Die Pille danach – was muss ich wissen?
Über die Pille danach hatte ich mir nie Gedanken gemacht – bis ich sie selbst nehmen musste. Ich war nervös wegen der möglichen Nebenwirkungen, von denen ich viel gehört hatte: Ich stellte mich auf Kopfschmerzen ein, auf Bauchziehen und eine Nacht über der Kloschüssel. Ich schluckte sie herunter und es passierte – nichts. Auch nicht am nächsten Tag. Ich hatte überhaupt gar keine Nebenwirkung. Die herkömmliche Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, einem Gelbkörperhormon, sei ein relativ verträgliche Notfallverhütung, erklärt der Frauenarzt Mathias von Rotenhan. „Sie ist so etwas wie eine hochdosierte Minipille.“ Sie verzögert den Eisprung und verhindert, dass die Spermien überhaupt in die Gebärmutter gelangen, so Mathias von Rotenhan. Aber: Die Pille danach wirkt nicht, wenn das Ei schon befruchtet ist und sich in der Gebärmutter eingenistet hat, man also zum Beispiel beim Sex in der Woche zuvor schwanger geworden ist.Dass ich die Pille danach schnell einnehmen musste, war mir bewusst. Dass ich sie nicht einfach in der Apotheke kaufen konnte, nicht. In Deutschland braucht man für die Pille danach ein Rezept. Das heißt, man muss erst zum Arzt (alle Ärzte können das Rezept ausstellen) und dann in die Apotheke. Aber meist ereignen sich ja Verhütungspannen, wie ein gerissenes oder abgerutschtes Kondom genau dann, wenn es überhaupt nicht passt: Ich zum Beispiel war in Ungarn, es war Samstag, die Arztpraxen hatten also geschlossen und ich konnte kein Ungarisch. In Fällen wie diesen kann man das Rezept auch beim ärztlichen Notfalldienst oder in gynäkologischen Abteilungen der Krankenhäuser erhalten. Mathias von Rotenhan rät seinen Patientinnen, die mit Kondom verhüten: „Einfach mal vorsorglich ein Rezept beim Frauenarzt ausstellen lassen, dann spart man sich den Stress.“
Man kann die Pille danach bis zu 72 Stunden, also drei Tage nach dem Sex einnehmen. „Aber je schneller desto besser, denn es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Zeitpunkt der Einnahme und der Sicherheit der Schwangerschaftsverhütung“, gibt der Frauenarzt Mathias von Rotenhan zu bedenken. Falls man sich nach der Pille danach übergeben muss, sollte man eine Zweite einnehmen.
Wenn bereits die drei-Tage-Frist verstrichen ist, gibt es noch Ellaone, eine relativ neue Pille danach, die noch bis zu fünf Tage nach dem Sex eine Schwangerschaft verhindern soll. „Doch die Nebenwirkungen sind noch nicht ganz so lang getestet wie bei den Pillen mit Levonorgestrel“, meint der Gynäkologe. Und: Zum Frauenarzt muss nicht direkt nach der Einnahme, eine mögliche Schwangerschaft könne man erst rund zwei Wochen später überprüfen. „Da die Spermien auch vier bis fünf Tage überleben können, ist es ratsam, erst nach rund 18 Tagen einen Schwangerschaftstest zu machen“, rät Mathias von Rotenhan.
Ich hatte, trotz dreimaligem Lesen des Beipackzettels, Bedenken, dass sich die Pille danach langfristig negativ auf meinen Hormonhaushalt auswirken würde. Wie ich inzwischen weiß: Das ist Quatsch.
„Die Pille danach hat keine kumulative Wirkung. Das heisst, man kann sie theoretisch auch mehrmals im Zyklus nehmen. Die Blutungsunregelmäßigkeiten, die durch sie ausgelöst werden können, sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsschädlich. Die mehrmalige Einnahme ist medizinisch unbedenklich, denn das Gelbkörperhormon schwimmt sowieso im Blut herum“, erklärt Mathias von Rotenhan.
Trotzdem halten sich die zum Teil übertriebenen Pille danach -Abschreckgeschichten, die ich ja auch gehört hatte, eisern. Mathias von Rotenhan überlegt, ob sich diese noch aus älteren Pille danach-Erfahrungen ableiten: „Vor ungefähr zehn Jahren gab es die Tetragynon, eine Pille danach, die Östrogen enthielt und deutlich stärkere Nebenwirkungen wie anhaltende Übelkeit ausgelöst hat.“
Ich habe meine Pille danach-Erfahrung auch in schlechter Erinnerung behalten, was aber vor allem mit meinen flatterhaften Nerven und der langwierigen Suche nach einem Arzt in einer fremden Stadt zusammenhing. An der Wirkung der Pille selber lag es nicht.
Fiona Weber-Steinhaus, 24, hat für diesen Text Lara, 26, protokolliert, die sich wundert, warum so viele grauslige Pille danach-Geschichten im Umlauf sind. Ihr haben die Gerüchte am meisten Magenschmerzen verursacht – im Gegensatz zur Pille danach.
Fünf Tipps für die Pille danach
1. Die Pille danach ist keine Verhütungs-Alternative für sporadischen Sex: Erstens ist sie nicht so sicher wie die Pille, Kondom oder Diaphragma, sie ist relativ gesehen teuer (ungefähr 17 Euro pro Tablette, plus Praxisgebühr) sie kann zu Zwischenblutungen führen und „man nimmt unnötigerweise eine höhere Hormondosis ein“, so Gynäkologe Mathias von Rotenhan.
2. Nach der Verhütungspanne erstmal durchatmen: Sich Bilder auszumalen, in der man mit Baby unterm Arm in die Uni hetzt oder auf dem dreckigen WG-Herd Brei anrührt, machen einen nur verrückt und halten einen davon ab, zu planen wie und wo man die Pille danach bekommt.
3. In Deutschland ist die Pille danach rezeptpflichtig! Um sich den Stress zu ersparen, am Feiertag auf den Plastikstühlen beim ärztlichen Notfalldienst auf das Rezept zu warten, sich vielleicht schon mal vorsorglich ein Rezept ausstellen lassen, rät Mathias von Rotenhan.
4. Auch wenn sie bis zu 72 Stunden nach dem Sex eingenommen werden kann: Schnell zum Arzt oder ärztlichen Notfalldienst. Je früher sie eingenommen wird, desto höher die Sicherheit, dass man nicht schwanger wird. Und: Jeder Arzt kann sie verschreiben.
5. Die Pille danach hat auf jede Benutzerin eine unterschiedliche Wirkung. Aber laut Pro Familia löst sie bei den meisten Frauen nur leichte Nebenwirkungen wie Blutungsunregelmässigkeiten oder Kopfschmerzen aus. Außerdem: Die Pille danach mit Levonorgestrel enthält kein Östrogen, wie die normale Pille und erhöht damit nicht das Thromboserisiko.












