Malte hat die Faxen dicke – Frikadellen von fremden Leuten
„Ich rast aus!“. Malte schlug wutentbrannt mit der Faust auf die Tischplatte und schüttelte mit zusammengepressten Lippen langsam den Kopf. Dann sprang er auf, griff nach seinem Schlüssel und stürmte aus der Wohnung. Im Treppenhaus kramte er sein Handy hervor und schrieb Tobse eine SMS, dass sie sich jetzt doch schon früher treffen konnten.
Tobse wartete schon vor der namenlosen Bar. „Woher der Sinneswandel? Ich dachte, du wolltest unbedingt noch ne Bewerbung fertig machen?“ „Ja, wollte ich auch. Aber mein Nachbar…“ Malte schnaubte. „Lass uns erstmal reingehen.“
Als sie sich an einen kleinen Tisch gesetzt hatten, grinste Tobse Malte an. „Also was ist mit deinem Nachbar?“. „Ey, ich sags dir. Der macht mich echt fertig. Vorhin, oh Mann, so ein Gekreische, sowas hast du noch nicht erlebt. Ich glaub, der schlachtet da in seiner Wohnung. Ohne Scheiß. Der schlachtet da. Menschen, Tiere, ich weiß es nicht. Wie soll sich da einer auf irgendwas konzentrieren?“. Tobse nickte bedächtig. „Nachbarn sind echt voll die Plage. Wir hatten früher auch mal Stress mit den Leuten in der Wohnung über uns. Da hats ständig so geklappert von oben. Und an einem Abend meinte Melli dann, ich solle mal hochgehen. Ich also hoch und bei denen geklingelt. Macht sone kleine Frau auf. Ich sag halt ‚Hallo, ich bin Tobias, ich wohn unten und es ist wahnsinnig laut bei uns. So klapp-klapp-klapp die ganze Zeit. Wär super, wenn das aufhören könnte‘. Und sie dann so: ‚Oh, das tut mir voll Leid. Ich wusste nicht, dass man das unten hört. Das ist mein Freund, der steppt so gerne. Wir haben im Schlafzimmer ne Platte auf den Boden gelegt und darauf steppt er manchmal. Der ist Steuerberater und braucht das zum Ausgleich, das Steppen‘. Haben uns dann drauf geeinigt, dass er nur zu festen Zeiten steppt, damit man sich drauf einstellen kann.“ Tobse zuckte mit den Achseln. „Naja, und jetzt in der neuen Wohnung wohnt links neben mir ein Bestatter. Steht sogar an seinem Briefkasten - ‚Bestattungsunternehmen Gruber‘, kriegt wohl seine Geschäftspost da hin. Und der hat seinen Stellplatz direkt vor meinem Schlafzimmerfenster mit seinem Leichenwagen, das finde ich persönlich jetzt auch nicht optimal, aber irgendwas is ja immer.“
Wenig später gesellte sich Flo zu den beiden. Er hatte für ein paar Tage seine Schwester besucht. „Ich hab so Hunger. Ich glaub, ich bestell mir wieder so ein Sandwich ‚Balkan‘, das war gut letztes Mal. Ich hätte ja fast was im Zug gegessen, in dem Speisewagen da, aber es gab nur Bioerbseneintopf mit Mettwurstscheiben.“ Malte runzelte die Stirn. „Naja, so schlimm klingt das jetzt ja nicht.“ „Nee, also Entschuldigung, Mettwurstscheiben! Mett, da kann ja alles drin sein!“. Tobse nickte verständnisvoll. „Versteh ich gut. Man braucht Grundsätze im Leben. Und zu meinen Grundsätzen gehört zum Beispiel: keine Frikadellen von fremden Leuten. Ich hätte das auch nicht gegessen.“ „Mein Nachbar schlachtet ja selbst.“ Flo war irritiert. „Bitte?“ „Nix.“ „Wo wir gerade von Essen reden“, schaltete Tobse sich wieder in das Gespräch ein. „Hat jemand ne Ahnung, wie lange man Nudeln eingefroren lassen kann?“. Malte verschluckte sich fast an seinem Bier. „Also ehrlich gesagt hab ich noch nie gehört, dass man Nudeln überhaupt einfrieren kann.“ Flo sah ihn verwundert an. „Also grundsätzlich kann man ja eigentlich alles einfrieren. Meine Mutter friert auch immer Nudeln ein.“ Tobse pflichtete ihm bei: „Absolut, dass man das kann, steht außer Frage. Bei uns wurde auch Reis eingefroren.“ Malte war nicht überzeugt. „In welcher Situation würde man denn Nudeln einfrieren?“. Tobse und Flo tauschten einen Blick. Dann sagte Flo: „Wenn man halt zu viele gekocht hat?!“. „Kann man doch in den Kühlschrank tun und dann braten. Einfrieren is doch echt n bisschen übertrieben, oder?“. Tobse verdrehte die Augen. „Is ja auch egal. Ich hab halt noch Nudeln eingefroren. Die sind noch von Melli und…“ „Das is ja jetzt wohl nicht dein Ernst“, unterbrach ihn Malte. „Du wohnst schon seit drei Monaten in ner anderen Wohnung.“ „Ja, aber ich hab den Inhalt des Gefrierfachs mit umgezogen. In ner Kühltasche.“ Flo legte Tobse eine Hand auf die Schulter. „Schmeiß sie weg, Tobse. Echt.“
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aber mein abo ging nicht. was ist da los?
und diese einfriergedanken, köstlich!
Solche Dialoge führe ich viel zu oft.
07.06.2011 - 19:36 Uhr
alcofribas








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06.06.2011 - 13:02 Uhr
MsAufziehvogel
herrlich, die dialoge der herren!