29.06.2011 - 18:40 Uhr

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Die heißen Abgeordneten

Text: christian-helten

Seit ein paar Tagen kann man im Internet Bundestagsabgeordnete nach ihrem Sexappeal bewerten. Yvonne Ploetz und Patrick Sensburg führen die Rankings an. Zwei Interviews mit Deutschlands most wanted Politikern.

Zwei Fotos sieht man auf sexybundestag.de vor sich, mit einem Mausklick soll man seine Entscheidung kundtun: Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie lieber...?
Aus den Duellen ergibt sich ein Ranking der begehrtesten deutschen Parlamentarier. Yvonne Ploetz (Die Linke) führte das Ranking lange an, über 3700 Mal (Stand Donnerstag Nachmittag) wurde ihr der Vorzug gegeben. Weiter hinten im Gesamtranking findet man Patrick Sensburg (CDU). Bei den männlichen Abgeordneten lag er allerdings lange Zeit vorne.



jetzt.de: Wie haben Sie von Ihrem Glück erfahren, dass Sie auf sexybundestag.de ganz vorne mit dabei sind?
Yvonne Ploetz: Mich hat meine Mitarbeiterin darauf aufmerksam gemacht, dass diese Seite existiert und ich da wohl auch weit oben rangiere. Ich hatte dem zuerst keine größere Aufmerksamkeit geschenkt, da es im Internet ja nichts gibt, was es nicht gibt, und man sich – insbesondere als junge, internetaffine - Abgeordnete daran gewöhnt, im Web immer wieder Neues über sich zu lesen.
 
Wie ist es denn, plötzlich den ersten Preis bei einem Schönheitswettbewerb zu machen, an dem man nie freiwillig teilgenommen hat?
Es gibt ja bei dem Ranking keine grundsätzliche Gewinnerin oder keinen grundsätzlichen Gewinner, die Ergebnisse werden weiterhin munter hin und her switchen. Ich finde die Resonanz, die das Portal hervorruft, verwunderlich und beachtenswert zugleich. Eine gesteigerte Aufmerksamkeit schadet aber durchaus nicht, wenn sie genutzt werden kann, politische Inhalte zu transportieren. Mit geht es natürlich um politische Inhalte, um die Themen, für die ich mich engagiere, wie etwa das der Jugendarmut.

Haben Sie sich über diese Seite geärgert?
Ich denke, dass etwas Gelassenheit angebracht ist, auch wenn ich die Widersprüche und den Protest einiger meiner Kolleginnen und Kollegen dagegen verstehe. Doch die Seite ist ein Sommerloch-Gag. Wir sollten nun nur schnell dazu übergehen, dass wieder Inhalte im Vordergrund stehen.

Sind Sie stolz darauf, eine der attraktivsten Abgeordneten im Bundestag zu sein?
Natürlich wäre es weniger schön, von den vielen Internet-Usern auf die hinteren Ränge verwiesen zu werden. Aber Politik ist kein Model-Contest. Die Probleme, die augenblicklich auf der politischen Agenda stehen, überschlagen sich: die Griechenlandkrise, Klimawandel, die Kriege in Afghanistan und Libyen, eine wachsende soziale Spaltung. Dass Themen von solcher Relevanz – wenn auch nur kurzfristig – von einer banalen Frage, wie der nach der Attraktivität von Politikern, von der Tagesordnung verdrängt werden könnte, sollte aufhorchen lassen.

Profitieren Sie als Politikerin von der Seite? Immerhin erhöht Sie ja ihren Bekanntheitsgrad?
Es wird sich heraus stellen, ob es nun gelingt, diese nette Anekdote so zu wenden, dass meine Politik einen höheren Bekanntheitsgrad erhält.
 
Glauben Sie, dass Leute, die über sexybundestag.de auf die Seite eines Abgeordneten kommen, sich dort auch die Inhalte seiner Arbeit anschauen?
Ich denke, das kommt immer auf die entsprechenden User an. Ich merke jedoch, zumindest online, einen sprunghaften Anstieg der Klickzahlen meiner Webauftritte- die durchweg stark inhaltlich konnotiert sind.
 
Muss man es als Politiker aushalten, dass öffentlich zugängliche Fotos für so etwas verwendet werden?
Ja, zumindest die Pressefotos werden ja für jeden öffentlich zugängig angeboten.
 
Glauben Sie, dass Sie das Thema verfolgen wird? Das Sie in den Medien in Zukunft immer den Zusatz „die Sexy Abgeordnete“ bekommen?
Das glaube ich nicht. Ich hatte von Anbeginn meiner Abgeordnetentätigkeit immer wieder Namenszusätze, sei es „Miss Bundestag“, „Oskars Nachfolgerin“ oder nun eben das. Ich glaube ich konnte bisher alle „Titel gut und positiv für meine eigentliche Arbeit wenden und dabei immer politische Akzente setzen, die von vielen wahr genommen wurden.

Wird unter den Abgeordneten über das Ranking geredet? 
Natürlich ist die Seite auch Gesprächsthema auf den Bundestagsfluren. Ich wurde heute einige Male darauf angesprochen. Aber Sie können sicher sein, dass die Atomdebatte am morgigen Donnerstag das Thema von der öffentlichen und politischen Agenda zügig verdrängen wird. Schließlich ist das Gesetz zum Ausstieg aus der Atomenergie bis 2020 weder unumkehrbar noch ist der Weiterbetrieb der neun restlichen AKWs um weitere neun Jahre feierlich. Für diese Art des Ausstieges sind nicht hunderttausende Menschen in den letzten Monaten auf die Straßen gegangen.

Die Damen der Linken sind ja sehr gut vertreten in den oberen Rängen. Haben Sie eine Vermutung, woran das liegt?

Die Linke ist eine Partei, die sehr gerne jungen Menschen Raum gibt, sich in der Politik zu betätigen und für die gleichermaßen eine hohe Repräsentanz von Frauen in führenden Positionen selbstverständlich ist. Da sich auch Deutschland noch nicht von den althergebrachten Schönheitsidealen jung und weiblich emanzipiert hat, ist es naheliegend, dass die charmante Linke im Verhältnis gut abschneidet.

Auf der nächsten Seite beantwortet Patrick Sensburg Fragen zu seinem Abschneiden im Vergleich der attraktivsten Abgeordneten.

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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.