03.06.2011 - 18:30 Uhr

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„Ich will keiner Partei schaden“

Text: christian-helten

Die Plagiatsjäger im Netz sind wieder fündig geworden: Sie wollen in der Doktorarbeit des Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai Plagiate entdeckt haben. Der kommt wieder aus dem Koalitionslager einen Oppositionspolitiker hat es bisher nicht getroffen. Zufall? Wir haben bei einem Plagiatsjäger nachgefragt.

Hindemith nennt er sich im Forum von VroniPlag, und er möchte lieber anonym bleiben. Nur so viel sei gesagt: Er ist Mitte 30, Mathematiker und arbeitet in der Finanzindustrie. Er hat im aktuellen Plagiatsfall des FDP-Politikers Bijan Djir-Sarai mitgearbeitet, und zuvor schon Fragmente der Arbeit von Georgios Chatzimarkakis überprüft.    



jetzt.de:  Macht es dir eigentlich Spaß, Politiker zu entlarven? Oder geht es dir eher um den Ruf der Wissenschaft?

Hindemith: Gute Frage, bei mir ist das eine gewisse Mischung: ich war von dem Auftreten zu Guttenbergs empört, keine Frage. Aber das ist nicht meine Hauptmotivation. Ich würde sagen, mir geht es um Ehrlichkeit und klares Denken an sich, und in der Wissenschaft insbesondere. Ich will auch keiner Partei schaden. Überhaupt finde ich, dass sich hier hauptsächlich einzelne Personen unmöglich machen, nicht Parteien.  

Wobei es schon sein könnte, dass zum Beispiel die Umfragewerte der FDP auch in den Keller gehen, weil sich in der Partei die Plagiatsfälle häufen, oder?
Na ja, ich glaube, das hängt dann davon ab, wie die Partei damit umgeht, glaube ich. Zum Beispiel die Reaktion der Bundeskanzlerin zum Thema Guttenberg war sehr schädlich auch für sie, denn sie hat mit ihrer Aussage, sie habe Guttenberg als Verteidigungsminister berufen und nicht als Wissenschaftler, alle Wissenschaftler gering geschätzt.  So etwas sollte man nicht tun.  

Das heißt, du glaubst nicht daran, dass ihr als Plagiatsjäger per se auch politischen Einfluss habt?

Doch, im Endeffekt wahrscheinlich schon, aber das ist nicht mein Hauptantrieb. Und ich glaube, das trifft wohl auf die meisten VroniPlag-Autoren zu, obwohl es da Ausnahmen geben mag.  

Warum hat es bisher eigentlich keinen Oppositionspolitiker getroffen?
Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, und die Antwort ist ganz einfach, weil auf VroniPlag noch niemand einen konkreten Anfangsverdacht zu einem Oppositionspolitiker gepostet hat. Konkreter Anfangsverdacht heißt dabei: einige Stellen mit Beleg, dass plagiiert wurde. Jeder, der will, kann solch einen Verdacht auf Vroniplag hinterlassen, und ich bin sicher, dass er Fall weiterverfolgt würde.  

Wurde denn überhaupt schon in Oppositions-Arbeiten gesucht?

Ja, es wurde schon in Oppositionsarbeiten gesucht, ich glaube es wurde sogar ein Preis ausgelobt für den, der den ersten „Oppositionsfall“ findet. Es ist nur so, dass das genaue Durchsuchen einer Arbeit sehr aufwändig ist, und nur dann voll anläuft, wenn tatsächlich Plagiatsstellen gefunden wurden: daher ist es schwierig zu sagen, eine Arbeit ist hundertprozentig sauber – die allermeisten Arbeiten sind aber natürlich vollkommen in Ordnung.

Es wäre euch also eigentlich ganz recht, wenn ihr einen Fall von SPD oder Grünen hättet? Weil dann wenigstens die Fragen aufhören würden, ob ihr parteiisch seid?
So ist es – zumindest geht es mir so. Man muss immer vorsichtig sein, wenn man von „Wir“ spricht. VroniPlag ist ein Wiki, bei dem jeder mitmachen kann, es gibt also verschiedene Meinungen und Motivationen.

Sind die meisten denn politisch motiviert? Oder ist auch denkbar, dass demnächst Plagiate von Wirtschaftsbossen auftauchen?
Ich glaube die meisten Wiki-Autoren wollen vor allem gegen den Missbrauch der Wissenschaft zu Imagezwecken vorgehen. Und Wirtschaftsbosse wurden auch schon untersucht.

Warum wollt ihr eigentlich anonym bleiben?
Auch da gibt es verschiedene Motivationen: einige legen sehr viel Wert auf Anonymität, andere weniger. Ich will mir meine Privatsphäre erhalten, und außerdem finde ich, dass sich die Diskussion ausschließlich auf die gefundenen Plagiate konzentrieren. Es ist beeindruckend, wie schnell die Leute – und auch die Presse – sich von den eigentlichen Plagiatsfunden abwenden und die Motivationen derjenigen untersuchen wollen, die diese Stellen gefunden haben. Als ob das Plagiat an sich irgendwie weniger schlimm wäre, wenn es von einem politischen Extremisten, Versager, Denunzianten oder sexuell frustrierten Wichtigtuer gefunden worden wäre.  

