Auf die Länge kommt’s an
Freie Sicht bis zum Tor: Das Haarband ist das wichtigste Utensil der Fußballerinnen

Firlefanz gibt’s nicht bei den Fußball-Frauen. Trikot, Shorts, Schienbeinschoner, Schuhe - für die Torfrau noch ein paar Handschuhe, das war’s. Ohren müssen nicht mit Pflastern vor dem Abreißen geschützt werden wie beim Rugby. Frottee-Schweißbänder wie beim Basketball kommen selten zum Einsatz. Und im Gegensatz zu ihren männlichen Fußballkollegen scheint der Bling-Bling-Stil abseits des Spielfeldes mit Glitzerohrring und Schmalzlocke bei den Damen zu fehlen. Doch ein Accessoire sticht hervor. Bunt oder schwarz, aus Leder oder Gummi-Polyester-Gemisch: Haarbänder.
Dabei hatten Haarreif und Haarband lange einen schlechten Stand. Jenseits des Teenageralters sah beides albern aus; nur Kinder, Klassenbeste und kleinkarierte Vorstadt-Muttis, die ihre gleichsam behaarbandeten Kinder vom Reiten abholten, trugen Haarbänder. Passend zu seinem braven Image heißt der Haarreif im Englischen Alice Band, nach dem Accessoire von Lewis Carrolls blonder Romanfigur. Die kleine Schleife in dem Disney-Film von 1951 ließ Alice noch ein wenig entzückender wirken. Und Haarbänder und -reifen bekamen ihren Ruf weg: süß und verspielt waren sie. An Sportskanonen dachte man nicht. Das ist den Fußballerinnen aber egal.
Langhaarige wissen warum: Mit offenen Haaren 90 Minuten in einer stickigen Disco zu tanzen oder gar 90 Minuten auf dem Spielfeld hinter einem Ball her zu wetzen – das sind erschwerte Bedingungen. Die verschwitzten Haare kleben an der Wange, man verschluckt sich an Haarsträhnen, die in den offenen Mund wehen. Vom Pony tropft der Schweiß in die Augen. Einzige Hilfe: Haarklammern, Zopfgummi und eben Haarband. Die Kombi aus verschwitzten Haaren und dem dünnen Strang Stoff avancierte also trotz Kleinmädchen-Konnotation zur Fußball-Frisur. Nike, Adidas, Puma und Co schufen eigene Haarband-Kollektionen, inklusive Logo auf dem nullakommafünf Zentimeter breiten Polyester-Gummiband. Dieser Wandel ist allerdings nicht den Frauen zuzuschreiben. Es lag an der Haarband-Revolution der Männer, Stichwort David Beckham. Der ließ sich nach unzähligen Stylingexperimenten eine Matte wachsen, konnte dann aber vor lauter Haar nicht mehr das Tor erkennen. Daraufhin klaute er sich den Haarreifen von Ehefrau Victoria, oder so. Fakt ist: Der Brite hatte nicht als Erster die Idee ein Band aufzusetzen, auffälligster Botschafter des Haarbands wurde er trotzdem. Egal ob in der Gala oder im Kicker, David Beckhams zunächst belächelte Mädchenfrisur war allgegenwärtig.
Jetzt herrscht Gleichberechtigung am Haarbandsortiment im Drogeriemarkt. Doch die Funktion des Bandes haben manche Männer noch nicht so recht verstanden. Man beachte, wie Werderspieler Torsten Frings seine Engelslocken einzig mit einem Hippie-Band im Zaum zu halten versucht. Weitere Beispiele: Sami Khedira und Lionel Messi in seinen Langhaar-Zeiten. Trotz Haarband sind diese Männer nicht vor schweißnassen Haarsträhnen im Gesicht gefeiht. Vielleicht sind sie härter im Nehmen. Wahrscheinlicher ist: beim Haarband geht es ihnen mehr ums Styling denn um die Funktion. Dabei ist das Einmaleins der Haarbänder einfach, wie die Frauen in den nächsten zwei Wochen beweisen werden. Auf die Länge kommt’s an: Langhaarige, wie die Stürmerin Alexandra Popp, tragen Zopf und Haarband. Spielerinnen mit mittellangen Haaren wie Annike Krahn tragen ihr Band wie Jesus seinen Dornenkranz ein wenig tiefer in die Stirn gezogen. Die Spielerinnen mit raspelkurzen Haaren tragen keins. Kein Firlefanz. Kein zuckersüßes Image. Einfach praktisch. Und der Vorteil: Gut sieht das Haarband bei den Frauen trotzdem aus.
Die Vorstopperin ist eine Kolumne zu Frauenfußball-WM, die jetzt.de gemeinsam mit sueddeutsche.de und sz-magazin.de schreibt.
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28.06.2011 - 17:32 Uhr
Chestity
Ja ne,er spielt doch seit `98 nicht mehr in der Deutschen Elf.