Die Elektronische. Mit Kalkbrenner, Eulberg und Trickski
Friedemann Karig sichtet für uns wieder minimalen Techno, maximale Disco und noch mehr geilen BummBumm.

Dominik Eulberg - "Diorama"
Dominik Eulberg betritt mit seinem neuen Werk das Reich der Naturwunder. Beraten vom Naturschutzbund (NABU) wählte er elf mirakulöse Erscheinungen und komponierte ein grünes Konzeptalbum, was er im Interview bei Beatportal ausführlich erzählt.
Diese seine Vorliebe für das Organische zeigten schon die Vorgänger „Flora & Fauna“, „Heimische Gefilde“ und „Bionik“ - letzteres eine Hommage an die intelligentesten Ingenieurstücke der Tierwelt. Und erneut klingen Tracks und namengebende Phänomene wieder so natürlich wie fantastisch: „Teddy Tausendtod“ ist Eulbergs Kosename für einen teddybärartigen Mikroorganismus, der mehrmals vertrocknen und wiederauferstehen kann, und damit unsere Annahmen von Leben und Tod auf den Kopf stellt. „Das Neunauge“ stellt das Leben eines Meeresbewohners dar, der seine ersten 5000 Jahre als Wurm existiert, um dann zum neunäugigen Fisch zu mutieren. Das größte Wunder, der vielleicht beste Track erklärt sich jedoch von selbst: „H2O“ perlt leichtfüßig und schiebt machtvoll, klingt zart und lebendig und bedrohlich zugleich. In jeder Sekunde dieser Musik steckt viel Können und Hingabe, so dass Konzentration seitens des Hörers verlangt und mit dem möglicherweise besten Album des Jahres belohnt wird. Eulberg fordert uns damit auf, aufmerksam zu sein. Denn die spektakulärsten Sensationen, die größten Wunder sind nur bei genauer Betrachtung zu sehen. Und zu hören.
„H2O“:
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AKA AKA & Thalstrøem - "Varieté "
Wenn ich in fünf Minuten aus dem Haus gehe, und mich für das bevorstehende kleine Abenteuer aufheitern möchte, schmeiße ich „Varieté“ an. Es weckt meine Lebensgeister, lässt mich ein bisschen durchatmen, macht Mut.

Weil es leichte, frische, smarte, tolle elektronische Musik ist; abwechslungsreich, anschmiegsam und wie gemacht für die derzeitige Frühlingsschwingung. Mit dabei sind gar eine Rockgitarre, ein Didgeridoo und superschöne Vocalfeatures wie Betty Lenard beim ersten Track, dem Portishead-Cover „The Rip“ (Video s.u.). Für die Erdung sorgen die von vielen Händen eingespielten Drums und Percussions und nicht zuletzt das Cover von Otto Waalkes (!) Diktatoren-Hymne „Dupscheck“.Die allermeisten Leute, denen ich dieses Album bisher gezeigt habe, waren begeistert. Ich hoffe, Ihr auch.
Das Making-Of mit viel Musik:
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Trickski - Unreality
Ein Sommer fühlt sich bisweilen recht langsam und träge an. Dazu passend entschleunigt das Berliner Produzentenduo Yannick Labbé und Daniel Becker alias Trickski. Unterhalb der 125 BPM findet sich mehr als genug Rhythmik, es muss nicht immer auf die vielzitierte „zwölf“ gehen. Entspannt Euch. Und diese Abchillung scheint Trend und Untersuchungsgegenstand, wenn sogar die De:Bug demnächst ein Special zu SlowHouse bringt. Unbesehen dieses Überbaus jedoch ist „Unreality“ ein schönes Album, mit etwas kitschigen Vocalfeatures (Fritz Kalkbrenner bei „Without You“) und ironischen Interludes („Jazzmagazine“), ein paar tollen Ideen und viel Liebe zum Detail. An dieser Stelle könnte jetzt die müßige Unterscheidung zwischen Heim- und Clubmusik folgen. Lassen wir das lieber. Das relativ repräsentative „Wilderness“:
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autoKratz - "Self Help For Beginners"
Ich habe lange nachgedacht, ob ich diese Platte hier erwähnen soll. So aufgeschlossen ich für elektronischen Pop und ein bisschen Pathos über Beats bin, so wenig leuchtet mir ein, warum man 2011 klingen müsste wie hyperaktive Pet Shop Boys. Vor knapp zwei Jahren schrieb ich dem Vorgänger „Down & Out in Paris & London“ noch Hit-Potenzial zu, dieses Mal klingen autoKratz wie lasche Zuckerwatte mit Sägespänen. Da hilft auch ein Feature von Peter Hook (Joy Division / New Order) nichts. Oder haben sich nur meine Hörgewohnheiten drastisch verändert? Bin ich zu alt? Was fange ich an mit einem überproduzierten Album, das austauschbare Textfragmente in klebrigen Melodien mariniert? Als Beispiel „Opposite of Love“. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.
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Arthur Oskan - "A little more than everything"
Ein einleuchtenderes Konzept vertritt hingegen Arthur Oskan auf seinem ersten Longplayer. Der Torontoianer gilt nicht nur unter dem Alias Meyer Briggs als Meister der analogen Live-Performance, sondern erweist sich auch als konsequenter Produzent satter Tech House Knaller, die man nicht weiter beschreiben muss. Höre „Morning Calling“:
- Die Elektronische. Diesmal mit Robag Wruhm, M.A.N.D.Y., Housemeister, Ricardo Villalobos und vielen mehr! 08.05.2011
- Die Elektro-Nische 24.03.2011
- Die Elektronische. Diesmal mit Siriusmo, James Blake, EdBanger & many more! 17.02.2011
- Die letzte Elektro-Nische des Jahres 28.12.2010
- Die Elektro-Nische. Heute mit We Love, Uffie, Chemical Brothers und vielen anderen Mechatronikern 08.07.2010
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