08.05.2011 - 18:00 Uhr

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Das Leben rennt dir nach.

Text: akrause

Man wird geboren, lernt Krabbeln, lernt Laufen, lernt Sprechen und kommt in den Kindergarten. Dort findet man dann Freunde, die man mag und die einen mögen. Irgendwann kommt der erste Umbruch, man kommt in die Schule, findet neue Freunde, die einen mögen und die man mag. Eltern, Brüder, Kindergärtnerinnen und Lehrer, alle Teile der Kindheit.

Doch man wird älter und nicht weniger unschuldig. Man baut Scheiße, begeht Missetaten, sündigt, quält sich und andere, lacht darüber, freut sich und wächst daran.
Mit der Zeit schwinden die Eigenschaften des Kindes, man wird zum jungen Erwachsenen, lernt weiter, wechselt Schulen, lernt neue Leute kennen, orientiert sich um.

Man wird auch weiser, erkennt sich selbst und andere, hat Angst und will nichts ändern.

Man erkennt, die Kindheit stirbt mit jedem Atemzug ein weiteres Stück und hat Angst davor, sehnt sich nach seiner Kindheit zurück, sehnt sich nach der Unschuld und will wieder jung sein, nicht ein sündiger Erwachsener. Doch man erkennt - und das ist auch Teil des Prozesses des Erwachsenwerdens - sein eigenes Verfallsdatum und weiß um seine Endlichkeit, verliert seine Naivität und geht des Weges, der vorherbestimmt war.

Man wird rational, weniger einfältig, weniger naiv, wird befangen und denkt mehr als man fühlt. Aus dem einstigen Neugeborenen ist ein erwachsener Mensch geworden. Der Erwachsene lebt weiter, lernt neue Leute kennen, geht arbeiten, macht Fehler, lernt daraus, verliebt sich und heiratet vielleicht und lebt weiter und arbeitet und lebt.

Schließlich wird der Erwachsene alt und krank, dem Tode nahe. Ist stolz auf seine Kinder und die Enkel, denkt über sein Leben nach, ist glücklich und seelig in dem Gedanken, etwas bewirkt zu haben.

Mit der Zeit eilt der Tod heran, schleicht sich an, trapst und flüstert unentwegt. Man kann ihn hören, ist man still. Und mit einem Male ist die Kerze aus, das einstige Kind ist tot und geht den Gang alles irdischen.

Dieser Kreislauf ist definitiv so vorherbestimmt. Jeder Mensch geht ihn. Baby-Kind-Jugendlicher-Erwachsener-Senior-Toter. Ich will nicht auf ein Leben nach dem Tod hinaus, aber ich will folgendes ansprechen:

Was bringt es dir, wenn du dich zeitlebens in deinen Möglichkeiten beschränkst, aus Angst? Wenn du dich wie ein Kind unter dem Bett verkriechst und nicht lebst? Was bringt dir ein guter Abschluss, bist du innerlich zerrüttet, was bringt dir Geld und ein Auto, was bringt dir alles Glück der Welt, kannst du es nicht sehen oder geht es dir schlecht oder leidest du?

Also sage ich: Lebe wie du bist, beschränke dich nicht, und wenn du LesBiSchwul bist oder schwarz, weiß, braun, gelb oder dergleichen. Wen kümmert deine Abstammung, deine Klassenzugehörigkeit, dein Abschluss?

Am Ende des Lebens ist all das egal, Zertifikate, Zeugnisse, Leistungen, alles verschwimmt mit deinem Augenlicht und im Tod ist das alles egal. Du bist tot und alles ist egal, es ist nicht mehr deine Sache, das Leben geht ohne dich weiter. Der Mensch ist endlich, vom Verfallsdatum bedroht. Warum beschränkst du dich? Warum zügelst du dich?
Warum nimmst du dir Freude, warum lebst du nicht dein Leben, warum gehst du einen fremden Pfad, warum eiferst du fremden Idolen nach? Denke immer an den Tod: Er rennt hinter dir her.

Denke auch an das Leben.

Du lebst wie oben beschrieben, lebst vor dich hin, denkst an nichts Böses und - nach Murphy - im schlechtest-möglichen Augenblick, wenn du nicht damit rechnest, überfällt es dich und zerfleischt dich mit einem Happen. Alles ist anders, es wird sich alles verändern, du wirst dann erkennen, dass das Leben keine Konstante sondern ein Prozess ist, es ist im Wandel und verfolgt dich bis zum Tod. Es wird dich mehr als einmal überfallen, aber wenn du ihm einen Schritt voraus bist, kannst du dem Biss entgehen und bist vorbereitet.

Also: Erkenne dich selbst, wie du bist, was du willst und was du brauchst. Lebe danach und fordere das auch ein. Denke nicht zu sehr an andere, liebe freilich deine Freunde und Familie aber leben dein Leben, nicht das deines Vaters oder das deiner Mutter. Lebe dein Leben. Wenn du dich nicht beschränkst, kannst du alles erleben, dann kann das Überfallen des Lebens dir nichts anhaben, du bist dann ein offener Mensch und hast die Prozesshaftigkeit des Lebens erkannt. Du bist ihm sodann einen Schritt voraus.

Öffne alle Türen, die dir angeboten werden und gehe hindurch, lass keine aus und sage auch mal „ja“, sei naiv, sei Kind. Dann wirst du ein besserer Mensch und glücklich sein.

Sei vorbereitet. Erkenne dich selbst. Lebe dein Leben.
Und wenn du dann stirbst, dann wirst du dich nicht grämen. Das ist der Lauf des Lebens: Geburt-Leben-Tod. So ist es nun einmal. Daran kannst du nichts ändern. Also akzeptiere es.

Ist es also soweit, dann hast du dein Leben so gelebt, wie du konntest und du hast es ausgekostet und die Zeit auf Erden genossen.

Denke daran: Es ist dein Leben, nur deines. Es ist deine Aufgabe und Chance, also nutze sie! Beschränke dich nicht, sei frei, sei unabhängig. Im Tod ist alles gleich dem andern und ebenso. Kümmere dich nicht um die anderen, sie haben keine Ahnung.

Damit will ich nicht sagen, du sollst dein Schicksal bedingungslos annehmen oder du sollst auf dem Tod hoffen.

Ich will damit sagen: Forme dein Leben so, wie du es willst und nutze die Zeit, die dir geschenkt wurde jede Sekunde aus. Sei naiv, sei einfach wieder Kind. Lass das Kind in dir aufwachen und fühle dich jung. Mach‘ das Beste aus jeder Situation. Nimm dich an, wie du bist. Verändere dich nicht und denke darüber nach, dass das Leben zu kurz ist, um wählerisch zu sein!


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4 Kommentare

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Engelsgestalt
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Mag ich Mag ich nicht

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08.05.2011 - 21:03 Uhr
Engelsgestalt

Du bist das Indefinitpronomen schlechthin.

akrause
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.05.2011 - 21:32 Uhr
akrause

Engelsgestalt sagte:
Du bist das Indefinitpronomen schlechthin.


Was auch immer das genau bedeutet :D

Engelsgestalt
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.05.2011 - 21:38 Uhr
Engelsgestalt

Yeah. ;DDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDD

akrause
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.05.2011 - 21:42 Uhr
akrause

Mir ist schon klar, dass du meinen mit Indefinitpronomen gespickten Stil meinst. Aber ob das nun ein Kompliment ist oder nicht, das war mir unklar.


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