Der Japaner
geschrieben im Februar 2005Haben die es gut, dachte Herr G. Haben die es gut, die Japaner. Alle mögen Japaner. Die sind klein und süß und lachen immer und jeder mag sie. Aber das aller praktischste daran, Japaner zu sein - und das wissen die selber wahrscheinlich gar nicht - ist, dass sie weiße Socken tracken können, ohne dass sie schief angesehen werden. Jaaaa, ist man ein Japaner, dann kann man sich das erlauben, denn in Japan, da ist das eben so.
Japaner wohnen nicht in echten Häusern, sondern in solchen nach allen Seiten offenen Hütten, in denen es zwar so was wie Wände gibt, aber die sind auch nicht so wirklich da, alles kann man zur Seite oder nach vorne oder nach hinten schieben und schon hat man Platz genug, um seine Kampfkunstschüler zu empfangen und ihnen die "Blume, die rot leuchtet" beizubringen. Ein Fingerschnipps, und schon ist der grobschlächtige, drei Meter große Vogone vom Japaner in zwei Teile gespalten und ebenso schnell entsorgt worden, denn schließlich will der Japaner ja kein Blut auf seinem Bambusteppich.
Genau darum können Japaner nämlich auch weiße Socken anziehen - bei ihnen ist es niemals nie nicht dreckig. Herr G. hatte noch nie einen Japaner mit dreckigen Socken gesehen, und auch dieser dort, der drei Reihen weiter vorne saß und seine kleinen, putzigen Füße auf den gegenüberliegenden Sitz gelegt hatte, strahlte! Nicht von innen, obwohl das bestimmt auch, aber vielmehr auch von seinen unteren Extremitäten aufwärts und Herr G. mochte diesen Japaner. Der lachte so freundlich und wirkte so reinlich.
Herr G. schaute an sich herunter und Puuh! er hatte schwarze Socken an. Keine Sandalen, sondern Sneaker. Auf jeden Fall sah er so aus, wie es sich für einen Mitteleuropäer gehörte: unauffällig. Wie groß war seine Angst, er könne einmal aus einer Notlage heraus gezwungen sein, weiße Socken tragen zu müssen, und noch schlimmer: Sandalen. Er hasste Sandalen, Sandalen waren der Feind des Mannes, denn wer Sandalen trägt, darf keine Socken tragen, vor allem nicht weiße und eigentlich darf man als Mann gar keine Sandalen tragen, das sollte verboten werden, weil es - Herr G. konnte wirklich nicht verstehen, warum das nicht verboten war. Iiiih, ältere Männer in braunen Sandalen ohne Socken, aber dafür mit gelben Fußnägeln. Uuuuh, aaaah, schnell abschütteln den Gedanken. Aber Socken in Sandalen, das geht ja nun mal auch gar nicht. Wie soll man die denn tragen? Hochgezogen bis zu den Knien? Oder bis auf die Knöchel runtergerollt? Oder lässig auf Halbmast stehend? So viele Möglichkeiten… und alle falsch.
Wie gut, dass ich keine Sandalen trage, dachte Herr G., dann bleibt mir diese Qual erspart. Obwohl, wenn ich Sandalenträger wäre, dachte er, dann würde ich das eh nicht merken. Und dann hätte ich sicherlich auch gelbe Fußnägel und würde 50 Cent für einen Kack bezahlen. Wie gut, dass ich kein Sandalenträger bin. Wie schade, dass ich kein Japaner bin. Aber wenn, dann würde ich auch ein Mann sein wollen. Japanische Frauen haben meistens so wenig oben rum, aber so viel Zeug unten rum. Das fände er nicht toll, der Herr G, der oberflächliche Arsch, der.

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