24.06.2011 - 18:30 Uhr

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Niko Bellic auf Koks

Text: philipp-mattheis

Der "War on Drugs" feiert 40-jähriges Jubiläum, während sich auf der "Silk Road" Dealer und Kunden im Internet treffen. Darum, und was GTA-IV und Kokain aus einem Menschen machen können, geht es in der neuen Drogenkolumne

Vor 40 Jahren, am 17. Juni 1971 erklärte US-Präsident Nixon den Krieg – nicht Vietnam, den Sowjets oder Kuba, sondern den Drogen. Der „War on Drugs" begann. 1972 erhielt die amerikanische Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Agency) 62 Millionen Dollar für den Kampf gegen illegale Substanzen. Einen dramatischen Höhepunkt erreichte der Krieg Anfang der Achtziger, als die DEA die „Narco-Bosse" Kolumbiens bekämpfte. 1992 wurde Pablo Escobar von einer kolumbianischen Spezialeinheit (die mit massiver logistischer, finanzieller und militärischer Unterstützung der USA arbeitete) erschossen. Von einem Erfolg lässt sich trotzdem nicht sprechen, was folgende Tabelle verdeutlicht: 1995 wurden schon eine Milliarde US-Dollar für den „War on Drugs" ausgegeben. 2009 lag das Budget der DEA schon bei 2,6 Milliarden US-Dollar.

Weniger Drogen gibt es deswegen nicht, im Gegenteil: Die Menge des in den USA konsumierten Kokain ist heute um ein Drittel höher als in den Achtziger Jahren. 2,3 Millionen Amerikaner sitzen wegen Drogenbesitzes im Gefängnis. 2004 nannte Barack Obama den „War on Drugs" deswegen auch einen „utter failure" (kompletter Misserfolg). Seit Obama ist es den einzelnen Bundesstaaten der USA zumindest freigestellt, ihre Bürger über einen medizinischen Gebrauch von Marihuana abstimmen zu lassen. Nur hat diese Politik bisher wenig Früchte getragen. Mehr dazu hier im The Atlantic. Nixons Gegenkandidat Jimmy Carter sprach sich schon 1975 für eine Dekriminalisierung aus:
Carter hat vor ein paar Tagen in der New York Times "Call off the Drug War" gefordert.

Gras im Netz
Alles ist ja jetzt in diesem Internet: Freunde, Bio-Kartoffeln, jetzt.de, Musik, das Paar von nebenan beim Rödeln. Und nicht alles, was es da in den Weiten des Netzes so rumschwirrt, ist im Sinne des Gesetzgebers. Da fragt man sich, warum nicht früher jemand auf die Idee gekommen ist, Drogen zu verticken. Allerdings ist die Sache nicht ganz so einfach: Silk Road sieht aus wie eine Mischung aus einer Online-Pharmacy bekannt aus diversen Spam-Mails und ebay. Wer dort aktiv werden möchte, braucht allerdings ein Händchen für Nerd-Kram. Er muss nämlich ein Verschlüsselungs-Netzwerk namens TOR aktivieren, wodurch die IP-Adresse nicht zurückverfolgt werden kann. Dann erst lässt sich eine kryptische URL ansurfen. Anschließend, so heißt in diesem Bericht auf gawker.com, kann man die Drogen beim Dealer mit guten Bewertungen bestellen und erhält sie postalisch zugeschickt – sofern, äh, die Spürhunde einem nicht einen Strick durch die Rechnung machen und stattdessen ein paar Männer in Grün vor der Haustür stehen. Die Betreiber der Website, die sich gegenüber gawker anonym per Email äußerten, haben keine Probleme damit, etwas Illegales zu tun: "The state is the primary source of violence, oppression, theft and all forms of coercion," schreibt einer. "Stop funding the state with your tax dollars and direct your productive energies into the black market."

Bellic, Koks und der Wahnsinn
Was macht eine Substanz zu einer Droge? Wann wird aus Spaß Sucht? Ist exzessives GTA-IV-Spielen auch schon eine Art Abhängigkeit? Tom Bissell war einst ein junger, aufstrebender und vielversprechender Journalist. Er stand früh auf, ging joggen, schrieb für viele renommierte Zeitungen und Magazine und las abends anspruchsvolle Belletristik. Dann kam der GTA IV auf den Markt. Und Bissell stürzte ab.

Er spielte, kokste, zog nach Las Vegas, spielte noch mehr, kokste noch mehr, warf seine Xbox weg und zog nach Tallinn, kaufte sich eine neue Xbox, spielte, kokste, spielte. Wie es ihm heute geht und wie er diese Zeit rückblickend bewertet, hat er in diesem eindrucksvollen Text vom vergangenen Jahr aufgeschrieben: „Video Games: The addiction".

