Pragsterdam
Warum Prag das neue Amsterdam ist und ob man sich bald gegen Drogensucht impfen lassen kann - in der neuen Drogenkolumne
Amsterdam macht dicht. Die Niederlande, als Hort der Legalisierung, werden zumindest für Nicht-Holländer so nicht mehr existieren. In Zukunft dürften Abdichtreisen wie im Video unten von „The Streets“ beschrieben ziemlich schwierig werden.Genau diese Art von Drogentourismus möchte die holländische Regierung mit dem neuen Gesetz verhindern.
In Coffee-Shops kiffen dürfen dann nur noch in den Niederlanden gemeldete Personen, die einen „Wietpas“, eine speziellen Kifferpass, besitzen. Jeder Coffeeshop soll ein bestimmtes Kontingent solcher Pässe (für maximal jeweils 1.000 oder 1.500 Mitglieder) ausstellen. Ein elektronisches System soll verhindern, dass Pässe mehrfach ausgestellt werden und die Höchstmenge von fünf Gramm pro Woche überschritten wird. Während sich kleinere Gemeinden nahe der deutschen und belgischen Grenze, die bisher unter Horden spätpubertärer Kifftouristen litten, über das neue Gesetz freuen, sind die Amsterdamer alarmiert: Sie befürchten das Ausbleiben der Touristen und somit Umsatzeinbußen.
Vor allem aber haben die Amsterdamer vor einem Wiedererstarken des Schwarzmarktes Angst. Wer partout nicht auf Abdichtreisen und Drogentrips wie diese hier partout nicht verzichten kann, der ist aber noch nicht völlig verloren.
Während Amsterdam seine Coffeeshops schließt, hat sich leise Prag als neue Drogenhauptstadt etabliert. Dort gelten seit 1.1.2010 die liberalsten Drogengesetze Europas. Konkret bedeutet das: Wer bis zu 15 Gramm Marihuana, ein Gramm Kokain und 1,5 Gramm Heroin bei sich trägt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat.
Der Potpreneur
Dass der Anbau von Cannabis längst nicht Sache kapitalismusfeindlicher Hans-Söllner-Lookalikes ist, sondern im Gegenteil ein Hype-Business wie jedes andere auch, zeigt die Geschichte von Yan Ebyam. Als Kind zweier kalifornischer Hippies (sein Vorname steht für „Yes and now“, sein Nachname bedeutet rückwärts „maybe“) stieg er auf dem Höhepunkt des Marihuana-als-Medizin-Hype in das Geschäft ein und gründete die größte Grow-Farm der Stadt. 40 Angestellte pflanzten in mehreren Hallen Gras im Wert von über einer Million Dollar an. Doch Ebyam hatte Pech: Erst vernichtete Ungeziefer seine Ernte, dann kam es zu Schwierigkeiten wegen angeblich nicht bezahlter Strom- und Mietrechnungen. Schließlich entschieden sich die Kalifornier per Volksabstimmung knapp gegen die Legalisierung und das ganze Projekt war für die Katz. Die ganze Geschichte gibt es hier zu lesen.
Impfen gegen Sucht
Das Schlimme am Drogennehmen, Kater und andere Nebenwirkungen mal beiseite gelassen, ist, dass es irgendwann süchtig macht. Forscher in den USA haben nun erste Hinweise, wie sich Drogensucht relativ einfach heilen lässt. Das Mittel lautet: Impfen. Kim Janda vom Scripps Research Institute in San Diego hat vorgeschlagen, wie eine Impfung gegen Methamphetamin (Chrystal Meth) funktionieren könnte. Stark vereinfacht: Sie injizierten Mäusen leicht veränderte Moleküle der Droge, die daraufhin Antikörper bildeten. Ob das beim Menschen ebenfalls nach diesem Prinzip funktionieren kann, ist noch unklar. Wenn ja, so glauben die Forscher, dürfte dies auch bei anderen Drogen z.B. Nikotin klappen.
Abstimmen gegen den Drogenkrieg
Das Tolle an Online-Petitionen ist ja, dass man dafür weder das Haus verlassen muss, noch sich mit Leuten auf einen Platz stellen muss, deren Frisur man überhaupt nicht ausstehen kann, noch sich von anonymen Polizisten in Schutzanzügen verprügeln lassen muss. Ein paar Mausklicks genügen und man ist ein „Hacktivist“ bzw. „Slacktivist“. Diese Petition hier richtet sich – etwas ambitioniert – an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und alle Staatschef: „Bitte beenden Sie den Krieg gegen Drogen und die Prohibition. Stellen Sie Entkriminalisierung, Regulierung, öffentliche Gesundheit und Bildung in den Vordergrund“, heißt es in dem Text der Petition, die das Kampagnennetzwerk Avaaz.org gestartet hat. Am vergangenen Montag hatten bereits 370.000 Menschen unterzeichnet. Vor dem Hintergrund des gerade eskalierenden Drogenkriegs in Mexiko und Mittelamerika ein ehrenwertes Unterfangen.
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und gegen
Ungezieferim gras helfen doch bekanntlich je nachdem räuberische gallmücken oder das gehirnzellenmassaker :)
und es heißt crystal, ohne h.
ich frage mich nur, ob solche impfungen wirklich sinnvoll sind. das führt doch sicher nur dazu, dass viele leute viele drogen nehmen, da man sich ja notfalls fix (no pun intended) impfen lassen kann und dann die nervige sucht wieder los ist, bzw der sucht so gleich vorbeugen kann.
melancholieunduebermut sagte:
legal ist kiffen aber auch in prag nicht! scheint da zwar niemanden zu stören, aber es ist nur "entkriminalisiert". stress kann man deswegen also trotzdem kriegen.
und so weit ich weiß darf jeder (ich nehme an ab 18 oder so) bis zu 2 hanfpflanzen anbauen, außer zu nahe der grenze. verkauf ist und bleibt halt verboten.
aber hier in wien kifft auch in jeder kneipe irgendwer, vor kurzem sogar im kino gerochen, und die dorfkinder lassen ihre pflanzen zu hause von mama betreuen, wenn sie nach wien studieren gehen. was aber trotzdem nichts an den gesetzen ändert (bei denen ich mich gar nicht sooo sehr auskenne, da mich das ganze nicht wirklich interessiert/nur äußerst selten mal konsument und eigentlich nie besitzer bin...)
Ach ja, Amsterdam. Was für ein rechtskonservativer Kiff in's Klo.








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30.05.2011 - 18:44 Uhr
melancholieunduebermut