15.06.2011 - 19:48 Uhr

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Seifenblasen

Text: uxbal

„Da ist nichts mehr, keine Hand breit Wasser unterm Kiel, keine Hoffnung, keine Erinnerung, kein Wir“. Speichern unter Entwürfe. Nicht abschicken. Nicht dir zeigen, wo ich bin. Nicht mit dir teilen. Lieber warten. In Frankreich hießen Wartehallen früher Saal der verlorenen Schritte. Warten sei eine wilde und unbegründete Hoffnung, steht in der Zeitung. Wo bist du? Was fühlst du? Nichts mehr? Drei Tage, vier Tage, drei Wochen reichen, dass die Seifenblase zerplatz? Alles weg? Monate ist sie gewachsen, bunter geworden, die Seifenblase in der Frühlingssonne. 

Alles setzt sich wie ein Puzzle zusammen. Dein Geburtstagsgeschenk im Februar, das Bild mit dem Titel „Und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel“, die Email „Ich will dich grad nicht teilen“, die langen Umarmungen vorm Sportcenter. Verdammt. Ich hab dich nicht gesucht, hab versucht, dich deinen Kram ordnen zu lassen, und konnte kein Kino, kein Café, kein Wochenendausflug absagen. Hab versucht, mich nicht wieder in dich zu verlieben. Es ist doch wieder der falsche Moment. Es war wieder der falsche Moment. Küsse im Wald, Schatten an der Decke im Schlafzimmer, Grillen auf dem Balkon. Einschlafen mit meiner Hand an deinem Herz. SMS voller Kitsch nach Frankreich, aus Frankreich. Sechs Wochen lang, jeden Tag. Dann klingelt das Telefon erstmal nicht mehr. Eine Email, du fühlst dich schlecht, hast Angst mich zu verletzen, alles sei echt gewesen. Da sind zu viel Gefühlen für einen Anderen. Bleib bei dir. Wo bin ich? Was kommt jetzt? „Und wenn sie nächste Woche nach Italien geht, wird sie sich dort verlieben. Entscheiden soll sie sich.“ „Das macht man doch nicht. Nicht mit dir.“ „In einer Beziehung über einen Tiefpunkt zu kommen, nicht Schluss machen, ist out“, sagen die Freunde. Da war doch aber keine Beziehung, wir haben gesagt, wir sind nicht zusammen, wollen nicht sicher sein. Freiheit. Klar, die brauchst du jetzt. Ich wollte sie dir geben. Ich will sie dir geben. Mit einem traurig ziependem Herz. Freiheit und Warten, vielleicht kommt da noch ein richtiger Moment.

Kann ich dir erzählen von allen Gefühlen? Da ist Angst. Angst um die Freundschaft. Angst um Kino, Café, Wochenendausflüge. Falls du mal wieder hier bist. Nicht da in Frankreich bleibst. Ich warte. Reise zu dir, warte in den Wartehallen, wir wollen schauen, was da kommt, haben wir geschrieben, in den letzten SMS, gleichzeitig haben wir sie uns geschickt, Tage geschwiegen und dann in der gleichen Sekunde. Vorfreude. Am Telefon sagst du, dass du dann erstmal schauen willst, wie viel Ruhe du hast, willst dann noch zu ihm. Schon wieder zu viel eingebildet. Vielleicht reden wir im Zelt klar über unsere Gefühle, nicht so, dass alles hineininterpretiertbar ist. Ich wünsche es mir und glaube, dass ich dann aufpassen muss, das Leben nicht zu hassen. Das dann noch eine handbreit Wasser unterm Kiel bleibt.



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16.06.2011 - 14:26 Uhr
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