09.06.2011 - 18:30 Uhr

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Griechenland ist Trumpf

Text: uli-schuster - Fotos: Felix Banaszak

Griechenland ist Trumpf. Jedenfalls im Schuldenkrisenquartett. Ein Politikstudent und ein ehemaliger Wirtschaftsstudent machen die Krise mit einem Kartenspiel greifbar. Im Gespräch mit jetzt.de erzählt Arndt Leininger, einer der Erfinder, wie es zu der Idee kam.

Wer kennt es nicht: das Autoquartett. Erstmals 1952 vom Spielkartenhersteller ASS auf den Markt gebracht, überboten sich in den folgenden Jahrzehnten Generationen von Heranwachsenden mit Zylinder- und Hubraumzahlen ihrer Lieblingsautos. Kein Mensch spielte das klassische Quartett – Supertrumpf war das Nonplusultra. Im Laufe der Zeit hielten Luft-, Wasser- und Raumfahrzeuge in Spielkartenformat Einzug in die Kinderzimmer. Wem es schon immer zu langweilig war sich mit Geschwindigkeiten und Drehzahlen zu batteln, für den gibt es mittlerweile unzählige Quartettspiele für jedes Interessengebiet. Sowohl für den Atomkraft-Gegner, den Hobby-Epidemiologen als auch für den Techno-Fan ist etwas dabei. Die Finanzkrise verständlicher und erlebbar machen – das wollen Arndt Leininger (22) und Fabian Renk (27) mit ihrem „Schuldenkrisenquartett“. Nach dem Motto „Zocken bis zur Staatsverschuldung“ überbieten sich die Spieler unter anderem in den Kategorien Neuverschuldung und Rating beziehungsweise unterbieten sich mit dem Nettoauslandsvermögen in acht Gruppen.



Jetzt.de: Gewinnt Griechenland denn tatsächlich beim Schuldenkrisenquartett?
(lacht) Das kann man so pauschal nicht beantworten. Auf jeden Fall ist Griechenland vorne mit dabei. Wenn es um die Höhe der Staatsverschuldung geht, hat man aber auch mit Japan gute Karten.

Was hat euch dazu bewegt das Schuldenkrisenquartett zu erfinden?

Wir sind beide politisch aktiv. Ich studiere Politikwissenschaften und Fabian hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Aus diesem Grund wurden wir oft in unserem Freundeskreis als Finanzexperten herangezogen, wenn es um das Thema Wirtschaftskrise geht. Wir haben uns überlegt: Wie kann man die Thematik gut erklären und greifbar machen ohne dabei unglaublich abzuschweifen und ins „Fachchinesisch“ abzudriften. Dann kam uns die Idee mit dem Quartett. Klar, die Finanzwirtschaft ist gewissermaßen auch ein Spiel – warum nicht ein Kartenspiel daraus machen.  

Wer ist eure Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe sind Schüler, Studenten, Manager und natürlich der Otto-Normalverbraucher. Das Spiel macht nicht nur Spaß, sondern ist auch pädagogisch wertvoll. Wir haben auch Bundesfinanzminister Schäuble ein Exemplar geschickt mit der Einladung auf eine Zockerrunde – bisher kam noch keine Antwort. Unser Spiel enthält auch ein demokratisches Element. Der normale Steuerzahler kann jetzt wie die Finanzminister mit Milliardenbeträgen spielen.   



Wie seid ihr an die Zahlen gekommen?
Das war relativ einfach. Wir stecken von Haus aus in der Materie und haben die Zahlen größtenteils aus den Statistiken der Weltbank zusammengetragen. Nur in Einzelfällen wie Ägypten mussten wir uns direkt über die Zentralbank des Landes informieren.  

Wonach habt ihr die Quartette eingeteilt?

Es sollte kein Industriestaaten- oder Enwicklungsländerquartett werden. Aus diesem Grund haben wir neben der geografischen Einteilung darauf geachtet, verschiedene Ländergruppen zu repräsentieren. Das sind beispielsweise die P(I)IGS - Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien. Diesen Ländern wird unterstellt, dass ihnen der finanzielle Kollaps und der Staatsbankrott drohen. Italien mussten wir leider streichen, weil ein Quartett ja nur aus vier Karten besteht.  

Hattet ihr professionelle Hilfe?

Professionelle Hilfe von Professoren oder ähnliches hatten wir nicht. Lediglich unsere Freunde unterstützten uns bei Inhalt und Layout.

Wo bekommt man das Spiel?
Im Moment kann man das Spiel direkt über unsere Homepage bestellen. Wir wollen aber bald mit einem Versanddienstleister zusammenarbeiten.

Und wie geht es weiter?

Wir wollen natürlich weiter machen und wenn es geht auch noch in den folgenden Jahren die finanzwirtschaftliche Weltlage auf Spielkarten abbilden. Ähnlich wie die Jongleure auf dem Finanzmarkt, wollen wir so lange wie möglich von der Krise profitieren. (lacht) Mal schauen was die Zukunft bringt. Mein Ziel ist es jedenfalls mich mit einer eigenen Geschäftsidee selbstständig zu machen.      

 

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9 Kommentare

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kwork
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Mag ich Mag ich nicht

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09.06.2011 - 21:16 Uhr
kwork

Nette Idee aber ich kann mir nicht vorstellen dass das meinen Favoriten das "Wurst-Quartett" toppt.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 00:34 Uhr
drolli

Quartett habe ich schon immer gehasst

IngmarPunkt
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 07:45 Uhr
IngmarPunkt

schöne Idee, aber irgendwie deprimierend

Wladimir_Putin
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 08:57 Uhr
Wladimir_Putin

Witzig, aber auch sehr sophisticated, eben was für Politik- und Wirtschaftsstudenten.

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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 09:00 Uhr
Wladimir_Putin

P(I)IGS! HaHaHa! Ein Schelm wer dabei böses denkt!

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10.06.2011 - 09:04 Uhr
Wladimir_Putin

OK, ich gebe es zu! Ich bin so ein Schelm.

Erste Vorschläge für den Hintergrund dieses herrlichen Akronyms: "Schulden-Schweine", "Finanz-Ferkel", "Konto-Keiler", "Soll-Sau"

TBC!

uli-schuster
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10.06.2011 - 11:02 Uhr
uli-schuster

Auch erwähnenswert und ein biiiisschen böse (gerade entdeckt): http://minderheiten-quartett.de/

;)

kwork
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 12:08 Uhr
kwork

uli-schuster sagte:
Auch erwähnenswert und ein biiiisschen böse (gerade entdeckt): http://minderheiten-quartett.de/

;)


Nette Idee, aber zu seicht aufgezogen. Hört sich kleinkariert aber wenn man allein die "Werte" bei Lesben und Nazis vergleicht... Gesellschaftliche Akzeptanz: Nazis=1, Lesben=3? Nicht wirklich.
Satire gerne, aber dann bitte an der Wirklichkeit orientiert.

apollyon
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2011 - 17:56 Uhr
apollyon

uli-schuster sagte:
Auch erwähnenswert und ein biiiisschen böse (gerade entdeckt): http://minderheiten-quartett.de/

;)


Ich finde das Spiel super. Die "Was soll das"-Erklärung hat eine ganz besondere Qualität.


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