„Das ist doch auch schon wieder out, oder?“
Manche Sätze sind häufiger als andere. Regelmäßig stellt unser Autor einen vor.
Knifflige Sache mit diesem Satz. Man könnte ihn eine sich selbst enthauptende Prophezeiung nennen. Denn wie man anhand des ausgemusterten Wörtchens „out“ gut erkennt, ist derjenige der den Satz ausspricht meist selbst schon lange nicht mehr „in“ gewesen. Trotzdem beharren Menschen, denen man also eine Unterscheidung in das was sie noch „in“ und „out“ nennen gar nicht mehr abverlangt, weiterhin darauf, sich mit diesem Satz in die Bredouille zu reiten.
Eltern zum Beispiel.

Wenn ich heute zu meinem Vater gehen und volldoof sagen würde: „Papi leih mir Geld, ich mag heut’ Abend auf ein HipHop-Konzert.“ Dann würde der Papi mir zwar Geld leihen, aber eben zusätzlich anmerken: „Dieses HipHop ist doch auch schon wieder out, oder?“ Er erwartet danach natürlich keinesfalls eine inhaltliche Diskussion über den Status des aktuellen HipHop. Nein, der Satz soll an diesem Punkt nur den kleinen Fortschritt beschreiben, der ihn von „Hä, Hiphop, was ist denn das?“ trennt, das mein Opa sagen würde. Soll also klarmachen, dass er mitbekommen hat, dass dieses Zeug seit längerer Zeit da ist und eben evtl. auch schon wieder out sein könnte. Oder anders: Selbst Papi ist mittlerweile des Hiphops etwas müde, so lange nimmt er ihn schon am äußersten Rande seines persönlichen Bildausschnitts wahr. Klingt jetzt im Papi-Beispiel ein bisschen nach zerstreutem Professor, ist aber ganz natürlich. Neulich erzählte jemand in kleiner Runde, er würde am Wochenende Wakeboarden gehen. Ich im natürlichen Reflex desjenigen, der mit beiden Dingen nichts anfangen kann: „Echt, ahja, Wakeboarden, macht man das überhaupt noch?“ Unverständliches Nicken bei meinem Gegenüber. Klar macht man das noch, nie hat jemand aufgehört.
Ich würde es auch erst als Letzter mitbekommen, wenn man nicht mehr wake- sondern snake- oder gleich fakeboardet. Aber damit etwas gesagt ist und ich, ganz der Papi, markiert habe, dass ich in der Lage bin selbst zu diesem abwegigen Thema ein Gesicht zu machen, kommt eben der Hauptsatz. Er ist verführerisch, weil man sich, im günstigsten Fall qua Nichtwissen zum Trendsetter schummeln könnte. Wenn nämlich der Herr Wakeboarder auf meine Quatschfrage gestottert hätte: „Ja hast recht, eigentlich ist es total oll.“ Dann hätte ich gönnerhaft genickt und alle Beteiligten wären aus Hochachtung vor meiner Wasserfunsport-Expertise fortan und für ihr ganzes Leben leicht gebückt gelaufen.
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Oder ist das nur so eine Altersverschleierungsmaßnahme, damit im Kosmos keiner sage, der Scharnigg sei ja auch schon wieder out?
nur an die empfehlungen die einen von rechts her überfallen muss ich mich noch gewöhnen, hat mich grade in der mitte eines satzes angesprungen...
Ich bin in der glücklichen Lage, mich mit Menschen zu umgeben, denen es genauso schnurz ist wie mir selbst, was gerade out und in ist, dass ich diesen Satz höchstens mit sarkastischer Übertreibung höre. Niemand aus meinem engeren Freundeskreis würde auf die Idee kommen, meinen Geschmack in Sachen Hobbies, Kleidung, Stil oder Musik mit Begriffen wie in oder out zu bewerten.
@JoergAuch: Den mitbekommen? "Kannst du mal hinten schauen, ob bei mir alles zu ist?"
apollyon sagte:
@JoergAuch: Den mitbekommen? "Kannst du mal hinten schauen, ob bei mir alles zu ist?"
Jep, allerdings nie aktiv sondern nur passiv.








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19.06.2011 - 18:54 Uhr
hybridum