Tom und die Krise (Teil 4)
Knapp zweieinhalb Jahre ist die „Tom-Trilogie“ auf diesem Blog her, die damals auch zum viel beachteten Redaktionstipp wurde. Der wohnungs- und arbeitslose, intellektuell jedoch eher zu viel beschäftigte Tom wollte damals am liebsten sofort zu den Jugendprotesten nach Athen aufbrechen. Allerdings hatte er nicht genug Benzin in seiner alten Rostlaube. Und dann hatte er nicht mal mehr eine Freundin, weil sie seine brot- und zielloses Politisieren nicht länger ertragen konnte. Heute, am Tag der großen Jugendproteste in Spanien, ist die Zeit für Fortsetzung gekommen.
„Die haben ja so was von Recht, die Spanier. Leben in einem total wohl-habenden Land mitten im reichen Europa. Und haben keine Chance. Keine Perspektive auf ein anständiges Einkommen, auf einen sicheren Beruf. Die ackern da wie blöde an der Uni oder in der Ausbildung – und dann kommt nichts. Weder vom Staat, noch von den großen Firmen. Und die Parteien versprechen (zumindest rund um den Wahltag) mal wieder das Blaue vom Himmel, um am Ende doch nur wieder den üblichen Verdächtigen das Volksvermögen in den Rachen zu schieben. Mann, überall das selbe. Und nichts wird besser. Aber die trauen sich wenigstens mal vor jetzt da in Madrid. Und protestieren zu zigtausenden. Damit bei der Wahl mal was geschieht und besser wird. Bei den Griechen ist es ja nicht gut gegangen vor zwei Jahren. Die brennenden Autos, die ganze Wut, wozu hat es geführt?! Heute zwingt die EU die Griechen, noch weniger auszugeben, und die Steuern wurden auch noch erhöht. So dass man sich gar nichts mehr leisten kann und alles vor die Hunde geht. Kaputt gespart, damit die in Brüssel zufrieden sind. An die Jungen und deren Perspektive denken die da heute noch weniger als vor zwei Jahren; weil sie nur noch mit Geldzählen und Statistik-schönen beschäftigt sind. Wer arm und schlau war, ist eh abgehauen. Dreimal mehr jungen Griechen sind nach Deutschland und in die USA gegangen als in den Jahren zuvor. Kommen jetzt die jungen Spanier zu uns? Hey kommt her. Fänd ich riesig. Lasst uns feiern und das ganze korrupte System vergessen. Wenn unsere BILD-Zeitungs lesenden Rentner (die über 60-jährigen sind ja bei uns die, die noch fette Rente kriegen) im Sommer alle zu Euch strömen, dan trömt ihr eben im Gegenzug zu uns. Dann gehört uns im Sommer Deutschland ganz allein; den Mittellosen, den Joblosen, den nicht-erben-Werdenden, den Abgebrannten, den Träumern. Wenn dann auch noch die ganze Politiker- und Lobbygang auf ihren Yachten unterwegs sind, dann kapern wir good old Germany. Mit ge-hartz-tem Wein, Flamenco und jeder Menge feuriger Ideen. Das wird ein Sommer. Jede Nacht feiern wir vor einem anderen Arbeitsamt ein rauschendes Fest. Wir basteln buntes Konfetti aus Wohngeldanträgen, Wahlbenachrichtigungen und Bewerbungsabsagen. Wir machen einen Rap aus den besten Politikerphrasen des Monats und schreien den die ganze Nacht durch die abgeschotteten Wohnquartieren der Reichen. Dann schleichen wir uns in die Druckereien der Tageszeitungen und färben den ganzen Börsenteil pink. Wir besetzen die schönen Häuser und halbieren dort die Miete, welche dann ab sofort von den großen Banken und reichen Schnöseln zu begleichen ist. Und die kriegen erst wieder was vernünftiges zu essen, wenn sie einen gerechten Zukunftsplan für alle entworfen haben. Ja, und dann fahren wir nach Spanien und nach Griechenland zurück, direkt ans Meer. Und feiern unseren Erfolg… Oh, da kommt gerade ein Bericht von der spanischen Wahl im Radio: die bisher regierenden Sozialisten haben deutliche Verluste eingefahren. Gestärkt wurde dagegen die rechts-gerichtete Opposition, die sofort eine Verschärfung des Demonstrationsrechts ankündigte. Ein Sprecher der Partei sagte soeben: Die Jugend habe bis Mitternacht die Straßen und Plätze zu räumen, sonst wird die Polizei gewaltsam durchgreifen. Ist ja bisher echt super gelaufen, spanische Jugend!

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- Tom und die Krise. TEIL 2: beim Griechen 17.12.2008







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24.05.2011 - 09:31 Uhr
Hasilein