leben mehr Struktur zu geben. Der Mondkalender hilft mir dabei. Seitdem ich meine Fußnägel im Einklang mit dem Mondkalender schneide, fühle ich mich irgendwie viel ausgeglichener.“ Malte schüttelte den Kopf. „Manchmal mache ich mir echt Sorgen, dass ich dich irgendwann nicht mehr vor dir selbst schützen kann.“
„Hat einer von euch nen Anzug, den er mir leihen kann?“, wechselte Tobse beleidigt das Thema. Flo sah ihn erstaunt an. „Wofür brauchst du denn nen Anzug?“ „Bin auf ne Hochzeit eingeladen.“ „Oha.“ „ Ja, mein Bruder heiratet. Michelle. Voll die Psychotante. Die sieht aus wie Judith Rakers, aber halt voll psycho.“ „Uh, ich find Judith Rakers ja schon … hm … attraktiv“, grinste Flo. „Boah nee“, widersprach ihm Malte. „Wenn ich die seh, geht mir das Messer in der Tasche auf. Echt. Die kann ja mal sowas von nicht moderieren. Judith Rakers ist Markus Lanz mit Brüsten. So dermaßen untalentiert, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Markus Lanz mit Brüsten. Meine Meinung.“ Er lehnte sich mit triumphierendem Blick zurück. „Oh ja, Markus Lanz." Flo schnaubte. „Ich hätte es ja nie für möglich gehalten, aber der ist echt noch schlimmer als Johannes B. Kerner. Und der macht Werbung für Bärchenwurst! Also Johannes B. Kerner. Das muss schlimm sein für Markus Lanz, dass er noch mehr nervt als ein Typ, der Werbung für Bärchenwurst macht.“ Flo machte eine kurze Pause. „Überhaupt, was soll das eigentlich? Gesichtswurst? Es erschließt sich mir einfach nicht. Da wird erst alles getan, damit man nicht mehr erkennt, dass die Wurst mal gelebt hat. Da wird alles zu einer einzigen rosa Masse zerhackt und dann, wenn es aussieht wie … naja wie Wurst halt, jedenfalls nicht wie totes Tier, dann wird ein Bärchengesicht drauf gemacht. Warum? Ich versteh es nicht. Ich will doch keine Wurst essen, auf der mich ein total knuddeliges Bärchengesicht anlächelt, oder?“. Flo sah die beiden anderen fragend an. Tobse hatte wenig Verständnis für Flos Ausführungen. „Sagt mal, hört ihr euch eigentlich selbst zu? Bärchenwurst? Hackts bei euch? Ich will euch von meiner zukünftigen Schwägerin erzählen, die voll psycho ist und ihr labert hier stundenlang über Gesichtswurst.“ Malte und Flo wandten sich ihm zu. Malte sah ihn aufmunternd an. „Was is denn so psycho an der?“. Tobse holte Luft. „Die is halt voll hysterisch wegen jedem Scheiß und so. Hat sonen Reinlichkeitsfimmel, was weiß ich. Da wird nach jedem Händewaschen das Becken abgewischt und der Wasserhahn poliert. Gäste werden dazu angehalten, ihre Hausschuhe mitzubringen, damit sie keinen Dreck reintragen. Solche Sachen. Und oh Gott. Auf der Einladung zur Hochzeit sind Füße! Nackte Füße. Ihre und die von meinem Bruder, das findet sie irgendwie romantisch oder son Scheiß. Ich mein, wie ekelhaft ist das denn bitte?!“. Malte verzog angewidert das Gesicht. „Im Ernst jetzt? Gut, das find ich jetzt auch grenzwertig.“ Tobse nickte eifrig. „Ich finds eh schon unverständlich, dass es Leute gibt, die ihre Füße fotografieren und die Bilder dann bei Facebook oder sonstwo posten. Widerlich. Die machen sich wohl keine Gedanken darüber, dass sowas andere echt traumatisieren kann.“ „Naja, aber du musst die Bilder ja nicht anschauen“, versuchte Flo ihn zu beschwichtigen. „Ja, eben. Genau, da hast du vollkommen Recht. Aber die Hochzeitseinladung meines Bruders muss ich wohl angucken, oder? Hab das Bild jetzt halt mit Panini-Bildern der Frauen-WM überklebt. Die kriegt man ja grad immer beim Rewe. Aber ich finds trotzdem ne Zumutung, so grundsätzlich.“ Tobse legte seine Hände übereinander vor sich auf den Tisch und sagte dann ruhig: „Naja, jedenfalls brauch ich jetzt halt nen Anzug.“ Flo schüttelte den Kopf. „Hm nee, ich hab keinen.“ Malte konnte ihm auch nicht weiterhelfen. „Ich hab nur den vom Abi, aber der ist bei meinen Eltern im Keller, glaub ich.“ Die drei schwiegen kurz, dann ergriff Tobse wieder das Wort. „Ich hab übrigens noch nen Nachtrag zu machen zur Einfrier-Problematik, die wir letztens diskutiert haben. Also: Sprossen kann man nicht einfrieren. Als diese EHEC-Sache war, mit den Sprossen und so, da dachte ich mir so hey, voll super, dass du noch unbelastete Sprossen eingefroren hast. Aber das war dann doch nicht so geil. Die waren nach dem Auftauen so labbelig. Ich musste sie wegschmeißen.“ Malte zuckte mit den Achseln. „Naja, das ist ja auch irgendwie logisch, oder? Die gefrorene Flüssigkeit hat halt die Zellwände zum Platzen gebracht.“ Tobse verdrehte die Augen. „Jaja, logisch, alles klar. Stellst du dir diese Frage immer, bevor du was einfrieren willst? Könnte die in dem entsprechenden Nahrungsmittel enthaltene Flüssigkeit beim Gefrieren irgendwelche Zellen sprengen? Also ich nicht. Aber ich hab mir jetzt nen Zettel an den Kühlschrank gehängt, auf dem ich solche Dinge notiere. Punkt eins: Sprossen nicht einfrieren.“ Flo lachte laut auf. „Ich nehme an, die Liste an deinem Kühlschrank soll auch dabei helfen, deinem Leben mehr Struktur zu geben?“
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Tobiornottobi sagte:
Nunja, es wird nicht alles zu Kunst, nur weil es auf jetzt.de erscheint und im Teaser als lesenswert bezeichnet wird.
Muss total zustimmen. Größte Zeitverschwendung!
alcofribas sagte:
"Sprossen nicht einfrieren" :)
Ich konnte diesen Hinweis unmöglich unverwertet lassen ;D
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06.07.2011 - 21:52 Uhr
plath