Ich hab keinen Bock auf Arbeit: werd' ich halt Lehrer!
"Wer nichts wird, wird Wirt!" Das hat man damals so dahingesagt, wenn man sich mal - so halb im Spaß, halb im Ernst - über den zukünftigen Beruf Gedanken gemacht hat. Dabei war klar, dass auch Wirte etwas leisten. Wir waren ja dankbar für jedes Bier, dass uns gezapft wurde. Es steckte in diesem platten Spruch also immer genügend Ironie, dass auch jeder, der sonst sehr resistent der Ironie gegenüber, wusste: auch Wirte leisten etwas, das ist harte Arbeit. Und mal ehrlich: eigentlich will ich das nicht werden.Was aber immer ging, geht und auch wahrscheinlich auch gehen wird, ist: "Ich werd' Lehrer, die haben so viel frei und arbeiten ja gar nicht!" Und nein, Gerhard Schröder ist daran nicht schuld. An vielem ist Gerhard Schröder schuld, aber nicht daran. Er unterlag ja auch nur dem Trugschluss, dem alle Nichtswissenenden unterliegen. Insofern ist seine Aussage, Lehrer seien nur "faule Säcke" im kleingeistigen Kosmos völlig korrekt.
Ich frage mich oft, woher die Idee stammt, dass Lehrer kaum arbeiten und auch immer Recht haben. Ich glaube ja, dass das Geheimnis darin begründet liegt, dass viel Arbeit im Verborgenem stattfindet, unsichtbar für die restliche Bevölkerung. Auch für Lehrer gilt die 41-Stunden-Woche. Kaum zu glauben, da fällt man glatt aus allen siebten Wolken. Aber bitte, Lehrer arbeiten doch keine 41 Stunden in der Woche! Richtig. Die meisten Lehrer arbeiten mehr als 41 Stunden in der Woche. Nur so als grobe Hilfe: Konferenzen, Klausuren, Schülergespräche, Organisation, und, zu guter Letzt: Unterrichtsvorbereitung. Dass man dann auch noch schlecht schläft, weil man merkt, dass ein Schüler es nicht packt, eine schlechte Entwicklung nimmt, spätestens DAS glaubt einem keiner mehr.
Wie schön wäre es, nach Hause zu kommen und einfach Feierabend zu haben. Traumhaft.
Es ist frustrierend, so wenig Anerkennung zu erhalten. Und gleichzeitig zu lesen, dass Lehrer fehlen. Die Bezahlung ist völlig ausreichend, zumal Deutschland da sehr weit oben liegt. Forderung, wonach Lehrer noch mehr verdienen müssten, um den Beruf schmackhafter zu machen, kann ich nicht unterstützen. Das gesellschaftliche Ansehen, das Anerkennen der Arbeit, die man leistet, das ist mehr wert als ein paar Euro auf dem Konto.
Man könnte sich stunden- bzw. Seitenlang darüber auslassen, aber cui bono? Deshalb: Ich hab' keinen Bock auf Arbeit - und jetzt bin ich Lehrer. Welch' Trugschluss ich erlag.
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27.06.2011 - 07:40 Uhr
laventura
In der Schule hatte ich manchmal den Eindruck, dass manche meiner Lehrer echt einfach nach dem Abi nicht wussten, was sie werden wollten, wenn sie groß sind, und sich daher für das Naheliegenste, also Lehrer (Motto: ist ja chillig) entschieden haben. Ohne sich darüber Gedanken zu machen, was das eigentlich heißt: Junge Menschen bilden - ich hatte zum Beispiel einen Lehrer, der nie mit der Klasse geredet hat, nur mit dem Schulbuch. Mitgenommen hab ich da wenig.
Dennoch gibt es auch diejenigen, die sich sehr bewusst gerade dafür entscheiden, und mit dem Stress und der Verantwortung rechnen! :)
Ich glaube, die Idee - Lehrer haben ja nichts zu tun - stammt einfach daher, dass man als Schüler betriebsblind wird für die Arbeit, die der Lehrer leistet: Schließlich ist es ja immer der Schüler, der Hausaufgaben machen muss und Arbeiten schreiben. Man sieht dem Lehrer ja nicht beim Korrigieren und Organisieren zu, und natürlich darf der auch heimgehen, wenn's um 1 nach der sechsten Stunde klingelt - während Papa noch bis um 5 im Büro sitzt.