Hat das vielleicht auch etwas damit zu tun, dass dem Plagiate-Suchen irgendwie auch etwas Unsymphatisches anhaftet? In der Schule wäre ein Mitglied von VroniPlag wahrscheinlich nicht der Beliebteste in der Klasse gewesen...
Ich glaube nicht, dass es unsympathisch ist, bei VroniPlag mitzumachen. Meine Freunde und meine Familie wissen, dass ich dabei bin, und die finden das zumeist gut. Jedenfalls wenn es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt – und momentan verbringe ich schon manchmal vier Stunden am Tag damit. Um auf deinen Vergleich mit der Klasse zurückzukommen: Ich glaube, dass sich das mit der Schule überhaupt nicht vergleichen lässt. Da geht es nicht um wissenschaftliche Meriten, und früher habe ich immer allen beim Abschreiben geholfen.


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Gernot89
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Mag ich Mag ich nicht

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03.06.2011 - 20:02 Uhr
Gernot89

Die Leute, die für die Rechte aller in der Klasse aufgestanden sind, und klar gesagt haben, wenn etwas falsch läuft, das notfalls auch gegenüber Lehrern vertreten haben, waren bei mir in der Klasse früher eher beliebt. Sie haben sich freiwillig in die Schusslinie begeben, um etwas zu verbessern. Das habe ich denen hoch angerechnet, da sie ja auch meine Interessen mitvertreten haben, wenn sie z.B. beim Direktor waren und das vorgebracht haben.

rotfront
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03.06.2011 - 20:05 Uhr
rotfront

hehe streber!!
aber cool, was er macht :)

Awesomeness
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-2

03.06.2011 - 20:14 Uhr
Awesomeness

Keiner Partei schaden... komisch, dass nur erklärte Feindbilder eher linker Gesinnungen, wie z.B. Joseph Ackermann, FDP- und Unionsmitglieder ins Visier genommen werden.

Komisch auch, dass sofort nachdem jemand etwa Gysis Machwerk nominiert hat, der Vorschlag mitsamt User gelöscht wurde.

Wenn das nicht politisch sein soll, und vor allem politisch gerichtet, dann muss man schon seeehr blind sein.

fraeuleiningeborg
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8

03.06.2011 - 20:19 Uhr
fraeuleiningeborg

@Awesomeness:

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: Entweder sind die Parteistrategen von CDU und FDP zu blöd, selber Plagiate bei den Oppositionsparteien zu finden, oder es gibt halt keine (oder zu wenige). Was z.B. daran liegen könnte, dass für den Karriereweg in "linken" Kreisen ein Doktor nicht so wichtig ist.
Aber das wäre ja zu langweilig.

alces
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03.06.2011 - 20:38 Uhr
alces

Diese beiden Hypothesen sind natürlich legitim - aber die rote-Socken-Hypothese ist es auch. Es ist vermutlich eine Kombination aus allen drei Faktoren, würde ich sagen.

Unglücklicherweise haben viele der von mir am intensivsten gehassten Figuren nicht studiert.

highend
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3

03.06.2011 - 21:19 Uhr
highend

Ob dieser Quatsch "politische Motivation" wohl eines Tages aufhört? Du hast einen "linken" Politiker gefunden, der in seiner Dissertation "betrogen" (also in umfangreichem Maße plagiiert hat)? Toll, mach ein Wiki auf, belege die Stellen und es werden dutzende kommen, die fröhlich mit dir zusammen weitersuchen werden. Nicht intelligent genug, selber auf diesen Gedanken zu kommen? Nein, dann bitte komplett aufhören über Dinge zu schreiben, die man scheinbar nicht versteht / nicht verstehen will...

alter_hund
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03.06.2011 - 22:14 Uhr
alter_hund

@Fräulein Ingeborg: Das stimmt sicher. Aber die richtig schlimmen Plagiatoren wie der Guttenberg hätten den Dr. für ihre Karriere doch gar nicht gebraucht. Das war doch die nackte Eitelkeit. Vllt ist die Hemmschwelle bei den Protagonisten dieser Parteien einfach geringer?

Gernot89
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1

03.06.2011 - 22:41 Uhr
Gernot89

alces: nein, das dritte ist nicht nötig. eine der beiden annahmen muss stimmen: entweder sind alle, die gerne eine SPD-Dissertation finden würden, unglaublich unfähig, dumm oder damit beschäftigt, schwachsinnige kommentare zu schreiben. denn sonst hätten sie schon längst eine auf dem korn!
ODER es ist eben ein bisschen schwieriger als bei den bisher gefundenen. aber dann ist es nur eine frage der zeit, bis eine gefunden wird. also keine angst. bis dahin am besten etwas sinnvolles machen! zum beispiel mitsuchen.

drolli
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03.06.2011 - 22:45 Uhr
drolli

fraeuleiningeborg sagte:
@Awesomeness:

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: Entweder sind die Parteistrategen von CDU und FDP zu blöd, selber Plagiate bei den Oppositionsparteien zu finden, oder es gibt halt keine (oder zu wenige). Was z.B. daran liegen könnte, dass für den Karriereweg in "linken" Kreisen ein Doktor nicht so wichtig ist.
Aber das wäre ja zu langweilig.



Nein. Es bringt nicht so viel Leute zu zerschiessen die nicht im Rampenlicht stehen. Wenn ein x-beliebiger Abgeordneter der noch nie aufgefallen ist seinen Dr. verliert, geht das ganz sang und klaglos. Und verschwindet auch so bis zur naechsten Wahl. Seinen direkten Konkurrenten ist damit nicht gedient.

MsAufziehvogel
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Mag ich Mag ich nicht

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03.06.2011 - 22:50 Uhr
MsAufziehvogel

drolli sagte:
Nein. Es bringt nicht so viel Leute zu zerschiessen die nicht im Rampenlicht stehen.


chatzimarkakis steht im rampenlicht? koch-mehrin? von dem anderen habe ich noch nie gehört...

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