Druffi-Zeichungen
Auf youtube gibt es noch diese Experimente zu sehen, bei denen einer Spinne verschiedene Drogen verabreicht werden, um zu beobachten, wie sich die Substanzen auf ihr Netzbauverhalten auswirkt: natürlich nicht so gut. Das Spinnennetz wird löchrig, unstrukturiert und wirr. Irgendwie erinnert die „Drug Related Photoshop Art" von Tao Lin daran, die das Viceland-Blog jetzt regelmäßig veröffentlicht. Wir haben die Bedeutung dieser Zeichnung nicht ganz verstanden, sie aber nichtsdestotrotz amüsiert betrachtet. Mehr davon gibt es auf seinem Blog oder auf Viceland.com
 


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8 Kommentare
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Mag ich Mag ich nicht

0

25.06.2011 - 01:55 Uhr
101

Silk Road funktioniert.

Genosse_Artischocke
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Mag ich Mag ich nicht

0

25.06.2011 - 03:24 Uhr
Genosse_Artischocke

In Mexiko scheint, dass der erfolglose USA War on Drugs nicht bekannt war, weil der heutige Präsident Calderón der Drogenmafia in 2006 den Krieg erklärt hatte.

Es gibt seitdem mehr als 40.000 Tote, und der Konsum hat bemerkenswert nicht reduziert. Heute halte Calderón den Krieg nicht an, trotzdem biete er eine Entschuldigung für alle die Tote an.

http://images.fastcompany.com/upload/war...

joni
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Mag ich Mag ich nicht

1

25.06.2011 - 13:57 Uhr
joni

"...die Spürhunde einem nicht einen STRICK durch die Rechnung machen"

ist das (ironische) Absicht? Fänd ich witzig.

was ich nicht so witzig finde (ohne das thema erneut aufzurollen) ist ausgerechnet gaming sucht als weiteres beispiel zu bringen. dürfte ich wissen warum?
sucht ist immer schlecht, auch wenn es verschiedene direkte auswirkungen auf den menschlichen körper hat, also warum die GTA sache? hätte es "internetsucht" nicht auch getan? (Randnotiz dazu: eine gaming seite gewinnt den grimme online publikumspreis: http://www.grimme-institut.de/html/index...)

bin gespannt was in der kolumne noch so auftauchen wird.

transworld
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Mag ich Mag ich nicht

-1

25.06.2011 - 19:44 Uhr
transworld

in holland, portugal und californien interresiert es die bullen einen scheiss ob du grad ne tüte rauchst oder ein bischen koks einstecken hast. der anfang ist gemacht!

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

1

25.06.2011 - 19:56 Uhr
drolli

joni sagte:
"...die Spürhunde einem nicht einen STRICK durch die Rechnung machen"

ist das (ironische) Absicht? Fänd ich witzig.

was ich nicht so witzig finde (ohne das thema erneut aufzurollen) ist ausgerechnet gaming sucht als weiteres beispiel zu bringen. dürfte ich wissen warum?


Viele Betroffene wahrscheinlich. Im meinem weiteren Bekanntenkreis kenne ich so mindestens drei bis vier Faelle von abhaengikeit von Spielen in einer Art und Weise dass es das Leben mehr oder weniger stark beeinflusst. Meist im Zusammenhang mit Online-Rollenspielen.


sucht ist immer schlecht, auch wenn es verschiedene direkte auswirkungen auf den menschlichen körper hat, also warum die GTA sache? hätte es "internetsucht" nicht auch getan?


haengen die beiden Abhangigkeiten unbedingt zusammen? Ich kenne Menschen deren Internetkonsum bedenkich ist ohne dass sie viel spielen.


(Randnotiz dazu: eine gaming seite gewinnt den grimme online publikumspreis: http://www.grimme-institut.de/html/index...)

bin gespannt was in der kolumne noch so auftauchen wird.

joni
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Mag ich Mag ich nicht

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25.06.2011 - 21:15 Uhr
joni

drolli sagte:

viele betroffene gibt es auch in vielen anderen suchtgebieten. reicht also als erklärung nicht aus.


und eben weil internet und gaming NICHT automatisch zusammengehören wäre mir die erwähnung von internet sucht lieber.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

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25.06.2011 - 22:07 Uhr
drolli

joni sagte:



vielleicht alphabetisch sortiert.

joni
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Mag ich Mag ich nicht

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25.06.2011 - 22:55 Uhr
joni

drolli sagte:

hehe möglich wär's :)

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philipp-mattheis unbekannt

philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.